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Method Man & Redman sind zurück

31 Mai 2009

 

Method Man Redman Blackout


Die offensive Werbung und der damit verbundenen Hype um Eminems jüngstes Werk “Relapse” wirft einen langen Schatten auf die internationale Rap-Landschaft. Die durchaus verdiente mediale Aufmerksamkeit rückt insbesondere eine Veröffentlichung in den Hintergrund, die mindestens ebenso lange von Fans erwartet wurde: Method Man & Redman – “Blackout! 2“.


Method Man, der heimliche Star des Wu-Tang Clans und Redman, der erfolgreichste Solokünstler der Def Squad, werden, obwohl sie beide auf eine großartige Solokarriere zurückblicken können, fast ausnahmslos in einem Atemzug genannt. Nach ihrem ersten gemeinsamen Track “How High“, der ’95 auf dem Soundtrack des Hiphop-Dokumentarfilms “The Show” zu finden war, kam kein Album des Einen ohne einen Gastauftritt des Anderen aus – bis heute. Trotzdem mussten sich die Fans noch weitere vier Jahre gedulden, bis das erste gemeinsame Album “Blackout!” das Licht der Welt erblickte.



Bereits 3 Monate nach Veröffentlichung hatte das Album in den USA Platin-Status erreicht, aber auch zehn Jahre später hat es nichts von seinem Glanz verloren. “Was? Das ist schon zehn Jahre her?” Ja, das habe ich mich auch gefragt. Die Singleauskopplungen “Da Rockwilder” und “Tear It Off” sind immer noch Pflichtprogramm in sämtlichen Hiphop-Clubs und das Album selbst braucht auch im Jahr 2009 den Vergleich mit den aktuellen Top-Sellern nicht zu scheuen.


Mit der Hiphop-Kiffer-Komödie “How High” (in Deutschland “So High” bzw. “American High“) eroberte das dynamische Duo 2001 schließlich auch die Leinwand, für den passenden Soundtrack legten die beiden ebenfalls Hand an und lieferen den Fans eine Handvoll neuer Tracks. Allerdings schien der Karrierehöhepunkt erreicht: Die 2004 folgende TV-Sitcom “Method & Red” konnte an diese Erfolge nicht mehr anknüpfen. Nach nur 13 Folgen, von denen nur 9 ausgestrahlt wurden, stellte der TV-Sender FOX die Serie ein, die weder das Publikum, noch die beiden Rapper selbst überzeugen konnte.


Method Man Redman Blackout


Auch die musikalischen Karrieren von Method Man und Redman erlitten schlagartig herbe Rückschläge. Nach ständigen Verschiebungen folgten die Solo-Releases “4:21… The Day After” und “Red Gone Wild“, die an den kommerziellen Erfolg der Vorgänger nicht annähernd anknüpfen konnten. In Zeiten von T-Pain, Lil Wayne und Flo Rida wurden die einstigen Zugpferde von Def Jam Recordings kurzerhand ohne Singleauskopplungen und vernünftige Musikvideos auf die Ersatzbank verbannt.


Trotzdem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Fast zehn Jahre nach dem im September 1999 veröffentlichten Album “Blackout!” haben die beiden bekennenden Potheads Method Man und Redman am 15. Mai 2009 (in den USA am 19.) endlich nachgelegt. Auch “Blackout! 2” scheint von Def Jam mit großer Skepsis behandelt zu werden und muss ohne große Werbekampagne und ohne teure Musikvideos auskommen.


Method Man Redman Blackout


Dabei stehen die Zeichen gut, dass “Blackout! 2” sich als würdiger Nachfolger entpuppt. Über die Skills der beiden MCs braucht man kein Wort zu verlieren – hier wird Rapkunst auf allerhöchstem Niveau geboten. “We on a level they can’t touch” – das war immer so und das wird immer so sein. Auf der Produzentenliste finden sich unter anderem Erick Sermon, Rockwilder, DJ Scratch und Allah Mathmatics, die bereits beim ersten Album ihre Finger im Spiel hatten. Die erste Single, das von Pete Rock produzierte “A-Yo” entpuppt sich als entspannter Sommer-Tune, der mit reichlich Endneunziger-Flavour zwar nicht durch Innovation glänzt, aber trotzdem sehr viel Spaß macht. Tatsächlich ist die Single verdammt gut gewählt, sie scheint sehr repräsentativ für das, was den Hörer auf “Blackout! 2” erwartet.


 


Blackout! 2” klingt, als wäre die Def-Jam-2000-Ära niemals vorbeigegangen. Wie schon der Vorgänger, so zeigt sich auch dieses Album über weite Strecken kompromisslos “raw“. Der Sound ist zwar insgesamt nicht mehr so dreckig wie vor 10 Jahren, der raue Wu-Tang-Einfluss ist deutlich geringer als 1999, auf Massenkompatibilität wird allerdings auch 2009 nicht der leiseste Fick gegeben. Lediglich das minimalistisch produzierte “Hey Zulu“, das fast ausschließlich aus einem treibenden Rockwilder-Rhythmus besteht und in der Hook ausnahmsweise auf Autotune-Gesang setzt, erinnert den Hörer daran, dass Hiphop im Jahr 2000 keinesfalls stehengeblieben ist.


Das von Nasty Kutt produzierte “City Lights” ist, wie der Gastauftritt von Bun B schon vermuten lässt, deutlich beeinflusst durch den Sound des dreckigen Südens. Tatsächlich hätte sich der Beat auf einem der letzten T.I.-Alben nahtlos eingefügt. “Four Minutes To Lock Down” dagegen entpuppt sich als typische Wu-Tang-Nummer mit hypnotischem Vocal-Sample, was angesichts der Feature-Parts von Raekwon und Ghostface Killah ebenfalls keine große Überraschung ist.


Der Rest des Albums bewegt sich irgendwo dazwischen: “I Know Sumptn” ist eine hektische Club-Hymne, die entfernt an Jay-Zs “Dirt Off Your Shoulder” erinnert. “Errbody Scream” schlägt eindeutig in eine ähnliche Sparte. “Dangerus MCees“, “Father’s Day” und die obligatorische Kiffer-Hymne “Dis Iz 4 All My Smokers” präsentieren sich in der entspannten Soundkulisse, die man besonders von Redmans Soloalben gewohnt ist.


Method Man Redman Blackout


Eine objektive Bewertung abzugeben fällt sichtlich schwer. “Blackout! 2” ist ein Ausflug in die goldene Ära von Def Jam, ein Ausflug in die späten Neunziger und für mich persönlich ein Ausflug in meine Jugend. Method Man & Redman haben nicht an Biss verloren und man hört bei jeder Zeile, wie verdammt viel Spaß die beiden im Studio haben. Gewohnt witzig und pointenreich gestalten sich die Verse der beiden Hiphop-Veteranen. Keine angepasste Popmusik, aber auch keine frischen Experimente – “Blackout! 2” ist einfach Hiphop, straight Hiphop. Der Einfluss von 10 Jahren Hiphop-Weiterentwicklung lässt sich zwar nicht leugnen, trotzdem macht “Blackout! 2” letztendlich genau da weiter, wo “Blackout!” aufgehört hat. Ist das gut, weil es genau das ist, was man bei dem Namen erwartet? Ist das schlecht, weil Innovation und wirklich große Ideen Fehlanzeige sind? Ob das Album in 10 Jahren immer noch so omnipräsent ist wie sein Vorgänger heute, ob “Hey Zulu” in 10 Jahren immer noch in den Clubs rauf und runtergespielt wird, das vermag ich nicht zu sagen.


Für den Moment kann ich allerdings eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. “Blackout! 2” gehört sicher zu den Highlights des Hiphop-Jahres 2009 und sollte einfach in jedem Plattenregal stehen, egal ob man ein 90er-Nostalgiker ist, oder einfach Bock hat auf eine der heißesten Platten des Jahres.


(cg)


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