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KAAS – T.A.F.K.A.A.Z. :D (Review)

1 Juni 2009

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Im dritten Anlauf hat es endlich geklappt. Nach einer Fehlpressung und einer medialen Hexenjagd, in der dem Reutlinger Rapper eine Mitschuld am Amoklauf von Winnenden gegeben wurde, hat es KAAS‘ Album unter dem neuen Namen “The Album Formaly Known As Amok Zahltag :D” (kurz “T.A.F.K.A.A.Z. :D“) doch noch in die Läden geschafft. Die Kontroverse, ausgelöst durch die schwer nachvollziehbare Fehlinterpretation der Single “Amok Zahltag” der ARD und der Bild-Zeitung, sorgte letztendlich sogar dafür, dass besagter Track nicht mehr auf dem Album zu finden ist.


Stattdessen ging KAAS noch einmal ins Studio und nahm “Amok Nachtrag” auf; ein Lied, das deutlicher und (hoffentlich auch für die oben Genannten) unmissverständlicher seine Botschaft der Liebe verdeutlichen soll. Es soll keine Abrechnung mit den Medien sein, sondern viel mehr die Betroffenheit und das Unverständnis für das Geschehene zum Ausdruck bringen.


Zudem enthält das Album noch 12 weitere Tracks, über die es sich zu schreiben lohnt. Für qualitativ hohes Niveau sorgen der Chimperator-Produzent Peerless, Christyle und Tua, welcher schon im Rap-Quartett Die Orsons an KAAS‘ Seite stand. Die Herren haben ein Gerüst erstellt, das perfekt mit der etwas abgedrehten, aber durchweg positiven Message des Gute-Laune-Mannes aus Reutlingen ausgefüllt wird.


Der erste Titel “Lovemovement Anthem” stimmt einen sofort auf das ein, was man beim Hören des Albums zu erwarten hat: Das universelle Statement lautet “Liebe und Gewaltverzicht” und steht somit, wie der Rapper selbst, in starkem Kontrast zu dem, was man sonst aus der Deutschrapszene gewohnt ist. So spricht er in “Straßenrap ist sexuell erregt dank Kool Savas” selbst davon, dass er Deutschrap neue Werte mitgebracht hat. Unvermeidlich bei KAAS sind natürlich die kitschig-lustigen Geschichten über Einhörner, Löwen und Fabelwesen, welchen mit “Märchenwald” ein etwas gewöhnungsbedürftiger Track gewidmet ist. Die Grundstimmung insgesamt wirkt heiter, die Titel “Wunderschöne Welt” und “Der beste Tag meines Lebens bis jetzt” lassen einen die Sorgen des Alltages vergessen, “Sam Cooke und so“, eine Parodie eines 50iger Jahre Love Songs, zaubert ein Lächeln ins Gesicht und “Das große Fest” ist ein Partytrack auf KAASisch.


Abwechslung in die bunte Welt bringen “Nichtsnutz 09“, ein Track für alle mit Wut auf Ihren Chef, sowie die beiden Tracks “Haruki” und “Über Sie/An Dich“. In “Haruki” verarbeitet KAAS den Tod einer Freundin, welche an einer nicht näher benannten Krankheit gestorben ist, wobei es ihm erstaunlich gut gelingt, seine Gefühle an den Hörer weiterzugeben, was dem Album eine vollkommen unerwartet Seite verpasst. Ebenfalls für einen verstorbenen Freund ist das inhaltlich ergreifende “Für Uwe“, was allerdings durch die durchgängig autogetunte Stimme stark zur Geschmackssache wird. Der Hiddentrack greift die Thematik des Intros wieder auf und schließt somit den Kreis um diese wirklich gelungene Platte.


Nette Idee: Statt Booklet und Hülle neu zu drucken hat man den alten Titel einfach geschwärzt und auf jede CD-Hülle einen neuen individuellen Titel geschrieben. So ist jede CD ein Unikat.


T.A.F.K.A.A.Z. :D” hat meine Erwartungen wirklich übertroffen. Von der stimmigen Beatauswahl bis zu dem Gefühl etwas vollkommen Neuartiges gehört zu haben, wenn der letzte Track verstummt, gibt es nur wenig auszusetzten. Es geht KAAS nicht um unzerstörbaren Flow und krasse Vergleiche, sondern viel mehr um die positive Botschaft, welche auf sehr abwechslungsreiche Art zuverlässig bei mir angekommen ist.



5 von 6


(fb)


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