Asher Roth – Asleep in the Bread Aisle (Review)
Lange Zeit diente “Studenten-Rap” als Schimpfwort für die entspannte Wortakrobatik von Künstlern wie Blumentopf, Dendemann und anderen Hiphop-Helden der späten Neunziger, da sich deren Musik besonders unter dem Nachwuchs der Bildungselite großer Beliebtheit erfreute. Heute könnte der Begriff “Studenten-Rap” endlich seinen negativen Beigeschmack verlieren, denn ein bis dato unbekannter Newcomer liefert auf seinem Debutalbum Studenten-Rap der ganz anderen Sorte. Der Name: Asher Paul Roth.
Asher Roth stammt nicht aus den harten Straßen von South Central, Harlem oder dem White-Trash-Trailerpark. Asher Roth stammt aus dem beschaulichen Morrisville, Pennsylvania. Ein ganz normaler Junge aus dem Vorort, der auf den ersten Blick so garnichts mit Hiphop zu tun hat und sich dessen auch bewusst ist: “Hair like a troll doll, basketball shorts on / yeah, I’m a dork but I’m still holding court” – so stellt sich Asher Roth auf dem Album-Opener “Lark On My Go-Kart” vor. Der handwerklich unspektakuläre Rap ist solide, lebt aber weniger von der Technik, sondern mehr von Roths lässigem Tonfall, ein bisschen, als wäre er wirklich gerade erst aus dem Bett gekrochen. Entsprechend unverkrampft gestaltet sich sein ganzes Debut-Album, dessen Lyrics komplett ohne die Hiphop-typischen Statussymbole auskommen.
Auch die wirklich großen Namen gibt das Booklet nicht her: Die Produktionen sind fast ausschließlich dem Duo Oren Yoel und David Appleton zuzuschreiben, Mike Caren und Novel steuerten jeweils einen Beat bei. Mit Don Cannon schleicht sich ein einziger ansatzweise bekannter Name in die überschaubare Liste der Produzenten. Bei Features sieht es ähnlich unspektakulär aus: Busta Rhymes gibt sich auf dem treibenden “Lions Roar” für einen atemberaubenden Doubletime-Vers die Ehre, der ansonsten sehr minimalistisch produzierte Track mit einem abartig guten Drumset, das den Hörer gewaltsam vom Stillsitzen abhält, wird durch eine unauffällige Hook von New Kingdom veredelt. Weitere Rap-Features gibt es nicht, lediglich Cee-Lo, Jazze-Pha, Chester French und Keri Hilson sorgen für gesungene Hooks, sind teilweise aber nichtmal auf der Tracklist aufgeführt, die ohnehin nur 12 Tracks umfasst.
Schwache Leistung? Mitnichten. Vielleicht liegt darin sogar eine der großen Stärken von “Asleep In The Bread Aisle“: Es ist etwas komplett eigenes. Keine bekannten Produzenten, kaum Gastauftritte und auch keine langweiligen Albumfüller oder Skits. Anstatt sich auf eine altbekannte Formel zu verlassen, setzt Asher Roth bei seinem Debut-Album auf etwas ganz neues und räumt mit den im Vorfeld erklungenen Unkenrufen auf, er sei nur ein Eminem-Abklatsch.
Mit “As I Em” widmet er diesem Thema, wie der Titel schon erahnen lässt, sogar einen komplett eigenen Song, in dem er erklärt: “Now the masses think that Asher wants to be a Marshall Mathers / They say “Asher’s not a rapper, nah his ass is just an actor / Cause we have the same complexion and similar voice inflection / It’s easy to see the pieces and reach for that connection“. Tatsächlich: Asher Roths Stimme klingt Eminems streckenweise sehr ähnlich, das ist aber wirklich alles, was die beiden Künstler miteinander verbindet. An die überragende Technik eines Eminems kommt Asher Roth leider um Längen nicht heran.
Die im Vorfeld bereits veröffentlichte Single “I Love College” versprüht mit Country-Gitarren-Samples reichlich gute Laune und Sommer-Feeling und liefert den perfekten Sound für die Studentenparty – oder für den Morgen danach. “Drink my beer and smoke my weed / but my good friends are all I need” – Asher Roth genießt das unter Rappern sonst so verpöhnte Studentenleben und zelebriert mit dem Song, was sonst Rockbands wie Weezer oder Blink-182 vorbehalten bleibt: “Pass out at three, wake up at ten / go out to eat, then do it again.“
Seine Beschreibung eines “Bad Day” gestaltet sich weniger tragisch, als der Titel erahnen lässt. Auf dem Flug nach New York ärgert sich Asher Roth über allerhand alltägliche Kleinigkeiten: Ein Platz am Gang, ein schreiendes Kind hinter ihm – “And when I thought that it couldn’t get worse / I forgot my iPod“.
Asher kann aber auch ganz anders: Der ruhige, ein wenig melancholisch anmutende Song “His Dream” ist seinem Vater gewidmet. Mit rührenden Worten beschreibt er die Geschichte eines Mannes, der seinen Traum, ein Schriftsteller zu werden, für seine Frau und seine Kinder geopfert hat, aber auch die Geschichte eines Mannes dessen Sohn dieses Erbe würdevoll antritt. “His only son is only 21 / And focus as a poet has only just begun / Papa isn’t dumb, he understands what this means / His dream is my dream, my dream is his dream“.
Wenn dabei so etwas großartiges wie “Asleep In The Bread Aisle” herauskommt, kann ich mit diesen Entwicklungen gut leben. Um sich auf technischer Ebene mit den ganz Großen messen zu können, muss Asher Roth noch deutlich zulegen, eines hat er aber vielen Kollegen schon deutlich vorraus: Er macht etwas wirklich eigenes. Die durchweg großartigen Instrumentals sind recht eingängig, radiotauglich, aber kein Bisschen einfallslos. “Asleep In The Bread Aisle” ist kein typisches Rap-Album und wer auf typische Rap-Alben steht, könnte sich schwer tun, mit dem sympathischen Freshman warm zu werden. Für alle anderen könnte es sich durchaus lohnen, die Songs mal anzuspielen und “I Love College” auf der nächsten Grillparty aufzulegen.
(cg)






