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Nazar – “Paradox” – Interview

25 Juni 2009

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Am morgigen Freitag veröffentlicht der in Teheran geborene und in Wien lebende Nazar sein zweites Album “Paradox” mit Unterstützung von Godsilla, Jonesmann, Chakuza, Baba Saad, Raf Camora, Ozan und Summer Cem. Wir sprachen mit ihm über sein Album, die Rapszene in Österreich und Credibility.


Hey Nazar, wie gehts dir?
Selam. So weit, so gut.


Morgen erscheint dein Album, empfindet man da eine Art Lampenfieber?
Nicht wirklich, ich hatte ja schon genug Stress im Vorfeld, so dass ich mich jetzt nur noch auf das Release freue.


Was geht in einem vor, wenn man sieht, dass das Album, an dem man Monate gearbeitet hat, zwei Wochen vor Release im Internet zu laden ist?
Als ich das erste mal davon gehört habe, war es natürlich ein Schock, aber das Album ist so gut geworden, so dass ich im Vorfeld schon wusste, dass es im Netz landen wird, weil sich irgendein Redakteur nicht alleine damit beglücken will. (grinst) Dem Vorverkauf hat es auch nicht wirklich geschadet, also ist alles noch gut.


Vielleicht haben ja so sogar Leute reingehört, die normal nie den Zugang zu dir gefunden hätten und sind jetzt bei den Vorbestellern..
Das kann gut sein. Wie gesagt: Jeder, der das Album schon gehört hat, oder das noch tut, wird hören, dass es nicht einfach nur ein Streetrelease ist, sondern einfach ein richtig krasses Album mit den besten Produzenten, die der deutschsprachige Raum zur Zeit zu bieten hat und einem Nazarfakker im dritten Gang.


Viele würden aufgrund deiner Featuregäste sicher nicht darauf kommen, dass du aus Österreich stammst. Wonach hast du die ausgewählt?
Meine Features sind nur Leute, mit denen ich auch persönlich cool bin und deren Mucke ich auch feier.


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Das Making-Of  zu “Präsidentenwahl” mit Summer Cem hat gerade die Runde gemacht, wann können wir das komplett bewundern?
Das Video wird auf Mixery Raw Deluxe am Freitag um 18 Uhr Premiere feiern.


Ein Paradoxon ist ein Widerspruch. Auf was bezieht sich dein Albumtitel? Auf dich, auf die Szene, auf die Welt?
Wenn man meinen Werdegang betrachtet, dann findet man darin einfach das Paradoxon. Ich habe das Unmögliche möglich gemacht. Obwohl ich erst am Anfang stehe…


Also strebst du eine “vom Tellerwäscher zum Millionär”-Karriere an?
Nicht wirklich. Ich denke, dass die Chance zum Millionär größer ist, wenn ich Lotto spiele, als das mit Rap zu werden. Und Tellerwäscher war ich auch noch nie, aber ich habe mir einfach selber vorgenommen, hier aus Österreich was großes aufzubauen, was mir bis jetzt, glaub ich, recht gut gelungen ist.


Als Deutscher wirkt es oft so, als würde die Rapszene in Österreich sich selber kaum wahrnehmen und nur darauf hoffen in Deutschland durchstarten zu können. Wie siehst du das?

Rapszene in Österreich, gibt es die denn schon? Ich denke, dass die Leute hierzulande einfach viel zu sehr damit beschäftigt sind, andere Leute zu haten und schlecht zu machen und sich selber zu wenig mit ihrer Musik und ihrem Business befassen. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich da was in den nächsten Jahren tun wird. Mit meinem letzten und jetzigen Album habe ich den Leuten auch hier gezeigt, dass man durchstarten kann. Jetzt dürfen die Nachzöglinge ran.


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Also denkst du, dass du in Österreich selber nicht den Respekt bekommst, den du verdient hättest?

Ich scheiße auf Respekt von anderen Rappern. Ich habe den Respekt meiner Fans und das reicht mir.


Du scheinst ein großes Problem mit aufgesetzten Images von Rappern zu haben. Braucht ein guter Rapper Straßen-Credibility?

Nicht unbedingt. Es ist mir persönlich auch egal was für ein Image sich ein Künstler zugelegt hat. Wenn ich jemanden höre, dann geht es mir um seine Musik und das Gesamtwerk. Wenn jemand ein Image braucht, um damit interessanter zu wirken, dann soll er sich eines zulegen. Wenn es im Endeffekt auch gut zusammen passt und eine interessante Figur damit kreiert, ist alles cool.


Auf “Kanackenstolz” verurteilst du, dass Migranten immer als brutal dargestellt werden. Einen Track später berichtest du ausführlich, wie du Junkies verprügelst. Kommt auch hier dein Albumtitel “Paradox” zum tragen?

(lacht) Auf “Kanackenstolz” habe ich einfach Vorurteile angesprochen. Boxen sich keine Deutschen oder Österreicher?

Sicherlich.

Eben. (grinst)


Bist du kein Fan vom Internet? Auf “Was ist Rap” mit Baba Saad wirken “Youtube” oder “Myspace” wie Schimpfwörter.

Nicht unbedingt. Ich kenne mich auch nicht so gut damit aus und verstehe diese ganze Internetsprache nicht, aber mit dem Youtube- und Myspace-Ding wollte ich einfach sagen, dass sich heutzutage viel zu viele Rapper was einbilden auf ihre Myspace- und Youtube-Klicks, die ja bekanntlich gefaked werden können, wie ich gehört habe.


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Dein Album ist sehr aufwendig gestaltet mit Silberfolie auf dem Cover und Hochglanzbooklet, glaubst du, dass die Kids sowas überhaupt noch zu schätzen wissen?

Das ist mir ehrlich gesagt auch egal. Mir persönlich ist es immer wichtig, dass das gesamte Werk cool ist. Also angefangen von den Tracks bis zum Design, da habe ich einen kleinen Tick.


Dein Slang und deine Raptechnik erinnern stellenweise an Sefyu. Bist du Fan von ihm?

Sefyu ist definitiv der King, aber für meinen Slang ist sicher nur der Wiener in mir schuld und Sefyu ist auch nicht wirklich mit meiner Technik zu vergleichen.


Fast alle deutschsprachigen Rapper hören nur französischen oder US-Rap. Wenn deutschsprachig, dann nur von befreundeten Künstlern. Könnte man auch als “paradox” bezeichnen, oder?
Wieso?


Weil man selber etwas ausübt, was man bei anderen nicht mag. Irgendwie sieht jeder deutschsprachige Rapper sich als einzig hörbare Ausnahme und alles andere ist Schrott.

Ich weiß nicht, wie das bei den Anderen ist. In meinem Fall ist es einfach so, dass ich mich anfangs zu sehr mit dem ganzen Markt und den ganzen Rappern hier beschäftigt habe und das alles nicht mehr hören kann, weil das einfach bei jedem einzelnen Künstler immer eine Endlosschleife ist. Ich möchte auch nicht sagen, dass die Franzosen jetzt besser sind, ich verstehe ihre Texte nicht mal. Aber bei Leuten wie Sefyu oder Booba hört man einfach die Perfektion heraus, was ich bei den meisten Rapper aus Deutschland vermisse. Außerdem sind ihre Beats auch meistens schon viel weiter entwickelt.


Das mit dem französischen Rap kann ich nachvollziehen. Ich verstehe die Sprache auch nicht und genieße das, nicht immer zuhören zu müssen. Glaubst du, du könntest einige deutschsprachige Rapper mehr feiern, wenn du ihre Texte nicht verstehen würdest ?

(lacht) Das ist fies, Alter. Es gibt ja auch viele Rapper aus Deutschland, die ich feier, gerade weil ich sie verstehe.


Du arbeitest zur Zeit an dem Filmprojekt “Schwarzkopf”, was können wir uns darunter vorstellen?

Ich darf da noch nicht zu viel verraten. Bald kommen auf jeden Fall mehr Infos.


Dann danke ich dir für das Interview, die letzten Worte gehören dir.

Ich danke dir. Mussawi for president!



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(cb)