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JAW & Hollywood Hank – Menschenfeind (Review)

29 Juni 2009


Nachdem ich bereits für das dazu gehörige Interview eine Wikipedia-Einleitung geschrieben hatte, der mit „Menschenfeind“ dem Tonträger gleich betitelte Film außer der Anspielung im Titel von „Ackergaul Konfekt“ herzlich wenig mit der CD von Hollywood Hank und JAW zu tun haben scheint und es den Leser wohl auch kaum interessiert, unter welchen Umständen ich mir diese CD angehört habe, habe ich beschlossen, der Review dazu folgendes Zitat aus dem MeinRap.de-Interview voran zu stellen:

 

„Meine Erfahrung ist, dass positive Eigenschaften sich in dieser Welt zum Gegenteil verkehren.“

 

Ein Menschenfeind muss auf sich selbst den paradoxen Kampf austragen, die Menschen an sich zu hassen und gleichzeitig selbst einer zu sein, also eigentlich auch sich selbst zu hassen. Andererseits kann man daraus auch schlussfolgern, dass es scheinbar in der eigenen Natur liegt, schlecht zu sein, und das als Legitimation zu nutzen, um einen großen Fick auf die Moral zu geben, augenscheinlich passiert bei dieser CD.

 

Denn was den Hörer erwartet, ist viel weniger die Kritik am Menschen. Diese sind nach Hank „eine widerliche Spezies, eine parasitäre Lebensform“, während Adolph Ghandi verachtend anmerkt, man möge bitte weiterhin „Big Brother“ und „Germanys Next Topmodel“ schauen und JAW ergänzt, dass „diese kranke Welt“ auf ihnen lastet, wobei Hank insbesondere „Geld“, „Banken“ und „die ganze ignorante Gesellschaft“ hasst. Gesellschaftskritik haben wir von JAW schon weitaus differenzierter aufgetischt bekommen, man denke nur an „Im roten Feuer der Sonne“ und „Meer aus Tränen“ – auf „Menschenfeind“ hingegen wird darauf kaum mehr Wert gelegt.

 

Damit wäre dann auch quasi schon die Kritik an der Menschheit abgedeckt und wir können uns getrost dem Rest der CD zuwenden, der allerlei Aufsehen erregen wird. Schon auf dem „Sozialphobie-Track mit Favorite von der „Schläge für Hiphop“-Kollabo, welcher hier mit einem Remix bedacht wurde, wurde klar gemacht, welche Richtung demnächst eingeschlagen werden soll. So werden der Sex mit Minderjährigen, Inzest, Josef Fritzl, die Regelblutung deiner Schwester und der Weg von Exkremten innerhalb der Nahrungskette ausführlicher und detaillierter beschrieben, als es den meisten wohl lieb ist, wie es Titel wie „Hardcore“ oder „Der Obszönling“ aber auch nicht anders vermuten lassen. Index, ich komme.

 

Trotz der andauernden Provokation durch die expliziten Themen können die beiden Protagonisten im Gegensatz zu ihren Features ab und an durch durchaus amüsante Lines glänzen.

 

„Sieh, ich schenk deiner Bitch keinerlei Gehör/
Wenn die dumme Nutte, während ich sie fick, dann auch noch ‘Freiheit’ schreit wie Curse/“

 

Hank, der sich eben noch über die Ignoranz der Gesellschaft beschwerte, bezeichnet sich kurz darauf als „selbstverliebt“ und erklärt selbstbewusst:

 

„Ich ficke Nutten und bin hart der Boss und scheiß auf deine Meinung/
denn deine Meinung ist meiner Meinung nach nur abgefuckte Scheiße/“

 

Politisch nicht korrekt, teilweise widersprüchlich, trotzdem irgendwie lustig. Auch technisch müssen sich JAW und Hollywood Hank keineswegs verstecken, wobei man Hank schon weitaus verständlicher doubletimen hörte als auf „Beinscheiben“.

Die Beats stammen größenteils von JAW, unterstützt wurde dieser von den Beatgees, Vizir Beats, Freezing Beats und Adolph Ghandi. Ähnlich den anderen Releases der beiden Rapper, wird in Sachen musikalische Untermalung um aktuelle Trends ein großer Bogen gemacht und weitgehend fern von Hitpotenzial agiert – scheinbar mit Absicht, passend zu den Inhalten. Abgerundet wird das Ganze mit allerlei passenden Filmzitaten, die für meinen Geschmack allerdings teilweise zu lang geraten sind, wobei das Werk abzüglich Pro- und Epilog sowieso schon nur knapp eine halbe Stunde erfüllt – und da ist der „Sozialphobie“-Remix sogar noch mitgerechnet.

 

Fazit: Kritik an der Menschheit wird überraschend wenig geboten, dennoch geben JAW und Hollywood Hank dem Hörer genug Gründe, seine eigene misanthropische Ader zu entdecken. Keine Hits, dafür technisch versiert und zeitweise amüsante Texte mit explizitem Inhalt wissen den Hörer durchaus zu unterhalten. Wermutstropfen hinterlassen die eher schwachen Features, die kurze Spieldauer des Tonträgers und die Tatsache, dass man beide Rapper schon weitaus besser gehört hat.



(mh)


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