Hilltop Hoods – State Of The Art (Review)
Australischer Rap ist in Deutschland weitgehend irrelevant. Ich möchte sogar so weit gehen: Australischer Rap ist in Deutschland noch nicht einmal bekannt. Zwar ist es nicht sonderlich überraschend, dass Australien über eine gewisse Hiphop-Szene verfügt, aber viel weiter geht unser Wissen nicht. Dies könnte sich bald ändern.
Zugegeben – die australische Szene ist in Sachen Hiphop noch in ihren Anfangstagen und somit noch nicht sonderlich groß, diese Tatsache jedoch macht es uns durch den überschaubaren Horizont allerdings möglich, die ersten Szenegrößen eindeutig benennen zu können. Die Hilltop Hoods können mit Fug und Recht behaupten, dieser Kategorie anzugehören. Bereits ihr fünftes Album veröffentlichte die Gruppe mit “The State Of Art” in diesen Tagen, welches es in ihrer Heimat sogar auf Platz 1 der Album-Charts schaffte und somit den Übersee-Konkurrenten Eminem mit dessen “Relapse”-Release ausstach. Nun soll der europäische Markt folgen.
Laut Booklet wollen die Jungs Musik machen, die den Hörer in die “Golden Era” zurück wirft, ganz gleich, welche Zeit das für ihn persönlich sein mag. Und dieser Anspruch kann durchaus Früchte tragen. Produktionstechnisch bietet “The State Of Art” einfach gehaltene, oldschoolige Bumm-Tschack-Instrumentals (“Classic Example”, “Super Official”) und immer seltener auf Releases zu findende Scratch-Einlagen, ausgebaut mit allerlei Gitarren, Pianoklängen und Geigen, die zum Großteils eigens für dieses Album von einem Orchester eingespielt wurden. Im Umkehrschluss ergibt sich hier: live-tauglich sind die Tracks allemal, ich persönlich fühle mich stilistisch leicht an die Gym Class Heroes erinnert.
Der Ergänzung durch die Vocal-Ebene widmen sich die beiden MCs Pressure und Suffa. Der australische Hintergrund ist kaum zu überhören, doch gewöhnt man sich an den anfangs noch störenden Akzent recht schnell. Auch die Erfahrung von ganzen vier Alben hört man den beiden Rappern deutlich an, souverän knöpfen sie sich jeden Beat vor und wirken dabei hungrig wie eh und je, während man dieses Gefühl bei den meisten MCs spätestens bei Album Nummer Drei vermissen darf. Unterstützung kommt vom New Yorker Pharoahe Monch, der ein paar Zeilen auf “Classic Example” zum besten gibt, und Trials, der “The Light You Burned” mit einer gesungenen Hook veredelt.
Auch thematisch gestaltet sich “The State Of Art” durchaus vielfältig. Während sich “Chris Farley” dem Tod von Musikgrößen wie Elvis Presley oder The-Doors-Sänger Jim Morrison widmet, findet der historische Exkurs im abschließenden Stück “Fifty in Five” seinen Höhepunkt, in dem in 5 Minuten und 33 Sekunden die letzten 50 Jahre des Weltgeschehens im Gehörgang des Rapfans Revue passieren – Wahnsinn.
Wer sich also an einem australischen Akzent nicht sonderlich stört und gerne mal frischen Rap hören möchte, der um aktuell Trends einen weitgehend großen Bogen macht, ist hier sehr gut bedient. 12 Tracks bietet die Platte, kein Intro, kein Outro, kein Interlude, kein Skit, und am wichtigsten: kein Ausfall, das Album kann getrost in einem Stück durchgehört werden. Dem Erfolg in Europa steht also von musikalischer Seite her nichts mehr im Wege.
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(mh)


