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K.I.Z. – Sexismus gegen Rechts (Review)

3 August 2009

 

Das Releasedatum von “Hahnenkampf” liegt bereits gute zwei Jahre zurück und die Erfahrung lehrt uns, dass ein Szenehype sich meist auch nicht viel länger behaupten kann. Ruhig war es um die vier Kannibalen in Zivil geworden, nicht selten wurden Bedenken laut, die Luft könnte inzwischen einfach raus sein. Gebannt wartete die Hiphop-Szene auf erste Töne aus dem neuen Album – und dürfte von diesem Werk keineswegs enttäuscht worden sein.

 

Die typischen Representer auf drückenden Synthie-Beats sind auch auf diesem Album mit “Einritt”, “Töten” und “Lass die Sau raus” vertreten, mit denen KIZ wohl ein weiteres Mal bewiesen, dass sie dieses Terrain inzwischen aus dem FF beherrschen. Doch “Sexismus gegen Rechts” hat eine weitaus breitere Themenvielfalt zu bieten.

In “Ohrfeige” zeichnen sich die Rapper durch Zeilen wie “Ich mach dir schöne Augen so wie Chris Brown” für den im Albumtitel erwähnten Sexismus verantwortlich und kassieren dafür auch umgehend in der Hook frei nach der “Ich will ein böses Mädchen”-Forderung – eben eine Ohrfeige.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch “Preisschild”, welches sich mit käuflichen Damen auseinander setzt.

Ebenfalls erwähnenswert ist das systemkritische “Selbstjustiz”, in welchem Nico Kinder an Schulstühle fesselt und Pennern Besen in die Hand drückt, Tarek mit schlechten Ärzten und unhöflichen Nachbarn abrechnet und Maxim sich Kokain-Affären von Politikern und deren Rettungspaket zur Brust nimmt.

 

Das frühere “Herbstzeitblätter” findet mit “Ringelpiez mit Anscheißen” einen würdigen, parodistischen Nachfolger. 2007 war es noch der Dipset-Hype, 2009 sind es synthetisch angehauchte RnB-Balladen nach dem Timbaland-Erfolgsschema, die als Vorlage dienen. Mit einer unfassbar dreisten Selbstverständlichkeit wird hier ein erfolgreicher Flirt mit anschließenden, ausgiebigen Analpraktiken thematisiert, der teilweise verdächtig nah an die oft unbemerkt expliziten Inhalte amerikanischer Ebenbilder heran kommt.

Ebenso hitverdächtig sind die Cover-Version “Halbstark”, im Original von den Yankees gesungen und auch als Tai-Jason-Remix hervorragend, und “Klopapier”, welches sich in gewohnt unterhaltsamer KIZ-Manier zweieinhalb Minuten dem Umgang mit Exkrementen widmet und sich mit E-Gitarren und ebenfalls gesungener Hook primär an die Punk-Sektion der Zielgruppe richtet. Überhaupt wurde im Vergleich zum Vorgänger scheinbar viel mehr Wert auf Hit-Potenzial und Ohrwürmer gelegt – kaum ein Refrain kommt mehr ohne den Gesang von Nico und Tarek aus.

 

“Hurensohn Episode 1″ kommt nach den ersten beiden “Hurensohn“-Versionen mit einer überraschend neuen Message um die Ecke – über Hurensöhne “macht man wirklich keine Witze”- und ist damit unterhaltsamer als jeder neue Aufguss der alten Versionen es nur sein könnte. Lediglich der Beat ist trotz kleinerer Variationen zum Vorgänger irgendwann einfach played out.

Und so reihen sich neben die ganzen Ohrwurm-Tracks auch ein paar Nummern, die leider gar nicht so recht zünden wollen. Ist der leicht dilletantische Sound beim “Auch Nutten wollen Pendlerpauschale”-Skit noch gewollt und komisch, so plätschern das das Bänkerleben thematisierende “Rauher Wind” sowie “So Alt”, “Scheiterhaufen” und “Das System” mit Ex-Aggro-Berliner Sido leider nur vor sich hin und lassen das gewisse Etwas vermissen. Wo die beiden anderen Songs zumindest noch auf der textlichen Ebene zu unterhalten wissen, begeben sich KIZ mit “So alt” auf von ihnen bisher unbeschrittenes Terrain – Klavierbeat und ernsthafte Lyrics über das Altwerden werden nicht wenige Fans den typischen Haufdraufhumor vermissen lassen. Geschmackssache.

 

Nichtsdestotrotz unterm Strich ein extrem positives Fazit: Ein Haufen Punchlines, Parodien und Ohrwürmer – KIZ pur. Selbst die weniger eingängigen Tracks wissen durch ihre Texte zu unterhalten. Kaufempfehlung!

 

 

 

(mh)

 

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