Dr. Knarf – Wie Ich Flieg EP (Review)

Der Kölner Dr.Knarf führt schon seit Jahren ein relatives unauffälliges Dasein im sogenannten Deutschrap-Game, ohne große Ansagen oder Promo-Stunts und ist damit wohl in die Kategorie Geheimtipp einzuordnen. Trotz positiver Resonanz im Web 2.0 schafft es das im April hochgeladene Video “Rap Superstar” bisher erst auf 11.500 Klicks. Gehen wir der Sache auf den Grund.
Die aktuelle EP “Wie Ich Flieg” macht optisch schon einiges her. Das sieben Track starke Release präsentiert sicht professionell designt, mit aufklappbaren Booklet, das sich als Mini-Poster entpuppt, und der modernen, abgerundeten CD-Hülle.
Der Titeltrack “Wie ich Flieg” gibt hier als erste Anspielstation und Einführung in die EP den Ton an, der straight auf den knapp 34 Minuten fortgeführt wird. Ein Beat, der minimalistisch Knarfs Rap untermalt, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen, gespickt mit orientalischen und hypnotischen Akzenten. Inhaltlich wird der Hörer mit unbequemer Sozialkritik konfrontiert, die jedoch das ein oder andere Mal titelgemäß zu “überflogen” und oberflächlich erscheint.
“…Was ist mit Kohl? Er hat über Jahre Millionen bekommen und sagt bis heute nicht von wem er die Kohle bekommen hat. Kein Gericht fragt, kein Richter richtet. Wir schwimmen im Haifischbecken, das Sagen haben dicke Fische…”
In der Videosingle “Rap Superstar” fertigt Dr.Knarf Image-Rapper und das Musik-Business ab. Ein solider Track, dessen Thematik leider etwas ausgelutscht wirkt und von Cypress Hill mit dem gleichnamigen Titel schon längst perfektioniert wurde.
Atmosphärisch und nachdenklich kommt “Acht Takte” daher, auch “Tag für Tag” lässt erkennen, dass Dr.Knarfs Texte keine Schnellschüsse sind, sondern gut durchdacht. Egal ob Geschichten erzählt werden, oder wie auf “Jagdsaison” einfach die Rapskills zur Schau gestellt werden, wird lyrisch durchgehend ein hohes Niveau gehalten.
Stimmlich erinnert Dr.Knarf leicht an Franky Kubrick ohne das Lispeln, beattechnisch dürfen Freunde von Marteria und Olli Banjo bedenkenlos zugreifen und werden voll auf ihre Kosten kommen. Die “Wie Ich Flieg” EP erfindet das Rap-Rad nicht neu, aber bietet kurzweilige Unterhaltung, die auf das im Herbst erscheinende Album hoffen lässt.
3 von 6
(cb)





