Slaughterhouse – Slaughterhouse (Review)

Royce Da 5’9″ und Joe Budden sind meine zwei Lieblingsbeispiele für Künstler, die trotz großartiger Alben, individueller Rapstyles und reichlich Motivation einfach vom Major-Deal zum Underground-Geheimtipp abgerutscht sind, wo Joell Ortiz und Crooked I schon seit geraumer Zeit herumdümpeln. Mit vereinten Kräften endlich den großen Durchbruch erkämpfen? Leider nein.
Dabei fängt das Album gar nicht so schlecht an: Beim Opener “Sound Off” dreh ich den Sound sogar noch weiter auf, denn der Streetrunner-Beat geht mit Fanfaren und satten Drums an den Start und die vier Metzgermeister legen ein paar Double-Time-Verse hin, die so manchen deutschen Kollegen wie einen Amateur dastehen lassen.
Danach plätschert das Album leider erstmal nur ziemlich einfallslos vor sich hin. “Lyrical Murderers” und “Microphone” sind vielleicht brauchbares Mixtape-Material, von einem Album erwarte ich aber mehr. Mehr Atmosphäre, mehr Style, einfach irgendwie mehr.
“Not Tonight“, ebenfalls von Streetrunner produziert, geht da schon deutlich weiter nach vorne. Der typische Hiphop-Hey-Ho-Refrain und die Scratches wecken nostalgische Gefühle, das wilde Drumset lässt mich kaum stillsitzen. DJ Khalils Beat für “The One” erinnert mich entfernt an Obie Trices “Wanna Know“: E-Gitarren-Samples, ein wenig absolut Club-untauglicher Gesang und dazu ordentlich druckvoller, aggressiver Rap – es geht doch. Endlich bekommt man das Gefühl, dass da jemand wirklich Lust hatte, Musik zu machen.
Zwischen absolut unlustigen, unnötigen Skits finden sich mit dem düsteren, brachialen und auf angenehme Art anstrengenden “Cuckoo” und dem von Emile produzierten Banger “Onslaught 2” noch zwei Tracks, die mich zwar nicht von den Socken hauen, die man aber durchaus vertreten kann.
Der Rest des Albums reiht sich wieder in Kategorie “Unspektakuläre Lückenfüller” ein. Bestenfalls “Raindrops“, produziert von Filthy Rockwell, mit einer gut inszenierten, gesungenen Hook von Novel, kann noch ein paar Pluspunkte verbuchen – der Rest verliert sich in Belanglosigkeit.
Schade eigentlich. Von den Namen der vier Protagonisten, den Produzenten, zu denen auch The Alchemist, Mr. Porter und TheRealFocus zählen, vom ganzen Debutalbum dieser selbsternannten “Supergroup” habe ich mir deutlich mehr versprochen. Ein paar nette Ansätze sind da, aber die Beatauswahl und die teilweise sehr desinteressiert wirkenden Rapper sind eine einzige, große Enttäuschung. Großes Potential völlig sinnlos verschossen – das ist kein Slaughterhouse, das ist bestenfalls Streichelzoo.
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2 von 6
(cg)

