Sticky Fingaz presents A Day In The Life

Die Worte “Sticky Fingers” sind in englischsprachigen Ländern eine geläufige Phrase für einen Dieb, jemanden mit “klebrigen Fingern”. Kein Wunder, dass sich Rapper Kirk Jones diesen Namen als Pseudonym wählte. Sticky Fingaz ist der Öffentlichkeit vor allem als Teil der Rap-Formation Onyx bekannt, die mit “Slam“, “Shut ‘Em Down” und “Slam Harder” ein paar bedeutsame Hiphop-Klassiker veröffentlicht haben.
Im Jahr 2001 veröffentlichte Sticky Fingaz sein erstes Soloalbum und gleichzeitig ein wahnsinnig interessantes Musikprojekt. “[Black Trash] The Autobiography Of Kirk Jones” ist ein Rap-Album, das nicht nur musikalisch, sondern vor allem inhaltlich einen deutlichen roten Faden verfolgt. Das Konzeptalbum erzählt die fiktive Geschichte von Kirk Jones, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und sofort wieder in Konflikt mit dem Gesetz gerät. Die Songs schildern, wie er wieder im Sumpf des Verbrechens versinkt, verhaftet wird und in “State VS. Kirk Jones” schließlich einer Richterin vorgeführt wird. Die einzelnen Rollen in der durchgehend gerappten Gerichtsverhandlung übernahmen Sticky Fingaz als Kirk Jones, Rah Digga als Richterin, Redman als Anwalt der Verteidigung, Canibus als Staatsanwalt sowie Scarred 4 Life, Lord Superb & Guess Who als Augenzeugen.
Parallel zu seiner Karriere als Rapper versucht sich Sticky Fingaz bereits seit Mitte der Neunziger als Schauspieler, hauptsächlich, aber nicht ausschließlich in Hiphop-Filmen wie “Black And White” und “Next Friday“. Er spielte kleine Rollen in diversen Serien wie “Nash Bridges“, “The Shield” und “New York Undercover“, bevor er 2006 die Hauptrolle in der TV-Serie um Vampirjäger “Blade” ergattern konnte, die nach nur einer Staffel eingestellt wurde.
Es war einfach nur naheliegend, dass die Puzzleteile eines Tages zusammenfinden. Bereits 2005 kündigte Sticky Fingaz das ambitionierte Filmprojekt “A Day In The Life” an. Ähnlich wie sein Debutalbum, sollte auch der Film eine zusammenhängende Geschichte erzählen – allerdings in Rap-Form. Ein Hiphop-Musical, von und mit Sticky Fingaz, der nicht nur eine der Hauptrollen, sondern auch gleich die Regie übernahm. Der Film wurde 2007 fertig gestellt, brauchte aber noch zwei weitere Jahre, bis er im Juni diesen Jahres endlich auf DVD erschien.
Die Besetzung des Films ist gar nicht so schlecht: Neben Sticky Fingaz ist auch Onyx-Mitglied Fredro Starr vor der Kamera zu sehen. Mit Omar Epps (u.A. bekannt aus “Dr. House“), Michael Rapaport (u.A. bekannt aus “Hinterm Sofa an der Front” und “Prison Break“) und Mekhi Phifer (u.A. bekannt aus “8 Mile“) konnten sogar ein paar relativ bekannte Schauspieler für das Projekt gewonnen werden.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Bei einer blutigen Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Gangs wird Stickys Cousin schwer verletzt. Gangsterehre ist Gangsterehre, darum startet er mit seinen Homies einen nicht minder blutigen Rachefeldzug quer durch Los Angeles und schlägt sich mit der Polizei, anderen Gangs, seiner Freundin und vor allem seinem Gewissen herum.
Das Interessanteste an dem Film ist aber ohnehin nicht die Geschichte oder die eher dürftige schauspielerische Darbietung, sondern in erster Linie die Dialoge, die fast ausnahmlos in Rap-Zeilen vorgetragen werden. Die Qualität der Beats schwankt dabei ebenso wie die Qualität der Raps. Während einige Dialoge extrem stimmungsvoll und souverän vorgetragen werden, wirken andere stümperhaft geschrieben, gerappt und inszeniert. An den lyrischen und musikalischen Tiefgang seines Debutalbums kann Sticky Fingaz mit diesem Film leider nicht annähernd anknüpfen.
Warum sollte man sich “A Day In The Life” trotzdem ansehen? Vielleicht, weil man ein Hardcore-Onyx-Fan ist, vielleicht weil man auf blutige Gangster-Rap-Klischees steht. Vielleicht aber auch einfach, weil der Film auf eine spannende Art beweist, dass Hiphop mehr bieten kann, als zusammenhanglos aneinandergereihte Phrasen. “A Day In The Life” ist kein guter Film, auf CD gepresst wäre es auch kein gutes Album. “A Day In The Life” ist nicht mehr als eine gute Idee, so gut, dass man sie sich als Hiphop-Fan zumindest einmal kurz durch den Kopf gehen lassen sollte.
(cg)





