PCP – Lache und die Welt weint mit dir (Review)

Nachdem das “Menschenfeind”-Release von JAW & Hollywood Hank erst knapp zweieinhalb Monate zurückliegt, folgt nun mit “Lache und die Welt weint mit dir” von PCP die logische Konsequenz daraus – das ausgiebige Feiern und Antreiben der Apokalypse zur Verbesserung der Welt, frei nach dem Motto “wenn dir das linke Bein fehlt, stehst du mit dem rechten Fuß auf.”
Im Detail sieht dieses Konzept folgendermaßen aus: JAW, Rynerrr, Maexer und Private Paul geben sich der Misanthropie entsprechend asozial (“Asokacke” feat. Hollywood Hank) und reißen die Welt ab (“Schmetterling”, “Kommt ran!” feat. Peter Maffya, “Maschinen”), besingen dabei neben dem Weltuntergang feierlich Bier (“Bierliebe”, “Punkrockbaby” feat. Me$$sage), Fleisch (“Rinderbraten”) und sich selbst (“Kein Zurück”, “Weisse Scheisse”, “Private Paul”) und lassen dabei immer wieder zwischendurch anklingen, was diese Welt so ungerecht, schlecht und vernichtenswert macht (“Harter Tag”, “Spiel mir das Lied vom Dach”).
An den Reglern haben sich dafür neben den Hausherren selbst die Beatgees, Nowak, Peter Maffya, Purple Maze, Tobe, Marvelous und Moretime Productions eingefunden und untermalen das ganze Treiben mit größtenteils drückenden, nach vorne gehenden Beats mit E-Gitarren, Synthesizern, Chören und militaristisch anmutenden Bläsern. Doch auch ein paar ruhige Nummern finden sich auf der Platte. Hervorzuheben ist hierbei der großartige Titeltrack, der ungewohnt fröhlich um die Ecke kommt – die Gitarre im Beat lässt ein Lagerfeuerfeeling aufkommen, das die gesungene Hook, inspiriert vom Beegee-Klassiker “I Started A Joke”, noch unterstreicht. Sanfte Klänge schlägt auch das Outro “Der Anfang” an – nach der erfolgreichen Zerstörung der Zivilisation finden sich die Protagonisten in Schutt und Asche am Nullpunkt wieder:
“Ich wach verkatert auf, die Nacht war lang, gestern haben wirs geschafft/
Auf den roten Knopf gedrückt und das Licht ausgemacht/
Mein Magen rebelliert, ich such meine Medis und seh/
sie sind fast leer, aber zur Apotheke zu gehen/
Hat wenig Sinn, weil es sie sicher nicht mehr gibt/
Ich brauch was gegen die Säure, find etwas Milch, doch die stinkt/
Weil der Kühlschrank nicht mehr läuft[...]“
Bei 20 Tracks und einer Spieldauer von über einer Stunde beschleicht den Hörer manchmal leise das Gefühl, die Apokalyptiker würden sich ab und an im Kreis drehen und sich thematisch wiederholen. Hinzu kommt die teilweise zur Schau gestellte extreme Asozialität, die mit Lines wie “Wer beim Blasen nicht kotzt, der kann es auch lassen” keineswegs Sympathien für die Retter der Welt wecken kann. Dem gegenüber stehen wiederum durchaus selbstironische Lines, die ihren Gipfel im Track “Private Paul” finden und PCP dafür umso sympathischer wirken lassen. Zusammen ergibt das einen lyrischen Wahnwitz, dem auch die Featurepartner Hollywood Hank, Peter Maffya und Me$$age in nichts nachstehen.
“Ein Kerl [...] dessen EP mehr Features als Hörer hat/
Der dich auf jedem Foto mit ihm darauf schöner macht/
Ihm laufen alle Weiber davon/
Er hat panische Todesängste vor Eierkartons/
[...]
Wer ist diese geile Sau? Private Paul/
Schreit es laut! Private Paul/
Wer bringt die Polizei ins Haus? Private Paul/
Wer traut immernoch keiner Frau? Private Paul/”
Fazit: “Lache und die Welt weint mit dir” ist ein typisches Produkt aus dem Hause Weisse Scheisse. Depressive Stimmung trifft auf Zerstörungswut und Punkattitüde – keine Kost für Gutmenschen, für Pessimisten der modernen Welt allerdings ein gelungener Soundtrack.
(mh)

