Afrob – Der Letzte seiner Art (Review)

Das Reimemonster ist zurück! 4 Jahre ist es nun her, dass Afrob mit seinem Album “Hammer” das letzte Mal etwas von sich hören ließ – mit “Der Letzte seiner Art” kommt Robbe nun auf seinem eigenen Label “G-Lette” zurück. 15 Tracks umfasst sein neues Werk, das mit vielen namhaften Features wie Cassandra Steen, Samy Deluxe, Dean Dawson und Brixx bestückt ist und mit Ansagen wie “Ihr feiert ‘Rolle mit HipHop’? Das war mein schlechtestes Album” (“Mein Kampf”) die Erwartungen sehr hoch steckt.
Doch um es gleich vorweg zu nehmen: diese Platte bietet nicht gerade viele Lichtblicke. Es fehlt an durchdachten Texten, der rote Faden will sich in den Inhalten nie so recht finden lassen und geht sogar in einzelnen Zeilen verloren: “Ich habe Fantasie und denke an Benjamin Blümchen/ sitze beim Chinesen, esse Eierreis mit Hühnchen” – aha. Einen Afrob wie zu Zeiten von “Exklusivinterview” sucht man leider vergebens, die eigene Note will hier nur selten zum Vorschein kommen.
Ein Großteil des Albums versinkt leider mit den üblichen Representern (“Wo sind die Rapper hin?!”, “Wat is los? feat. Lisi”, “So lange hier feat. Lisi”) und standartisierten Tracks für und über die Ladys (“Babygirl feat. DJ Rocky”, “Schnelle Nummer feat. Brixx & Dean Dawson”, “Du Weißt (Was ich will) feat. Habescha”) ganz schnell im Einheitsbrei. Auch die dazu gehörigen, synthielastigen Beats aus der Dirty South-Ecke klingen, als hätte sich Afrob bei Lil Waynes Papierkorb bedient und wirken einfach viel zu berechnet und lieblos. Lediglich “Gief Konjunkturpaket VI feat. Sarah”, “Mach Mein Ding feat. Camouflow” und “Spektakulär 2009″ können mit ihren Beats ein wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Im Gesamtkonzept können daher nur wenige Tracks überzeugen. “Allein” kehrt endlich mal eine wirklich persönliche Seite von Afrob nach außen und gehört mit seiner packenden Atmosphäre zu den hörenswerten Stücken des Albums. Auch “Spektakulär 2009″ kann gewisse Sympathiepunkte verbuchen, gibt diese allerdings einzeln mit jedem Jeezy-“Eeeeeeeeeeeeeeey” in der Hook wieder ab.
“ASD Comeback” mit Tag-Team-Partner Samy Deluxe kann den Hörer zwar für kurze Zeit zurück in die Zeit von “Wer hätte das gedacht?!” versetzen, reißt ihn aber mit einer Autotune-Hook auch aus dieser Atmosphere konsequent zu Gunsten von bereits wieder ausgelutschten Trends heraus. Ist Jay-Zs “D.O.A” nicht bis nach Stuttgart gekommen?
Die restlichen Feature-Partner passen sich dem Protagonisten an und tauchen in das bereits markierte Mittelmaß mit ein, lediglich Cassandra Steen und der mir bisher unbekannte Habescha können Afrob überflügeln.
Abschließend bleibt nicht viel von Afrobs Album hängen. “Der Letzte seiner Art” ist leider nicht die vielmals angepriesene Show eines einzigartigen Charakters im Deutschrapbusiness, sondern ein Aufsprung auf Trendzüge, die schon längst wieder abgefahren sind. Hoffentlich war “Der Letzte seiner Art” das Letzte seiner Art.
(sb)

