Kitty Kat - MIYO! (Review)

Nachdem sich kürzlich erst Jasmin Shakeri an der Seite von den Beathoavenz als “Perserkatze” in der Rapszene behaupten wollte, fällt mit Kitty Kat nun die nächste Dame auf vier Pfoten über das Game her. Und dieser Trend kommt nicht von ungefähr: In Zeiten der Emanzipation ist die Katze das nahezu perfekte Symbol für eine elegante Frau mit Sexappeal, die aber in den richtigen Momenten Stärke beweist und die Krallen zeigt, um sich zu nehmen, was sie will - welche Frau würde das nicht gern von sich behaupten? Die Stilisierung Kitty Kats auf dem Cover zu einer Catwoman-Kopie passt da nur allzu gut ins Bild.
Schauen wir uns die musikalische Umsetzung an: Während das Intro noch vor sich her dümpelt und der leiernde Flow dem Representer auch nicht mehr Würze zu geben vermag, bumst der nachfolgende Titeltrack tösend durch die Boxen und macht klar, was auf den Hörer mit dieser Platte erwartet – und setzt die Aufgabe des “Introducings” um einiges besser um als das eigentliche Intro.
“Ich bin feminin, aber trotzdem Boss/
trotzdem flow ich so, dass dein Idol kotzt/
Stell dir vor, ich kann mehr als kochen/
kann mehr als süß gucken, mehr als shoppen/”
Die Streetsingle “Bitchfresse”, eine Hommage an Lil Kims “Suck my dick” mit LMS-Vocal von Savas in der Hook schlägt ähnliche Töne an, auch die Representer “Kitty Kat” und “Kein Zurück” strotzen nur so vor Frauenpower – das kann Kitty ohne Zweifel. Ähnlich nach vorne geht der unbestrittene Hit der Platte “Braves Mädchen”. Inhaltlich keineswegs revolutionär (wer erwartet das auch von einem Party-Song?), dafür produktionstechnisch umso versierter, könnte der Track durchaus zu einer kleinen Hymne für die jüngere, weibliche Zielgruppe avancieren – das Ohrwurmpotenzial ist definitiv vorhanden, zurecht als Single ausgekoppelt.
Neben allerlei Ansagen an die maskuline Rapszene bietet “MIYO!” auch noch andere zwischengeschlechtliche Themen. So wird natürlich des öfteren auch die Sex-Karte gespielt und hier und da mit der Katzenrolle der Rapperin kombiniert – heraus kommt beispielsweise ein Track namens “Gib mir Milch” mit genau dieser Aufforderung in der Hook: “Ich sag schieb, schieb die Katze, gib der Katze, was sie will, komm und pack mir was in den Napf, komm und klatsch mir was vor den Latz, mach mich satt, gib mir Milch” - für mich persönlich zu übertrieben auf das Image fixiert und schwer interpretierbar, wie ich nun genau eine Katze schiebe. Wie es ohne die Miezenmetaphorik geht, zeigt das weitaus ruhigere und hauchend (oder fauchend?) vorgetragene “Spiel mit mir” - na also. Auch “Heiß” kann sich fast nahtlos daneben einreihen, wobei die etwas uninspirierte Hook einen unglücklichen Touch von der Kinder-Maxi-King-Werbung nicht verbergen kann.
Auch die beiden einzigen Tracks mit Feature widmen sich dem Thema Beziehung. Gemeinsam mit Sido und von Chören begleitet wird im besten Bonnie&Clyde-Stil eine Bank überfallen (“Mit Dir”) - schönes Storytelling, lediglich der Reim “Block” auf “Knast” sollte vielleicht nochmal überdacht werden. Auf Gesangsebene bekommt Kitty Unterstützung von Cassandra Steen, um auf “Du bist Vergangenheit” über einen Piano-Beat einer fiktiven Ex-Freundin klar zu machen versucht, wer die Nase im Kampf um deren Ex-Mann inzwischen uneinholbar vorne hat.
Hinzu kommen noch eine Handvoll persönliche Tracks. Kitty gibt ihren Hörerinnen zu Protokoll, dass sie keineswegs der unnahbare Star ist, sondern mit ihnen die gleichen Probleme teilt (“Eine von Euch”), appeliert an alle, den Kopf niemals hängen zu lassen und weiter zu machen (“Ich steh wieder auf”) und rechnet mit dem Ex-Freund ab, der sie letztendlich nur belogen hat (“Warum?”). Zwar komplettieren diese Themen das Albumkonzept und machen es sicherlich für die weibliche Zielgruppe allein schon deshalb attraktiv, weil sie aus der Perspektive einer Frau vorgetragen werden, doch wirken sie in der Umsetzung aufgrund von fehlendem Tiefgang, ausgelutschten Themen und Phrasen leider ähnlich plakativ und austauschbar wie die meistens Pendants der männlichen Riege.
Fazit: “Ihr dachtet, Frauenrap klappt nicht / klappt aber doch ganz gut, Kitty macht Hits” - kann man so stehen lassen. Die Frage, was passiert, wenn man Kitty Kat ein Nutella-Brot auf den Rücken schnallt und sie vom Dach wirft, bleibt jedoch unbeantwortet.
(mh)

