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Jay-Z – The Blueprint 3 (Review)

16 September 2009

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Sieben Jahre, drei Alben, ein Karriereende und ein Comeback nach dem Doppel-Album “The Blueprint² – The Gift & The Curse” führt Jay-Z die Reihe mit “The Blueprint 3” zuende. So irreführend wie das Cover-Artwork, das erstmals kein Foto von Mr. Shawn Carter zeigt, sondern ein steril-weißes Kunstwerk aus diversem musikalischen Gerät, ist auch die Farbgebung: Das dritte Blueprint-Album setzt nicht auf die bewährten Blautöne sondern auf dunkelrote Akzente.


Auch musikalisch ist “The Blueprint 3” alles andere als eine Fortsetzung des bewährten Sounds. Jay-Z selbst kündigte vor der Veröffentlichung bescheiden an, das erste Blueprint-Album basiere auf Samples aus Songs seiner Kindheit, der Musik, mit der er aufgewachsen sei, das neue Album würde den Kreis schließen und anders sein, da er sich heute selbst zu den ganz großen Künstlern zählt, die ihn in seiner Jugend inspiriert haben.


Tatsächlich verbindet “The Blueprint 3” ein Bisschen vom Blueprint-Flavour mit dem Sound von “Kingdom Come“. So ist “Empire State Of Mind” zwar deutlich pompöser als zu Blueprint-Zeiten und mit reichlich Variationen orchestriert, der Beat von Shux entführt den Hörer aber erneut in die Straßen von New York. Spätestens wenn das erste Mal die Stimme von Alicia Keys aus der Box dringt, kommt einem das eigene Wohnzimmer ein Bisschen wie der Times Square vor.


In “Thank You” dagegen beweihräuchert sich der bescheidene Meister ausnahmsweise einmal auf humorvolle Weise selbst: “Please don’t bow in my presence How am I a legend? / I just got ten number one albums, maybe now eleven“. Das Instrumental bedient sich eines Bossanova-Samples und erinnert entfernt an Stücke aus “The Black Album“. Für alle, die nach dem Track immer noch nicht begriffen haben, wie großartig Shawn Carters Lebenswerk ist, legt er zum Ende des Albums noch einen düsteren, deutlich bedrohlicher klingenden “Reminder” nach.


Obwohl der im Vorfeld proklamierte “Death Of Auto-Tune” Anderes vermuten ließ, finden sich auch auf “The Blueprint 3” allerhand elektronische Spielereien. Vor einer minimalistischen Synthiekulisse von Timbaland, die simpel und vielleicht gerade deswegen ein wenig futuristisch und abgespaced klingt, präsentiert Jay-Z mit “Venus vs. Mars” tatsächlich zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Geschlechterkampf-Nummer ist eigentlich ein alter Hut, in diesem Fall aber wortgewand und witzig präsentiert. Bei dem eher unspektakulären, fast schon etwas nervigen “Hate” findet sich dann tatsächlich sogar der verhasste Autotune-Effekt wieder.


Off That” hebt das Tempo deutlich an und gibt dem guten Jigga damit endlich mal wieder die Möglichkeit, vor einer rasanten Synthiemelodie und einem hektischen Drumset mal wieder nicht nur mit Lyrics, sondern auch mit großartigen Flows zu glänzen. Auch das von Swizz Beatz produzierte “On To The Next One” wartet erwartungsgemäß mit Synthieelementen auf, eine ohrwurmtauglich penetrante Sample-Loop obendrein.


Als großes Finale endet das Album mit einer fantastischen Coverversion von Alphavilles “Forever Young“. Warum diese Version jetzt “Young Forever” heißt wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben, ebenso warum die Snare wie ein Störgeräusch klingt, dem Original steht der Song allerdings in nichts nach. Im Gegenteil: Die Interpretation von Jay-Z und Mr. Hudson ist dem Original sehr nahe, wirkt jedoch deutlich weniger aufgesetzt, weniger albern und overacted und erstickt den ekligen 80er-Beigeschmack im Keim.


Es ist durchaus verständlich, dass so manch ein Fan der alten Stücke von Jay-Z mit diesem Album nichts mehr anfangen kann. Zugegeben: Von den Marcy-Projects und “Reasonable Doubt” zu einem Alphaville-Cover ist es ein weiter Weg. Aber es ist eben genau dieser Weg, den Jay-Z auf “The Blueprint 3” mit jeder Sekunde der Spieldauer voller Stolz zelebriert. Dass er dabei nicht ganz an die Größe des ersten Blueprints anknüpfen kann liegt weniger an dem aufgefrischten, elektronischen Sound, den ernsteren Lyrics oder dem finalen Pop-Overkill, sondern viel mehr an einer Handvoll unspektakulärer Lückenfüller, die zum einen Ohr rein, zum anderen aber leider genauso schnell wieder rausgehen. Trotzdem: Wer “Kingdom Come” mag, könnte an “The Blueprint 3” seine helle Freude haben. Für alle anderen hat Jay-Z ja Gott sei Dank neun weitere Nummer-Eins-Alben aufgenommen. Tendenz steigend.


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(cg)