Aggro Berlin - Label Nr.1 2001-2009 (Review)

Oft weiß man erst zu schätzen, was fort ist. Und während Deutschrap ständig neidisch nach Frankreich, England oder in die Staaten geschielt hat, wurde oft übersehen, welch starke Instanz sich in eigenen Landen gebildet und zahlreiche Jahrgänge von Raphörern und Rappern beeinflusst hat. Aggro Berlin liefert nun zum überraschenden Tod am ersten April 2009 den passenden Soundtrack zum Trauern und bietet dem Hörer auf “Label Nr.1 2001-2009” neben fünf exklusiven Tracks das Beste aus neun Jahren Bestehen.
Das Beste mit Einschränkung, muss hierbei leider erwähnt werden, da der verlorene Sohn Bushido mit keiner Sekunde Spielzeit vertreten ist und man somit Tracks aus den für den Erfolg des Labels nicht unwesentlichen Alben “Carlo Cokxxx Nutten” oder “Vom Bordstein bis zur Skyline” vergeblich sucht. Ansonsten bietet “Aggro Berlin Label Nr.1 2001-2009” eine gut zusammengestellte Zeitreise von “Das Mic und Ich” bis hin zu “5 Krasse Rapper“.
“Das ist Schwarz-Rot-Gold, hart und stolz.”
Mehrmals erfreut man sich an fast in Vergessenheit geratenen Tracks wie B-Tights “Der Neger” oder dem Sektenhit “Westberlin” und lernt mit etwas Abstand die Hitqualitäten der Singles erst richtig zu schätzen. Neben Flers Falco-Cover “NDW 2005” liefert vor allem der Maskenmann Sido zeitlose Deutschrap-Klassiker ala “Mein Block” oder “Mama ist Stolz“.
Während auf der ersten CD die Nostalgiker auf ihre Kosten kommen, liefert die zweite Scheibe zeitnähere Aggro-Tracks, die zwar nicht mehr den hungrigen Flair der Anfangszeit ausstrahlen, aber trotzdem Highlights wie “Du bist scheisse” und “Mein Testament” bieten.
“Die Welt ist ‘n Haufen Scheiße? Wem sagst du das?
Ich könnte kotzen, wenn ich seh’ wieviel Spaß du hast.
Geld macht nicht glücklich, nein, sie hassen dich.
Doch für mich reichen deine Waffen nicht, mir egal wie krass du bist.
Mein Erfolg, mein Respekt und meine Fans.
Sieh es ein, alles meins, du kriegst nicht einen Cent.
Doch Menschen werden böse, wenn sie abgebrannt sind,
deswegen lass ich mir ein Auge in den Nacken pflanzen.”
Auch die bisher unerwähnten Aggro-Sternchen Kitty Kat, Tony D und G-Hot nehmen auf dem Sampler ihre gewohnte Rolle ein und miauen, schreien und swaggern was das Image hergibt.
Die fünf Exklusivtracks sind zwar schwer als Höhepunkte zu betiteln, bieten aber kurzweilige Unterhaltung. So klärt uns Sido auf “Frauen wie Männer” in gewohnt politisch unkorrekter Art über sein Frauenbild auf, leben er und B-Tight ihren Drogenrausch auf “Mein Herz lacht” aus, pfeifft einem Tony-D auf “1,2,3” Kinderreime um die Ohren und stellen “A.G.G.R.O. 2007” und “Das ist HipHop” zwei astreine Crew-Representer dar.
Fazit: “Aggro Berlin Label Nr.1 2001-2009” ist ein Stück Zeitgeschichte der deutschen Rapszene, für die ich gewissenhaft eine Kaufempfehlung aussprechen kann. Mit Bushido-Teilnahme wäre es ein Pflichtkauf geworden.
(cb)

