Sonny Black & Frank White - Carlo Cokxxx Nutten 2 (Review)

„Ihr seid weniger als wir, guter Rap ist arrogant“ rappte Fler vor guten sieben Jahren in der Hook zu „Badewiese“, zu finden auf „Carlo Cokxxx Nutten“. Und wer erstmal denkt, die Formel für guten Rap gefunden zu haben, wird den Teufel tun, beim Nachfolger-Album irgendetwas daran zu ändern. Folgerichtig wurde das Konzept beibehalten und so orientiert sich der Aufbau von „Carlo Cokxxx Nutten 2“ sehr nah am Vorgänger.
Die erste deutliche Parallele bekommt der Hörer gleich mit dem Intro zu hören: Eine Frauenstimme weist darauf hin, dass Sonny Black und Frank White wieder vereint sind und dass sie gewissermaßen die Väter der auf Gangster machenden Kiddies da draußen sind. Da hat die gute Dame auch nicht unbedingt Unrecht. Ob sie mit der Aussage, dass die Musik auf diesem Album die Zukunft ist, Recht behalten wird, wird sich zeigen.
Unbestritten ist zumindest, dass Bushido und Fler zu den Pionieren des deutschen Gangsterraps zählen, und das machen sie auch auf einem Großteil der Tracks deutlich. Ob auf Geigensamples („Carlo Cokxxx Flashback“, „Ich war noch nie wie die“), von Chören begleitet („Komm klar, Spast“, „Die Krähen kreisen“) oder von simplen Pianoklängen untermauert („Unsterblichkeit“) - Sonny Black und Frank White hängen deine Schwester an ihren Arschhaaren auf, lassen deutsche Rapper umfallen wie beim Domino und pöbeln und pöbeln und pöbeln und pöbeln. Ein bisschen weniger Koks, dafür ein bisschen mehr Medien, No Angels und Bernd Eichinger – die Texte gehen dennoch wie gewohnt in die Fresse, wobei technisch nach wie vor noch eine Menge Platz nach oben bleibt.
Doch neben der üblich arroganten Anti-Alles-Haltung befinden sich natürlich auch ein paar nachdenkliche, persönliche Songs auf der Platte. So findet der „Vom Bordstein bis zum Klassiker“-Storyteller „Drecksstück“ in „Highlife“ einen mehr als guten Nachfolger und mit Zeilen wie „Heute wirst du nur gefickt, damals war es Liebe machen“ blühen die beiden Rapper zu echten Poeten auf. Auch dem Track „Zukunft“ wird hier ein „Part 2“ gewidmet. Auf dem Nachfolger dreht sich überraschenderweise alles vielmehr um die Vergangenheit der beiden Rapper, die sie im direkten Gespräch miteinander Revue passieren lassen. Schön zu hören, wie persönlich und ehrlich Bushido und Fler mitunter auch werden können. Ebenso zu den stärkeren Stücken der Platte ist „Ich wollte eigentlich nur rappen“ zu zählen. Merkbar inspiriert von der Messerattacke auf Fler beschreiben die Beiden ihren Alltag als Rapper, der auch viele Schattenseiten mit sich bringt. Neben den vielen thematischen Bezügen auf Klassiker der Vergangenheit wird das Flashback-Feeling mit Hilfe von recycelten Lines und gescratchten Zitaten aufgebaut.
Den größten Unterschied und damit das größte Manko dieses Tonträgers machen die Beats aus. Handwerklich gibt es daran zwar wenig auszusetzen, doch wirken sie im Allgemeinen etwas zu passiv und plätschern die meiste Zeit nur im Hintergrund vor sich hin. Was bei Songs wie „Highlife“ oder „Ich wollte eigentlich nur rappen“ noch den passenden Raum für die Lyrics lässt, wirkt auf Dauer leider zu monoton und lässt das Proll-Gehabe unterstreichende, aggressiv nach vorne gehende Rhythmen vermissen. Mehr Beats wie „Ich rap für“ hätten dem Album sicher gut getan. Besagter Beat wird dann zumindest noch als Bonus mit neuen Versen versehen, wofür auch Kay One einen Part beisteuert, der durchaus Bock auf dessen Solo-Album macht. Am meisten aus dem Konzept fällt der poppige Beat von „Straßengangsound“, was von der dazugehörigen Gesangshook von Fler noch unterstrichen wird, die zwischen dem Stempel „Ohrwurm“ und „peinlicher Trash“ hin- und her schwankt.
Alles in allem liefern Bushido und Fler mit „Carlo Cokxxx Nutten 2“ ein solides Rap-Album ab. Die roughe Untergrund-Atmosphäre des Vorgängers will auch aufgrund der größtenteils zu passiven Beats beim Hörer leider nicht einsetzen, dennoch ist der Longplayer für den deutschen Gangsterrap durchaus als Höhepunkt zu verbuchen. Bemerkenswerterweise stellen die persönlichen Tracks die Proll-Rap-Ansagen weit in den Schatten und beweisen, dass guter Rap nicht zwingend arrogant sein muss.
(mh)

