Die Orsons - “Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons” (Review)

Die fast schon penetrant heiteren und aufgedrehten Orsons, bestehend aus KAAS, Tua, Maeckes und Plan B, platzierten am Freitag ihr zweites Studio-Album “Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons” in den CD-Regalen.
Nicht nur der extravagante Titel, sondern auch das farbenfrohe Cover, eine Anspielung an das legendäre “Yellow Submarine” der Beatles, dürfte als eindeutiges Warnsignal für Griesgräme dienen. Das hier ist nichts für euch. Das neue Chimperator-Release löst sich von jeglichen Fesseln der Rapklischees und lässt der Kreativität der vier Protagonisten freien Lauf. Die Einzelcharaktäre verschmelzen zu einem Transformer, der homogene Tracks fabriziert, ohne dabei die Individualität der Cadillacschweine zu unterdrücken. Dies rechtfertigt auch den gewagten Vergleich mit den Liverpooler Pilzköpfen auf “Beatles Piraten“.
“Und sie spielen wie die Beatles, damals auf dem Apple Rooftop,
Sex, Drugs & RocknRoll - John, Ringo, Paul und George formen das O!”
Ein eindrucksvoller Beweis für die Weiterentwicklung seit dem Debüt-Album ist die von Maeckes verfasste Hommage an “Kim Kwang Seok“, einem bis dato eher unbekanntem Folk Rock-Singer, der sich 1996 das Leben nahm. Wilder geht es zu auf “Die Pflicht ruft“, das aus einem Smalltalk während des Splash!-Festivals entstand und “Nie wieder Schule“, einer perfekt ausproduzierten Erinnerung an die schönen Kleinigkeiten im Leben. Den idealen Soundtrack für Live-Konzerte liefert “Orsons Anarchie“, das mit stampfenden Drums und Leierkasten-Synthies zum Durchdrehen einlädt.
“Schluss mit lustig, jetzt mach ich mir Hände schmutzig,
in der Bibel steht geschrieben ‘Wir sind Jesus noch was schuldig’,
also reit ich mit unendlich vieln hydrophob und hydrophiln,
Aquarobotern in deine Stadt rein - wir wolln nur spieln!”
Eingeleitet von dem verstörenden “Ana” widmet sich die zweite Hälfte von “Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons” auch ernsteren Themen wie Vorurteilen (”Die Siren von El Dorado“), Kindersoldaten (”Souljah Boy“) oder der tuaesken Tristesse auf “Sonnig und Belanglos“.
Fazit: Wer sich darauf einlässt, der wird mit der Wundertüte “Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons” eine fantastische Reise durch die bewussten und unbewussten Gefühlslagen des menschlichen Seins erleben. Wer Probleme damit hat, die Dinge mit einem Augenzwinkern zu sehen, der sollte definitiv zu einem anderen Release greifen.
(cb)

