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Vega – Lieber bleib ich broke (Review)

19 Oktober 2009


Wäre der Gag nicht seit Jahren ausgelutscht, wäre das Zitat „Ihr habt lang genug gewartet, dass ein Album erscheint“ ein durchaus passender Einstieg für Vegas Debüt-Album gewesen. Ganze drei Jahre sind seit „Deutsche Probleme“ vergangen, ein Zeitraum, in dem sich beachtlicher Internet-Hype um das Album aufbaute, der sich mit zunehmender Zeit immer weiter hoch schaukelte. Doch mit dieser langen Schaffensphase steigen bekanntlich auch die Ansprüche, die der Hörer an das Album hat. Vega war sich dessen bewusst, arbeite frei nach der Regel „Für dein erstes Album hast du dein ganzes Leben, für dein zweites zwei Monate“ – aus nicht enden wollendem Perfektionismus wurde nun endlich Zufriedenheit und das Album kam in die Läden, respektive Mailorder.


Vegas Augenmerk lag laut eigener Aussage primär auf Authenzität, die auch merklich zu den Stärken das Albums zählt. Schilderungen des Alltags aus Fußball, Alkohol und Schlägereien werden durch Reflexionen über sich selbst und ehrliche Aussagen wie „Ich hab von Zwergen aufs Maul gekriegt“ aufgelockert und grenzen Vega positiv von der Masse an harten Straßenrappern ab, wobei die zur Schau gestellte Bescheidenheit in Zeilen wie „Und ich wollte nie ein Rapper werden, ich wollt meiner Oma ein Haus kaufen“ („Inferno“) ab und an etwas pathetisch wirkt. Vega erschafft gekonnt eine düster-melancholische Atmosphäre in seinen Tracks, die doch einem gewissen Charme nicht entbehren – vielleicht genau das, was B-Tight mit dem Wort „Ghettoromantik“ zu beschreiben versuchte.


Sympathiepunkte verliert Vega wiederum, wenn es um seine Ex-Freundin geht. Lässt er in „Für immer Part 1“ noch die Geschichte der Beziehung inklusive Trennung und die damit verbundenen Emotionen Revue passieren, präsentiert er sich auf dem zweiten Teil lediglich als schlechter Verlierer. So folgt der Zeile „Du warst mehr als meine große Liebe – du warst mein bester Freund“ zu Beginn noch die Line „Und wenn etwas ist – denk an mich, ich helfe euch“, in Part 2 allerdings „Es ist vorbei, Girl, ich hoffe, du verreckst noch heut’“ – hätte nicht sein müssen, zieht nur den guten ersten Teil runter.


Und wo die Ex-Freundin schon mit so freundlichen Passagen gesegnet wurde, sind die Battle- und Representer-Tracks nicht mehr fern. Diese stellen eine klare Minderheit dar und dementsprechend gibt es dazu auch ziemlich wenig zu sagen: Vega beherrscht dieses Metier seit seinen Anfangszeiten bis hin zu „Deutsche Probleme“ sicher, flowt sich motiviert und hungrig durch stampfend treibende Beats und macht dem Hörer relativ schnell klar, wessen Zeit nun gekommen ist.


Bei über 45 Songs, die zur Auswahl standen, hat man als Künstler einerseits eine unfassbar große Entscheidungsfreiheit, andererseits läuft man Gefahr, dass das Endprodukt etwas zusammen gewürfelt klingt. Bei Vega ist für mich leider eher zweiteres der Fall. Anders ist beispielsweise die eher unglückliche Savas-Line „Ihr seid überpleite“ auf einem Album namens „Lieber bleib ich broke“ kaum zu erklären. Auch klingen Songs wie „Goldene Flügel“ und „Als der Rest der Welt schlief“ irgendwie unfertig, irgendwie nach Mixtape-Shit.


Zudem wurde auch bei der Feature-Auswahl kein glückliches Händchen bewiesen. Während Butterfly-Artist Face von Vega locker in den Schatten gestellt wird und man den Eindruck bekommt, dass dieser Track nur aus Kumpel-Business-Gründen den Weg auf das Album gefunden hat, kommt bei „Abturn“ mit Kool Savas, Moe Mitchell und Ercandize wiederum das Gefühl auf, dass auf Teufel komm raus die großen Namen für den Hype genutzt werden sollten. Vollkommen unnötig und überflüssig, will sich doch besagter Track nie so recht in das restliche Album einfügen.


Produziert wurde der Großteil des Albums vom hauseigenen Producer Emonex, der sich passend zum Inhalt eher an französischen Instrumentals orientiert. Vereinzelt finden sich, speziell auf den Representern der Platte, auch Dirty South-Elemente wieder.


Alles in allem liefert Vega ein gutes Album ab, das dem Genre Straßenrap eine angenehm authentische Nuance beisteuert, die viele Rapper bisher nur angekündigt haben und doch nur mäßig umzusetzen wussten. Zu oft wird allerdings noch Potenzial verschenkt. Dennoch scheint sich er seiner Stärken bewusst zu sein und so bleibt zu hoffen, dass das Nachfolgealbum mehr wie aus einem Guss klingen wird – es kommt ja theoretisch schon in zwei Monaten.


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(mh)