Royce Da 5′9″ - Street Hop (Review)

Und der Preis für den dümmsten Album-Titel des Jahres geht an: Royce Da 5′9”. Der Geheimtipp aus Detroit meldet sich mit “Street Hop” nach vierjähriger Pause mit einem neuen Soloalbum zurück. Nachdem das Projekt “Slaughterhouse” eher mäßig überzeugend war, stellt sich die Frage: Entschädigt “Street Hop” für die Enttäuschung?
Eine Nominierung für den Preis für das hässlichste Album-Artwork des Jahres hat Royce ebenfalls schonmal sicher. Im Digipak ohne Booklet oder dergleichen kommen 19 frische Tracks aus den Studios von renommierten Produzenten wie Nottz, Emile, Streetrunner, Mr. Porter, 6 July und DJ Premier. Ein Sticker auf der Vorderseite informiert: “Executive Producer: DJ Premier”. In der Theorie sieht das schonmal ganz gut aus, aber geht die Formel auch auf?
Der druckvolle Opener “Gun Harmonizing” schießt auf jeden Fall in die richtige Richtung. Royce klingt wütend und hungrig, als hätte sich einiges an Energie aufgestaut in den letzten vier Jahren. Emiles Beat spielt mit entspanntem Vocal-Sample und diversen Instrumenten dem energiegeladenen Rap entgegen. Auch “Count For Nothing” schlägt in eine ähnliche Bresche, allerdings ist der Beat hier sperriger und wesentlich dreckiger.
“Soldier” entpuppt sich als rhythmuslastiges Drumgewitter mit spärlich eingesetzten E-Gitarren und Gesang in der Hook. Inhaltlich kommt da nicht viel bei rum, aber Royce ist ja seit jeher ein Battle-MC, der nicht unbedingt für Tiefgang bekannt ist. “I’m a motherfucker - no, really, I fuck moms.”
Mit “Something 2 Ride 2″ geht es dann ganz laid back weiter, ein typischer Beat von Premier, Rap entspannt und die obligatorische gesungene Hook. Eigentlich ganz nett, aber eben ziemlich dagewesen - wie eigentlich fast das ganze Album. Als einziges wirklich namhaftes Feature wird Busta Rhymes zur “Dinner Time” an den Tisch gebeten. Der Beat von Q Tones ist eine ziemlich eintönige Loop mit wenig Variation, dafür aber mit reichlich Power. Busta Rhymes präsentiert sich hier von seiner Schokoladenseite und auch Royce zeigt, dass er auch mit ausgefallenen Flows keine Probleme hat. Die fehlende Hook und die für ein Album unterdurchschnittlich schlechte Tonqualität hinterlassen trotzdem einen faden Beigeschmack.
“Sup girl. That’s my love song.” - so beginnt “Far Away”, dessen Beat durchaus zu gefallen weiß. Warum so ein entspannter Samplebeat jetzt aber unbedingt die längst zum Tode verurteilte Autotune-Hook völlig unnötig ausreizen musste, wird wohl - Ironie hin oder her - für immer ein Studiogeheimnis bleiben.
Tatsächlich: Von hieran geht es dann radikal abwärts. “The Warriors” vereint einmal mehr das gesamte Slaughterhouse auf einem Track, der langweiliger und uninteressanter kaum sein könnte. “New Money”, “Gangsta”, “Mine In Thiz”, “Street Hop 2010″ - die Tracks, bei denen man ungeduldig darauf wartet, dass sie zünden, häufen sich. Lediglich DJ Premiers “Shake This” weiß zwischen diesen ganzen Lückenfüllern so richtig zu gefallen. Das emotionale Auf und Ab von Beat und Rap überzeugt und ist handwerklich solide.
Erst wollte Royce nur über die Mütter drüber, nachdem Beat und Gesang ganze zwei Minuten vor sich hindudeln, gesteht Royce nun auch ein R&B-lastiges “Thing For Your Girlfriend”. Gähn. Auf “Murder” läuft Royce Da 5′9″ noch ein letztes Mal zu Höchstform auf, Emiles Beat ist liebevoll produziert und macht tatsächlich Bock, den Track zu Ende zu hören.
“Street Hop” könnte eine solide EP mit einer Handvoll cooler Tracks sein, die sich vor der Konkurrenz nur noch wegen dem albernen Titel und dem hässlichen Cover verstecken müsste. Aber beim Hören der 19 Tracks, klingt nichtmal die Hälfte nach Album-Material, bei dem sich irgendjemand Mühe gegeben hat hat. Die Songs sind unterschiedlich gut gemischt und gemastert und wirken lieblos produziert, lieblos aufgenommen, lieblos nachbearbeitet und am Ende auch lieblos zusammengewürfelt. Songs mit hohem Potenial wurden kaum richtig ausproduziert, als wolle man vermeiden, dass sie die übrigen Lückenfüller als solche entlarven. Also ja, man kann sich das Album anhören, man muss aber nicht. Man sollte nicht. Gerade für einen eingefleischten Fan von Royce Da 5′9″ ist dieses Album eigentlich ein direkter Schlag ins Gesicht.
(cg)

