Monroe im Exklusiv-Interview mit MeinRap.de

Am kommenden Freitag erscheint vom Hamburger Produzent Monroe ein Album, das mit hochklassigen Features und Konzept-Tracks alte Tugenden wieder aufleben lässt. Wir sprachen mit ihm über “Movement”, unterschätzte Musiker und neue Marktstrategien.
Hey Monroe, dein Producer-Album “Movement” erscheint am 13.11. Was kann man als Hörer erwarten?
Den Hörer erwartet genau die Musik, die ich gerne hören würde und lange nicht mehr in Deutschland gehört habe. “Movement” ist kein zusammengeschusteres Album aus irgendwelchen Mixtape-16ern, sondern besteht aus Konzeptsongs, die auch alle erst vor kurzem aufgenommen wurden und nicht schon Jahre rumliegen. Es sind große Namen drauf wie Xaviar Naidoo, Samy oder Curse und einige Leute, die man länger nicht mehr gehört hat, wie Ercandize, Illo, Sentino oder Separate.
Die Featureliste ist lang, wonach hast du die Musiker ausgewählt?
Es ist ja nicht so, dass man da rumsitzt und überlegt, wer drauf darf und wer nicht. Das sind teilweise Leute, mit denen ich eh in Kontakt bin, wie zum Beispiel Laas, mit dem ich gerade an seinem Mixtape arbeite oder Sam, der ja eh in Hamburg sitzt. Zudem gehören alle Künstler auch zu meinen Lieblingssängern und -rappern und es sind keine Neandertaler drauf, die nichts können.
Wie hast du es nach dem Ärger um Deluxe Records geschafft, Pillath und Samy auf einen Track zu bekommen?
Da kann ich ehrlich gesagt nicht viel zu sagen. Ich denke, viele Leute denken, ich wäre da etwas mehr in diese Deluxe-Geschichte involviert, als es der Fall ist. Das war eigentlich überhaupt kein Problem. Ich hab Pillath und Samy angerufen, ob sie Bock haben was zusammen zu machen und sie hatten beide direkt Lust.
Separate und Sentino schienen dem Deutschrap den Rücken gekehrt zu haben, auch die Beiden finden sich auf “Movement”. Wie kam es dazu?
Also auch das müsste ich eigentlich direkt als Frage an sie weiterverwalten. Ich hab das niemals so wahrgenommen mit den Rücktritten.
Also hast du sie ganz normal angefragt?
Ja, mit Separate hab ich eh regelmäßig Kontakt, ob ich ein Album mache oder nicht. Sentino in Polen aufzutreiben war da schon schwieriger, weil echt kein Arsch mehr eine aktuelle Nummer von ihm hatte, aber für mich war das richtig wichtig, sie wieder zu aktivieren. Auf einem Album mit den besten Rappern müssen einfach auch ein Separate und ein Sentino vertreten sein. Sie gehören zu meinen Lieblingsrappern, nicht nur aus Produzentensicht, sondern auch als Fan.
Gab es auch Rapper, die dir abgesagt haben?
Nö. (lacht)
Also die absolute Wunschliste?
Genau. (lacht)
Gibt es Tracks auf dem Album, die noch richtig Oldschool mit Studio-Session entstanden sind oder alle per Web 2.0?
Sowohl als auch. Bei über 30 Künstlern ist es logistisch natürlich gar nich möglich. Wenn ich unheimlich viel Geld hätte und alle Leute mit Hotel, Essen und Sprit versorgen könnte, um einen Tag in Hamburg im Studio zu verbringen, dann wär das natürlich das Allerbeste, aber es ging nur ungefähr bei einem Drittel der Songs. Laas und Erc standen zum Beispiel zusammen im Studio.
Denkst du, dass man den Unterschied dem Endprodukt anhören kann?
Ne. Und das ist natürlich eine unheimlich schwierige Sache für mich als Produzent. Und vor allem ist es auch etwas, das man meistern muss, wenn man sich Produzent nennen willen, dass man nicht nur Beats macht, die rausschickt und es passieren lässt. Es haben zwar nicht alle bei mir im Studio aufgenommen, aber ich bin trotzdem zu Vielen hingefahren. Zum Beispiel war ich einen Tag bei Curse, am nächsten Tag bei Eko und hab mit ihm aufgenommen, danach ein Tag bei Seppo und auf dem Rückweg noch bei Snaga und Pillath vorbei, also wirklich mit den Leuten Face to Face zusammengearbeitet. Die Ausnahme waren dann Ali in München oder Senti in Polen, wo es einfach zu weit wurde, aber generell habe ich da drauf geachtet, dass sie mir nicht zwischen Tür und Angel irgendwas schicken, sondern alle am gleichen Strang ziehen.
Wie kann man sich die Herangehensweise an so ein Producer-Album vorstellen? Gehst du zu Rappern hin und sagst “Gib mir nen Part, dafür bekommst du nen Beat”, oder bezahlst du teilweise auch dafür?
Das ist unterschiedlich, also über finanzielle Sachen habe ich in der Öffentlichkeit sowieso noch nie gesprochen.
Schade.
(lacht) Es kommt ganz auf die Rapper drauf an. Wenn ich einen Beat für ihr Album machen kann und sie mir dann einen Part rappen, ist das natürlich optimal. Da hast du schon richtig vermutet, darauf läuft es bei den Meisten heraus.

Kann man 2009 bei einem Producer-Album noch mit Gewinn rechnen oder ist das eine reine Herzangelegenheit?
Das mit dem Gewinn werden wir sehen, aber war sicher nicht die ursprüngliche Motivation, das zu machen. Das hat keine wirtschaftliche Gründe, sondern wirklich ein Album so zu machen, wie ich mir das vorstelle und einfach die ganzen Leute nochmal so zu hören, wie ich sie auch am liebsten gehört hab. Wenn man sich jetzt die Entwicklung von Curse oder Samy anschaut, dann haben die Deutschrap einfach geprägt und viele Veränderungen mitgemacht. Und auf meinen Song ist ein Eko beispielsweise wieder so, wie er 2001 rum klang. Diese goldene Zeit, wo einfach ein Track nach dem anderen mit Savas entstanden ist. Oder mit Sam ist das jetzt kein Gesang, sondern classic Jay-Z-Storytelling. Und Curse, direkt auf dem ersten Track, rappt halt wieder wie zu Feuerwasser-Zeiten, so hat man ihn meines Wissens nach schon lange nicht mehr gehört. Ich bin sehr zufrieden damit, das ist mir gut gelungen, aber ob das eder schnallt und das am Ende viele Einheiten verkauft… Da wissen wir ja beide, dass das momentan sehr schwierig ist.
Wo du gerade die gute, alte Zeit ansprichst: Denkst du, dass das Format des Producer-Albums wieder den Stellenwert vom Anfang des Jahrtausends einnehmen kann, als Stylewarz, Friction, Thomilla usw. rauskamen?
Waren das Alben, die funktioniert haben? Also nichts gegen Stylewarz und Friction, aber die liefen für die damaligen Verhältnisse ja auch schon relativ schlecht, glaube ich.
Also ich kann mich noch daran erinnern, dass die Teile damals einfach als Pflichtkauf galten für Rapfans, als sie rauskamen, mal ohne jetzt qualitative Aspekte zu berücksichtigen. Ein Melbeatz-Album, das ich wirklich gut fand, ist total untergegangen, weil es einfach zu einer falschen Zeit rauskam.
Ja, stimmt schon. Und Mel hatte ja wirklich einen Riesenhype immer, bei Producerlisten findet man sie fast überall auf der Eins.
Und sie hatte Features von ODB und Co.
Genau. Ja klar, ich kann auch nur hoffen. Aber was wäre denn die Alternative? Aufhören? Ich mach das ja, weil ich es liebe. Und weil ich dann meine Doppel-CD haben will, ein übertrieben gutes Artwork und den ganzen Schnick-Schnack drumrum, einfach um ein geiles Produkt zu haben. Wenn ich da das meiste raushauen wollte, müsste ich mir wohl zwei bis drei Ami-Features dazu kaufen, aber das würde am Ende des Tages wirtschaftlich wahrscheinlich auch keinen Sinn machen. In Deutschland hast du als Producer ja eh einen mega-schweren Standpunkt. Wir sind bei vielen Rappern einfach eher das notwendige Übel, der jetzt von dem nicht vorhandenen Kuchen seine paar hundert Euro abkriegen will. Ich habe auch oft das Gefühl, dass man nicht wirklich wertgeschätzt und als austauschbar angesehen wird, vor allem seit einigen Jahren, seit dieses Beat-Hustle-Ding losging und jeder 17-Jährige hat per MySpace irgendwie 50 Beats, von denen 49 scheiße sind und halt einer is dann doch geil. Ich mein, jeder, der 50 Beats macht, macht einen guten aus Versehen, sogar meine Mutter. Deswegen kann ich das auch nachvollziehen, dass das auf so ein komisches Niveau gekommen ist, dass alle nur noch billig Beats abgraben wollen und dabei außer Acht lassen, ob das nun ein uniquer Sound ist oder gut abgemischt, ob du halt jemanden suchst, der eine Vision vor Augen hat, oder einfach den ganzen Tag in der Booth stehen und irgendwas daher rappen willst. Aber ich glaube, so langsam ist die superstumpfe Neandertalerrap-Zeit vorbei und solche Leute wie Eko, Senti und Seppo werden wieder Wertschätzung bekommen.

Du hattest zwei großartige Alben mit Separate und Pal One aufgenommen, die jedoch in der Szene kaum Beachtung fanden. Zweifelt man da manchmal an den Rap-Hörern, wenn qualitative Ware so ignoriert wird?
Das freut mich natürlich erst mal, dass du die sehr gut fandest. Das ist genau so, wie ich das auch wahrgenommen hab, es ist echt hart manchmal. Gerade das Separate-Album, was ich für total unterschätzt halte. Das ist für mich auch heute noch ein Mega-Album, wo ich jeden Song feiern kann, also ich kann das echt nicht nachvollziehen. Das Wichtigste ist mir eigentlich, dass ich qualitativ 100% hinter den Alben stehen kann, daran kann es auch, ohne jetzt arrogant wirken zu wollen, auch nicht gelegen haben. Also ich kann mir das nicht erklären.
Mir persönlich gefiel, dass die Alben aus einem Guss waren und nicht nur aus zusammengewürfelten Quoten-Tracks bestanden. Aber vielleicht ist das ja, was die Szene hören will, vielleicht haben die Hits gefehlt.
Ja, vor allem sind das halt echte Jungs, die auch was zu erzählen haben und keine Schlagzeilen mit rap-fremden Themen machen. Seppo ist 100% Rapper und versucht auf Songs Leuten was mitzugeben. Ich weiß nicht warum, das wär auf jedenfall ein schönes Thema für eine Markt-Analyse. Ich finde das Album nach wie vor super.
Ist mit Separate eigentlich in Zukunft was geplant? Wenn er jetzt schon wieder am Mic ist, würde sich das ja anbieten.
Das musst du ihn persönlich fragen. Ich weiß von nichts, aber ich kann es mir gut vorstellen.
Viele Labels gehen momentan den Bach runter, siehst du das komplett negativ oder denkst du, dass aus dem Schutt wieder etwas wachsen wird?
Das wird definitiv passieren, dass da wieder was wachsen wird. Für mich persönlich sehe ich es natürlich erstmal negativ. Ich habe mein Geld in den letzten Jahren nicht nur mit den paar Charthits verdient, ich hab damit meinen Lebensunterhalt finanziert. Jetzt gibt es wirklich nur noch Künstler ganz ohne Label oder Künstler mit eigenem Label, die dann kaum Budget haben. Das ist für mich natürlich negativ.
Wie du schon ansprichst, ist Geld verdienen mit Rap ja eine schwierige Sache momentan, deswegen probierst du dir ein zweites Standbein aufzubauen. Du arbeitest zusammen mit Dennis Haberlach, den man eventuell von DSDS kennt. Ist “Movement” die ideale Plattform für den Einstieg, damit das Rap-Publikum auch mit ihm warm werden kann?
Also das war definitiv auch ein Hintergedanke, klar. Aber eigentlich war das eine ganz natürliche Entwicklung, weil wir eh gerade an seinen Stücken gearbeitet haben. Viele Sachen hätten für sein Album gar keinen Sinn gemacht, da ich mich da auch versuche von dem Rapding zu lösen. Man wird natürlich auch an den Drums noch hören, wo das herkommt, aber teilweise sind das auch ganz klassiche Popnummern, oder nur Gitarre und Bass. Ich weiß gar nicht, ob das wirklich so interessant wird für das Publikum von meinem Rap-Nerd-Album jetzt.
Was kann man dann in der Zukunft von euch Beiden erwarten?
Also Dennis hat weder nen Deal, noch Druck. Da er arbeitet, kommen wir auch nicht so schnell voran, wie ich das gerne hätte. Wir machen jetzt erstmal ein vernünftiges Album zusammen, also so 7-8 Tracks, die wir richtig Bombe finden und dann gehts auf die wohl ziemlich aussichtslose Labelsuche. Wenn es klappt, klappt es, wenn nicht, dann bringen wir es selber raus.
Über PaperPaper?
Das weiß ich noch nicht. Vielleicht auch was ganz Anderes, Neues. Aber ich denke schon.

Du hast neben PaperPaper die Internetplattform Cashtunes zumindest mitbegründet. Denkst du, dass Deutschland schon soweit ist, dass es Downloads gegen Zahlung akzeptiert?
Naja, da gehts nicht darum, das Ding für Millionen an irgendeinen Investor zu verkaufen, sondern einfach eine eigene Plattform zu haben, um sein Album zu vertreiben. Und das bieten wir jetzt eben auch anderen Künstlern an. Da ist es dann auch egal, ob es 10, 100 oder 1000 Downloads sind. Fakt ist, dass du bei uns mehr rausbekommst pro Download.
Ich glaube 15% gehen an euch, der Rest an den Künstler?
Ganz genau. Beim Rest kommt es halt auf die Bezahlungsart an. Was das Beste an unserer Plattform ist, ist die Bezahlmöglichkeit per Handy, da springt natürlich weniger bei raus, da die Provider auch noch daran verdienen wollen. Das biete ich jetzt nach und nach mehreren befreundeten Künstlern an. Da wird es dann auch Exclusives und Remixe geben, aus meiner Sicht einfach eine unschlagbare Alternative, denn wie viele Leute verkaufen schon auf ihrer eigenen Seite Mp3s und verdienen damit dann noch mehr als bei iTunes?
Auf Cashtunes.de findet man schon ein Formular für Künstler, gibt es da irgendwelche Aufnahme-Kriterien? Also muss dir das persönlich gefallen oder kann da jeder MySpace-Rapper seine Musik vertreiben?
Geschmacklich halte ich mich da wirklich total raus, da sehe ich Cashtunes als Vertriebsplattform und nicht als etwas, wo ich jedem Track meinen Stempel draufsetze. So soll das auch gar nicht sein, da hängen ja auch noch andere Leute mit drin. Dass da jetzt nicht megaschlecht aufgenommene Mucke vertrieben werden soll, sollte jedem klar sein. Die Qualität muss stimmen.
Wie genau läuft das bei dir eigentlich ab, wenn du einen Beat baust?
Ich benutze ein MacBook Pro, da ist nur Logic drauf mit Plug-Ins und Instrumenten, ohne jegliche Hardware. Dann setz ich mich unten ins Basement und schraube an Sachen. Ist ganz schwer zu sagen. Manchmal fang ich echt bei Null an und fang an Effekte auf Geigen zu hauen und spiel Tubes ein und mach dann die Drums, manchmal mit Samples. Auf dem Album sind jetzt viele Songs, die so ein Sample als Kern haben und ich dann orchestrale Sounds drumrumgespielt hab, was viele Leute gar nicht raushören. Die denken dann, es wär alles Sample, dabei ist das dann nur der erste Ton oder so.
Das ist doch das größte Kompliment, was man dir machen kann, oder?
Ja, auf jeden Fall. Das ist genau so, wie ich das haben will und wie ich das von den Produktionen für Rick Ross kenne. Wo es einfach klingt, als wäre es gesampled. Bei Samples baue ich normal um das Sample herum, aber das ist unterschiedlich.
Hast du schon direkt im Kopf, wie der finale Beat klingen soll oder überrascht du dich oft selber?
Manchmal habe ich irgendwas gehört, in einer Werbung oder sonstwo und ohne das kopieren zu wollen, inspiriert mich das und ich habe wieder Bock eine Flöte oder so zu benutzen. Manchmal habe ich den kompletten Beat schon im Kopf und manchmal fange ich einfach irgendwas an, spiele Akkorde und hab dann nach 20 Minuten oder so etwas, worauf ich aufbauen kann. Manchmal mach ich auch ganz viel und manchmal zwei Wochen gar nichts. Jetzt zum Beispiel in der Album-Phase hab ich seit August vielleicht einen Beat gemacht.
Alles klar, wir danken dir für deine Zeit. Die letzten Worte an unsere Leser gehören natürlich dir.
Ja, vielen Dank natürlich erst einmal für den Support. Kauft mein Album am Freitag, dem 13ten und erlebt Deutschrap, wie ihr ihn lange nicht mehr gehört habt und wie ihn sich Leute meines Alters wahrscheinlich zurück wünschen.
(cb)



