Pillath im Exklusiv-Interview mit MeinRap.de

Seit heute steht das zweite Kollabo-Album “II” von Snaga & Pillath in den Läden. Wir sprachen mit Pillath über Veränderungen, den Ruhrpott-Hype und Felix Magath.
Hey Pillath, einige Titel vom neuen Album “II” spielt ihr schon auf der aktuellen Tour. Wie werden die angenommen von den Leuten?
Ja, auf jeden Fall gut. Wir spielen immer vier neue Songs und zwei davon kennen die Leute halt schon von den beiden Videos, die werden natürlich nochmal ein Stückchen besser angenommen. Ist ja immer so mit nem Song, wenn du live auftrittst. Ein Song, den die Leute noch nie gehört haben, ist immer ne andere Sache als ein Song, den sie schon kennen. Aber halt selbst die beiden Dinger, die wir den Leuten zum ersten Mal vorspielen, da ist auf jeden Fall auch noch sehr positive Resonanz.
Was macht euch jetzt generell mehr Spaß? Die Klassiker zu bringen, die Jeder mitschreien kann oder zu sehen, wie die Reaktionen auf die neuen Lieder sind?
(Überlegt) Ganz ehrlich, ich würd sagen: Sowohl als auch. Macht schon definitiv beides Spaß, also wüsst ich jetzt nicht, was mir da besser ist. Beide Seiten gleich viel. Hauptsache live.
Knüpft „II“ eher an die älteren Mixtape-Sachen oder „Aus Liebe zum Spiel“ an?
Also wir wollen auf jeden Fall nicht zu diesem kompletten Dödel-Rap von „Die linke und die rechte Hand Gottes“ zurück, aber wir wollen schon den Fokus auf dieses Punchline-Ding legen, weil wir der Meinung sind, wenn Leute damals zu der Zeit der ersten beiden Mixtapes Fans von uns geworden sind, dann wegen der Punchline-Geschichten. Und zu der Zeit, als das Album kam, hatten wir uns schon die meisten Fans erarbeitet, denke ich. Es gibt zwar auch wieder zwei Tracks, die nicht auf Punchlines aus sind, aber auch nicht wirklich traurig, eher was wütendes. Also zwei nachdenkliche Song und der Rest ist alles Power-Punchlines. Das war uns schon wichtig, dass wir auf jeden Fall da wieder hingehen.
War von Anfang an klar, dass das n Album wird oder kam auch ein Mixtape in Frage?
Nee, Quatsch.
Ist das Format Mixtape überhaupt noch eine Option?
Macht man heute überhaupt noch Mixtapes? Eigentlich nicht mehr, ne?
Die Unterschiede sind ja eh schon so schwammig. Also Streetalbum, Mixtape…
(lacht) Streetalbum und so, nee Quatsch, son Blödsinn. Wenn, dann machen wir direkt ein richtiges Album. Also das Ding wäre mir auch viel zu schade dafür, um da Mixtape oder Streetalbum oder sonstwas drauf zu schreiben, das ist auf jeden Fall schon ein amtliches Ding, auch vom Sound her, von den Beats her und so.
Der Titel „II“ ist relativ schlicht, es gibt auch keine Features. Hat das eine gewisse Aussage?
Ja, der Titel kam auch wirklich ziemlich spät, das Album war schon so gut wie fertig und dann dachten wir halt „Okay, so langsam brauchen wir aber echt mal nen Namen“ und es hat dann ungefähr zwei Minuten oder so gedauert und Snagz meinte auf jeden Fall „Ey Pillath, so filmmäßig, ich meine, wir hatten immer ‘Die linke und die rechte Hand Gottes’, ‘Eine Frage der Ehre’ und so, das waren ja immer Filmtitelgeschichten, ey, lass mal was anderes machen“ und dann waren wir uns ganz schnell einig, dass es was schlichtes wird und dann meinte Snaga „Ja, sowas schlichtes… so wie ‘II’“ und dann meinte ich „Ja man, so ne römische Zwei einfach, ganz schlicht, die dann auch direkt aufs Cover kommt ganz groß“ und dann war auch direkt die Idee fürs Cover da mit der Zwei in der Mitte und links und rechts die halben Gesichter und solche Geschichten. Es ging dann eigentlich ratz-fatz, Alter.
Ein Track heißt „Ruhrgebiet“. Seht ihr euch verpflichtet den Ruhrpott zu representen?
Ja. Also für mich auf jeden Fall schon ein Stück weit, doch doch. Wir kriegen auch immer viel zurück hier in der Region. Im Sommer haben wir bei so einem Festival im Ruhrgebiet gespielt, da gabs eine Bühne Hiphop, eine Bühne Rock, das ist dann alles in der Innenstadt verteilt und da kommen wir dann hin auf einmal nach zwei Jahren, ohne Album, ohne sonstwas… Alter, das war so unglaublich voll, ich kann bei solchen Mengen immer nicht wirklich schätzen, aber da standen dann mehrere tausend Leute, so dass ich vollkommen ausgetickt bin. Und das ist halt immer wieder Bestätigung für uns, dass wir alles, zumindest für die Leute hier, genau richtig machen und deswegen ist das für uns auch ein Stück weit eine Pflicht. Es muss jetzt auch vielleicht nicht immer n Song sein, der „Ruhrgebiet“ heißt, aber trotzdem auf jeden Fall die Fahne hochhalten.

Vor ein paar Jahren gab es den „Der Pott ist back“-Hype, durch den Aufbruchstimmung aufkam und der ganze Pott dachte „ok, jetzt starten wir durch“, aber wenn man es so im Nachhinein betrachtet, ist es eigentlich eher ein Heimatding geblieben, was nicht wirklich expandieren konnte wie beispielsweise der Berliner Rap. Wie siehst du das jetzt mit ein paar Jahren Abstand?
Ja, ich würde das so bestätigen. Also jetzt deutschlandweit hat das nicht berlinmäßig gezündet. Ursachen dafür zu finden ist immer schwierig, da kommen, glaube ich, zig Sachen dazu. Das fängt vielleicht schonmal damit an, dass wir die Infrastruktur, die es in Berlin gibt, nicht haben. Da teilen sich Universal und MTV ja die selbe Kantine, da gibt es die ganzen Sender und Radiostationen und haste nicht gesehen und die feiern sich alle gegenseitig, weißte, der eine sagt „ja komm, dann kommste mal bei mir und dann mach ich das und das für dich“ und wir…wir haben hier gar nichts. Das nächste ist, glaube ich, Pro7 in Köln, aber Köln hat dann auch mit dem Ruhrpott nichts mehr zu tun, die bleiben da auch lieber unter sich. Das ist eine Ursache, würde ich jetzt mal sagen, aber nicht die einzige, da kommen sicher noch ganz viele andere dazu. In der Zeit, wo wir zwei Jahre weg waren, hat ja auch nicht wirklich irgendwer anders von den Leuten hier das Ding fortgesetzt. Also wir haben dann irgendwann in der Zeit von „Die linke und die rechte Hand Gottes“ den Stab in die Hand genommen und haben gesagt „Komm, wir ziehen das jetzt vorwärts“, wir Beide waren zusammen mit Manuellsen die Zugpferde. Ja, und dann haben wir uns halt mal eine Auszeit genommen und es kam ja auch keiner mehr stattdessen und dann braucht sich auch keiner wundern, dass das Ding dann son bisschen einschläft, weißte? Also wie gesagt, ist definitiv richtig, das war damals schon ein krasser Hype, der auch über den Ruhrpott hinaus geragt hat, aber das berlinmmäßige Deutschlandübergreifen, dass dann alle komplett auf Berlin austicken, das ist nicht passiert, aber…ich weiß gar nicht, ist das noch so, dass alle in Deutschland so krass auf Berlin abgehen? Ist, glaube ich, gar nicht mehr so, oder?
Vielleicht nicht mehr so ein großer Hype, aber viele Berliner sind noch sehr gefragt in der Szene. Glaubst du, dass es vielleicht auch ein Fehler war, dass ihr zu sehr diesen Ruhrpottfilm gefahren seid, der nicht jeden anspricht?
Ja, aber das geht mir relativ am Arsch vorbei, Alter. Ob da jetzt einer in Buxtehude sagt „Ich kann mich mit dem Ruhrpott nicht identifizieren, deswegen mag ich die Musik von denen nicht“, das ist mir Jacke wie Hose. Wir werden hier weiterhin die Fahne hochhalten, weil wir das gerne machen, weil uns das auch ein Stück weit stolz macht und eine Ehre ist. Wenn jetzt einer sagt „Ich komm nicht ausm Ruhrpott, warum soll ich denn jetzt ‘Ruhrpott’ schreien?“ - nee, braucht er ja auch nicht, im Endeffekt geht es ja auch um die Musik und wenn ihm die gefällt, dann kann er das auch feiern, auch wenn er nicht aus dem Ruhrpott kommt.
Der Einzige von damals, der jetzt auch noch von sich hören macht, ist Manuellsen. Was ist mit den ganzen anderen Jungs , sind die noch aktiv?
Von Manuell kann ich dir auf jeden Fall sagen, der hat in den anderthalb Jahren zu seinem letzten Release bestimmt 40-50 Songs gemacht, ist jetzt auch Vater geworden, da hat man natürlich auch anderen Sachen noch zu tun, aber ich weiß, dass er auf jeden Fall Songs für zwei, wenn nicht sogar drei Alben hätte. Das letzte, was ich jetzt gehört hab, ist aber, dass ihm davon nur 13 so richtig krass gefallen, er ist da immer sehr wählerisch und ob der da jetzt ein oder mehrere Alben daraus macht und die raushaut, weiß ich nicht genau, aber der war auf jeden Fall aktiv, also der hat auf jeden Fall nicht aufm faulen Arsch gesessen. Und von allen Anderen kann ich dir echt schon nicht mehr sagen, keine Ahnung, ja doch… die SAW-Jungs, also KC Rebell und PA Sports, die kommen jetzt wohl mit was um die Ecke, die haben da wohl auch schon n Album fertig. Aber das war’s auch schon, also von mehr weiß ich auch nicht.
Ein weiterer Track von euch heißt „Wohin führt unser Weg“? Wohin sollte er denn bestenfalls führen, was habt ihr für Ziele und Wünsche mit eurer Musik?
Von diesen Superstar-Fantasien hab ich mich natürlich ganz, ganz schnell verabschiedet.
Aber die gab’s früher, oder? Zu diesem Pott-Hype war das schon ein bisschen da, dass man dachte „Jetzt greifen wir nach der Krone“.
Naja…(überlegt) Ich bin da zu realistisch für gewesen, schon immer. Also damals zu 3P-Zeiten, auf einmal waren wir bei Moses und der kam mit seinem S-Klasse-Leihwagen, weil der Porsche gerade in der Reparatur war. (lacht) Da war dann schon mal kurz „Woooow, ja mann, jetzt geht’s los“, weißte? „Nächstes Jahr kauf ich mir auch ne S-Klasse“. Da kam aber die erste Abrechnung nach „Die linke und rechte Hand Gottes“ und dann waren wir auch ganz schnell wieder in der Realität angekommen und von da an wussten wir schon, wo wir uns verkaufszahlentechnisch einordnen können. Von „Aus Liebe zum Spiel“ haben wir auch knapp 15.000 verkauft, glaube ich, da brauchen wir uns gar nicht für schämen, das ist ne sehr, sehr starke Leistung, das war dann auch zu dem Zeitpunkt ohne Major, obwohl alle vorher gesagt haben, es würde mit Major sein. Falls es wirklich nochmal passieren sollte, was ich nicht glaube, dann sag ich natürlich nicht nein, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist immer, was jetzt die Musik betrifft, gute Musik zu machen für die Leute, die wirklich auf unsere Musik warten, denen die gefällt, die daran Spaß haben, zu den Konzerten kommen, die mit uns durchdrehen, also dass wir auch was zurück kriegen, wenn wir auf der Bühne stehen und das ist so das Hauptziel, einfach geile Mucke machen, solange wie es uns Spaß macht und wenn ich mit 50 immer noch der Meinung bin, ich muss Mucke machen, dann….naja nee, mit 50 steh ich nicht mehr auf der Bühne, definitiv nicht. Aber weißte, solange es mir übertrieben Spaß macht, ist das halt der einzige Anspruch. Verkaufszahlen… klar freut man sich, wenn es sich gut verkauft, wir sind aber nicht mehr finanziell abhängig von irgendwelchen Plattenverkäufen oder so, da sind wir echt ganz entspannt.

Seit eurem Debüt-Mixtape habt ihr euch optisch sehr verändert. Inwieweit habt ihr euch denn auch als Mensch verändert?
Ja, ich glaube das war bei Snagz noch ein bisschen ausgeprägter als bei mir.
Ja stimmt, da ist jetzt noch die Wollmütze dabei.
Ja genau, das ist das Ding. Wie du schon gesagt hast, man verändert sich auch. Abgesehen davon, dass heutzutage keiner mehr diese Achtzig-Farben-Jerseys mit Durag und Cappy nach hinten trägt, aber… ey ich zieh eigentlich immer noch ganz gerne n T-Shirt an, wo auch noch n bisschen was buntes drauf ist, weißte, aber das wird auch, glaube ich, gar nicht mehr so viel hergestellt, von daher sieht man mich jetzt nicht mehr in Achtzig-Farben-Kombos rumlaufen, aber ich zieh immer noch ganz gerne weiße T-Shirts mit irgendwas drauf an, auch wenn das gerade mal bunt ist und drei Farben hat, aber das sieht trotzdem geil aus, hab ich da auch gar kein Problem mit. Snagz ist halt einfach n schlichter Typ. Bei dem ist es Joggingbuxe, T-Shirt, Lederjacke drüber, Mütze auf, zack fertig. Woher das kommt, weiß ich nicht, keine Ahnung. Ergibt sich einfach so. Vielleicht haben wir in drei Jahren wieder Bock, doch wieder die bunten Sachen zu tragen. Das ist halt immer, wie man sich gerade fühlt, worauf man gerade Bock hat.
Früher hat man euch kaum auseinander halten können vom Rap her. Bei dem, was bisher vom neuen Album bekannt ist, wirkt es eher so, dass du der Lustige bist und Snaga ein bisschen mehr „in die Fresse“ rappt. Siehst du auch Tendenzen in die Richtung?
Puh, das ist ne gute Frage. (überlegt)
Insgesamt kommt Snaga seit diesem Talion-Ding wesentlich ernster rüber als früher und bei dir sehe ich diese Entwicklung jetzt nicht so, was jetzt aber wertfrei gemeint ist.
Nee, schon ok. Ich hab ja kein Talion gemacht, das ist auch son Album, was ich nie machen würde, das würde mir einfach nicht genug Spaß machen, dafür bin ich ein zu fröhlicher Mensch. Aber ganz ehrlich, dafür müsste ich jetzt nochmal das gesamte Album anhören und gezielt drauf achten, aber ich schließe das jetzt auch nicht aus. Wenn man so ein Album macht, das nimmt einen auch ein, das ist schon möglich. Muss ich mir nochmal länger anhören und Gedanken drüber machen.
In Teil 2 äußert sich Pillath über Deluxe Records, Solo-Projekte, die Top 20 der Juice und Schalke.
