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Timbaland Presents: Shock Value II (Review)

8 Dezember 2009

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Timbaland war noch nie ein Künstler, der sich auf Hiphop-Klischees reduziert hat. Aber nachdem er 2006 Justin Timberlake und Nelly Furtado einer Generalüberholung unterzog und ihnen frischen Sound auf den Leib schneiderte, folgte 2007 sein kommerziell erfolgreichster Geniestreich: Das Hip-Pop Soloalbum “Timbaland Presents: Shock Value” vereinte typische Hiphop-Beats mit Musik der verschiedensten Genres und brachte gleich vier Top-10-Singles mit. Kein Wunder also, dass er mit einem Nachfolger um die Ecke kommt. Die Frage, die sich stellt: Geht das Erfolgsrezept nochmal auf?


Die Antwort ist: Ja. Wer den ersten Teil von “Shock Value” nicht mochte, braucht an dieser Stelle garnicht weiterzulesen, denn das Album macht genau da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Das Who-is-Who der Popmusik gibt sich die Ehre, Timbaland-Affiliates tummeln sich munter dazwischen.


Bereits die erste Nummer macht klar, in welche Richtung das Album sich bewegt. In typischer Timbaland-Manier werden Samples und Synthies zusammengewürfelt, Breaks gesetzt und Soundeffekte untergemischt. Dass die Kombination Timbaland/Timberlake gut funktioniert, ist keine Überraschung.


Mit Pop-Sternchen JoJo dagegen hat tatsächlich wohl niemand gerechnet. Noch viel weniger damit, dass sie mit ihrem Gesang überzeugt und mehr als eine austauschbare Ergänzung zu eingestreuten Rap-Versen abliefert. Mit rhythmischen Hey-Hey-Rufen und passenden Claps erfindet Timbaland das Rad nicht neu, trotzdem ist der Song eine runde Sache. Auch die Zusammenarbeit mit Teenie-Star Miley Cyrus ist wesentlich weniger peinlich, als man sich das vorstellt.


Eine weitere Überraschung: Nickelbacks Chad Kroeger funktioniert auf einem elektrolastigen Hiphop-Beat erschreckend gut. Nichtmal der definitiv ausgereizte Autotune-Effekt auf Timbalands Stimme trübt die Freude an “Tomorrow In The Bottle“. Auch die satten Hiphop-Drums, mit denen “Long Way Down” angereichert wurde, passen Perfekt zu den E-Gitarren und den Gesängen von Daughtry.


Auch an der Seite von Nelly Furtado und der französischen Sängerin SoShy macht der Produzent, Rapper und Sänger eine gute Figur. “Morning After Dark” zieht die Temposchrauben an. Der hektische, druckvolle Rhythmus sorgt unweigerlich dafür, dass Füße und Köpfe in Bewegung geraten. Durchaus tanzbar ist auch die Ballade “If We Ever Meet Again” mit Katy Perry, die gekonnt dramatische Stimmung mit Synthiedrum-Rhytmen verbindet.


Der einzige Solotrack “Ease Off The Liquor” entpuppt sich als unspektakuläre Elektro-Nummer. Autotune-Gesang, Claps und reichlich Synthies - irgendwie wirkt das halbgar und uninspiriert.


Der Country-inspirierte Gitarrensound, den Timbaland seinerzeit Bubba Sparxxx auf den Leib geschneidert hat, erlebt in “Timothy Where You Been” ein Revival. Zwar ist Bubba selbst nicht dabei, stattdessen rappt Timbaland diesmal selbst - und das überzeugend wie selten zuvor. Die Zusammenarbeit mit der Rockband Jet ist definitiv ein, wenn nicht das Highlight auf “Shock Value II“.


Auf “Keinohrhasen” folgt “Zweiohrküken“, auf “Apologize” folgt “Marching On“. Die neue Zusammenarbeit mit One Republic kann leider nicht annähernd an die erfolgreichste Singleauskomplung des Vorgängeralbums anknüpfen. “Marching On” hinterlässt den bitteren Beigeschmack eines Abklatsches. Der Untertitel “Timbo Version” lässt schon erahnen, dass es sich hierbei um einen Remix handelt und genauso hört sich das auch an: Das Drumset passt kaum zum Song, stattdessen wirkt das irgendwie wie der Club-Remix einer Klischeeschnulze.


Den Platz der herzergreifenden Ballade nimmt stattdessen “Undertow” ein. Sängerin Esthero und die Piano-Band The Fray sind hierzulande wohl gänzlich unbekannt, liefern hier aber eine weitere kleine Meisterleistung ab und vielleicht doch noch den heimlichen Nachfolger zu “Apologize“.


Timbaland Presents: Shock Value II” ist genau das, was man erwartet, wenn man das Vorgängeralbum gehört hat. Ein bunt gemischter Strauß aus Popmusik mit deutlichen Hiphop-Einflüssen. Rap meets Pop meets Rock meets Elektro. Der straighte Hiphop-Head mag mit diesem kommerziellen, poppigen Sound seine Probleme haben, zumal diesmal auch deutlich weniger Rap-Features dabei sind. Wer allerdings auch mal über den Tellerrand schauen mag, wird an dem Album viel Freude haben - Timbaland beweist ein weiteres Mal eindrucksvoll, dass Hiphop viel mehr sein kann, als bloß Beat und Rap.


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(cg)