Maeckes – Null (Review)

In seinem Blog schrieb Maeckes: „ich glaub vielen wird NULL ein bißchen merkwürdig erscheinen“ – zumindest bei mir liegt er mit dieser Vorahnung verdammt richtig.
Gehen wir mal langsam durch. Auf der einen Seite gibt es Songs, die mich sehr begeistern. Das Liebeslied „Fräulein Bird“, das ebenso wie „Copy & Paste Love“ fernab von standardisierten Phrasen und Kitsch agiert, während „Kürzester Weg zum Glück“ die Liebe wiederum hinterfragt. „Nisma“, das gekonnt das Leben eines Otto Normalverbrauchers so romantisch klingen lässt, dass es gar nicht mehr so 0815 wirkt. Dann „Unsterblich“, das ein wenig als Gegenentwurf dazu dient, weil es aufzeigt, welchen tragischen Weg in die absolute Verzweiflung so ein Leben dennoch nehmen kann. Auch „Ich muss gehen“ weiß zu gefallen und thematisiert den Schritt vom Elternhaus in die Eigenständigkeit.
Und dann gibt es auf der anderen Seite Songs, mit denen ich gar nichts anfangen kann. Zu konfuse Texte („Sägeblatt“, „Freude“, „Spül3Mal“, „Endlich Reform“), bei denen sich mir der Sinn, die Aussage einfach nicht nachvollziehbar offenbaren will. Auch die Instrumental-Stücke erschließen sich mir nicht. Aneinander gereihte Sekundenbruchteile von verschiedenen Songs („Zwischen“) lassen jeden Hörgenuss vermissen, doch auch das weitaus hörbarere „Wasserglas“ weckt nicht unbedingt den Wunsch, auf Repeat zu drücken.
Die Krönung des Ganzen ist der zweite Bonustrack „Endlich Reform“. Brummende, einfach schlechte Aufnahmequalität, trifft auch geleierten, teilweise schiefen Gesang. Ich gehe davon aus, dass das Absicht ist. Aber ich verstehe diese Absicht eben nicht. Zudem wollen sich „Freude“ und „Alle mich mögen“ soundtechnisch nicht so recht in die restlichen Songs einreihen.
Die Beats kommen, mit einer Ausnahme von Tua, allesamt von Maeckes selbst. Mehrmals sind Gitarren („Kürzester Weg zum Glück“, „Freude“, „Nisma“) zu hören, vereinzelt ein Piano („Unsterblich“), eine Orgel („Fräulein Bird“), sparsam eingesetzte Elektrosounds („Null“) oder einfach nur ein pumpender Bass („Sägeblatt“), immer stark reduziert eingesetzt, so dass die Drums ungewöhnlich stark das Instrumental dominieren – gewöhnungsbedürftig. Wirkt teilweise nicht ausproduziert, aber so wird zumindest der Text weiter in den Fokus gerückt, und damit hat man als Hörer auch schon genug zu tun.
Fazit: „Null“ wartet sowohl thematisch als auch stilistisch mit vielen innovativen Ideen auf, die eine gelungene Abwechslung zur hiesigen Raplandschaft darstellen. Bei einem Großteil der Tracks wird es mit der Innovation leider übertrieben. Das mag man mit dem in der Community vielfach frequentierten Wort „Kunst“ rechtfertigen – erschwert aber den Zugang zum Kunstwerk erheblich.
(mh)



