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Kollegah – Zuhältertape 3 (Review)

21 Dezember 2009

 

Nachdem sich Kollegah einen kurzen Kollabo-Ausflug genehmigt hatte, um mit German Dream-Member Farid Bang das nach eigener Aussage „asozialste Deutschrapalbum ever“ aufzunehmen, kehrt der Boss der Bosse mit dem „Zuhältertape 3“ zu seinen Wurzeln zurück und lässt diese damit gleichzeitig hinter sich, indem er die als Trilogie angedachte Mixtapereihe vervollständigt.


Um gar nicht lange um den heißen Brei herum zu reden und direkt einen Eindruck zu vermitteln – hier ein Zitat aus „Internationaler Player“:


“Und du fragst dich, was ich für die Präsidentensuite so zahle/
das sind stattliche Preise so wie Championsleague-Pokale/
Und dann wär da noch mein Strandhaus, komplett mit Kinosaal/
ich hab ne Menge Anwesen wie Fantasyromane/
[...]
Beziehe Luxussuites, du nur Arbeitslosengelder/
Playerhater, deine Bitch wird feucht wie Katastrophenhelfer/
im Amazonasdelta/
nur weil sie den Toni trifft …wie schlechte Karaokesänger/”


Mit anderen Worten: Im Westen nichts Neues. Das Wortspielpotenzial der deutschen Sprache scheint noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft zu sein und so reiht Kollegah stilsicher eine Punchline an die nächste, verpackt sie in zahlreiche Substantivreimketten und liefert nebenbei die üblichen Flowabfahrten. Selbst die tendenziell „deepen“ Tracks fallen dabei nicht aus der Reihe. „Zuhälterrap“ glänzt vielmehr durch Wortwitz als durch sonderlichen Tiefgang und auch der vermeintliche „Lovesong“ in der Reloaded-Version kommt wie sein Vorgänger nicht ohne die rhetorischen Späßchen des Bosses aus.


Bei solch ausgefeilter Technik noch mitzuhalten ist verständlicherweise recht schwierig, und so sind die größten Schwachstellen auf „Zuhältertape 3“ eindeutig die beiden Featurepartner. Zwar liefert Sun Diego mit der „Rotlichtmassaker“-Hook einen echten Ohrwurm ab, doch mangelt es dem Doubletime-Part an Verständlichkeit und auch das „Re(h)generationen“-Wortspiel ist leider nur noch halb so lustig, wenn Kollegah im Part vorher schon ein „Re(h)animationen“-Wortspiel hatte. Labelkollege Favorite gibt sich auf „Selfmade Kings“ eher stumpf provokant als unterhaltsam und die ausgelutschte „Ihr seid weg vom Fenster wie verstorbene Rentner“-Line ist neben Kollegahs Texten nahezu beleidigend.


Besonders erfreulich wiederum sind dieses Mal die Beats. Eine Menge gepitchter Vocals („Hoodtales“ 1 & 3, Angeberprollrap 2“, „Fahrenheit“, „Outro“) treffen auf organische Beats („Westside“, „Internationaler Player“, „Lovesong Reloaded“) und bringen eine angenehme Vielfalt in das Soundbild. Doch auch die typischen Beats, ausgezeichnet durch Synthies, Chöre, und Glocken, sind natürlich nicht gänzlich verschwunden und funktionieren im Intro, auf „Endlösung“ oder „Rotlichtmassaker“ sehr gut, fallen bei Tracks wie „Amsterdam“ oder „Hiroshima“ aber auch zeitweise unspektakulär aus.


Fazit: Kollegah schafft es ein weiteres Mal, sich selbst zu übertreffen. Technisch schon längst auf einem ganz eigenen Level, thematisch wie zu erwarten kein Meilenstein. Notorische Kritiker werden auch hier keinen neuen Kollegah kennen lernen, Fans hingegen kommen definitiv auf ihre Kosten und dürfen sich wie immer auf atemberaubende Wortspiele und Flows freuen, die um eine facettenreiche Beatauswahl ergänzt wurden. Alles zerberstend, meine Freunde.


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(mh)