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Trailerpark – Crackstreet Boys (Review)

25 Dezember 2009


Nicht alle Künstler in der deutschen Rapszene haben sich durch das große Labelsterben 2009 entmutigen lassen. Zwar waren davon fast ausschließlich die Labels großer, etablierter Künstler betroffen, dennoch ließen sich Pimpulsiv, die Newcomer DNP und Sudden nicht davon abschrecken und gründeten kurzerhand das Label „Trailerpark“. Mit der „Crackstreet Boys“-EP ist nun auch das erste Release käuflich (oder in abgespeckter Version als Download) zu erwerben.


Wie der Labelname schon vermuten lässt, wird das Unterschichten-Leben ausgiebig zelebriert, allen voran natürlich auf der rockigen Labelhymne „Trailerpark“ von DNP & Pimpulsiv, die mit Mitgrölhook und einer großen Portion Selbstironie um die Ecke kommt. Timi Hendrix und Skinny Shef kommen auch dieses Mal nicht drum herum, zumindest zwei Tracks dem Rauschgift zu widmen. Während „Wir sind was“ den Sound von “H.U.R.Z.” konsequent forsetzt, strapaziert („Gossenblues“ leider aufgrund des Vocal-Samples ziemlich schnell die Nerven des Hörers.


Ohrwurmpotenzial hingegen ist bei der Nummer „Spaßbremse“ mit Meister Elch und Johnzen zu verzeichnen. Auf einem technolastigen Beat von Skinny Shef mit gecutteter und verzerrter Hook machen die Jungs ihrem Unmut über ihre Bitch Luft, die doch tatsächlich immer dann von der Party abhauen will, wenn der Spaß gerade erst los geht.


„Sag, was soll das heißen, du wärst wohl besser daheim geblieben?/
Immer, wenn es Line ziehen heißt, dann heißt es für dich Leine ziehen/
Ich peil es nie/ Du kannst nicht mein’ Vollrausch ertragen/
Bitch, ich bin an nächsten Morgen meistens stolz auf so’n Abend/“


Auch Manny Marc und Smoky sind mit von der Partie und nehmen sich gemeinsam mit Bass-T von DNP einen Beat von Benny Benassi vor – lyrisch keine Meisterleistung, bei einem Partytrack aber auch keineswegs notwendig. Atzenmusik funktioniert durch simple Texte und bei diesem Elektrobrett kann man eh nicht mehr viel falsch machen.


In eine ähnliche Richtung geht auch Suddens „Gib mir die Flasche“ – leider wirkt die gute Laune hier einfach zu erzwungen und auch der Beat von Rapo64 ist einfach zu überladen. Unterhaltsamer präsentiert sich Sudden auf seinem „Medley“ in Zusammenarbeit mit Hookbeats, das mit Lines wie „Du bleibst auf der Strecke so wie Niki Lauds Ohr“ so einige Lacher verbuchen kann.


Außerdem tut sich Sudden mit DNP und Greckoe zusammen, um auf der Ballade „Komm zurück“ demütig vor der verschwundenen Ex-Freundin auf die Knie zu fallen. Ekelhaft kitschiger Gesang  auf einen poppigen Beat und trifft den typischen DNP-Humor, der dieses musikalische Gewand relativiert und als pure Ironie entpuppt.


Der größte Hit der Platte jedoch ist das Zusammentreffen von DNP, Pimpulsiv, JAW und Patrick mit Absicht auf „Medien“. Ein pumpender Bass trifft auch dreckige Synthies, auf denen die Protagonisten ausgiebig Medien- und Szenekritik verüben und ganz nebenbei noch ihren verspielten Flows zur Schau stellen, dass es nur so eine Freude ist.


„Doch wir werden ignoriert, denn HipHop-Presse interessiert/
Sich nur für Labels, die auch Werbung in die Hefte inserieren/
Hast du keine Kohle, gibt’s auch keine Plattenkritiken/
Weshalb ich diese JUICE verachte so wie Antisemiten/“


Fazit: „Crackstreet Boys“ kann thematisch definitiv halten, was der Name verspricht. Auf musikalisch ansprechende Weise präsentieren die Jungs von Trailerpark amüsante Texte (mit zeitweise schwarzem Humor) am laufenden Band und spielen dabei gekonnt mit Vorurteilen und dem Unterschichten-Image. Platz nach oben für die kommenden Releases ist dennoch vorhanden.


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(mh)