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VA – Deutschlands Vergessene Kinder 2 (Review)

8 Januar 2010


Bereits zum zweiten Mal haben die Jungs von Mellowvibes sich die Mühe gemacht, halb Rapdeutschland zu versammeln, um auf Probleme der Gesellschaft, speziell die der Kinder der Arche, aufmerksam zu machen und sie außerdem finanziell mit dem Erlös der CD zu unterstützen.


Den Hörer erwartet hierbei eine gute Mischung aus großen und noch kleinen Namen. Das Schöne dabei: Die Qualität der Musik leidet darunter nicht, ein durchgehend guter Sound ist gewährleistet, die Vielzahl an Produzenten verhindert Monotonie in Sachen Instrumentierung. Trotz der thematischen Einschränkung gestalten sich auch die Texte überraschend vielfältig. Als Storyteller verpackte Einzelschicksale mit den Themen Schwangerschaft (Prinz Pi & Basstard – Regentage), Scheidung (Herr von Grau – Verwandtschaft) oder Depression (Curse – Kein Leben) treffen auf Gesellschafts- und Staatskritik (Pan & Artist – Vater Staat, Mädness & Patrick mit Absicht – Lotterie), doch auch aufmunternde Worte (She-Raw & Serk – Superheld) kommen nicht zu kurz.


Dennoch treten auf der lyrischen Seite einige Differenzen auf. Hervorzuheben ist zum Beispiel F.R. mit „Risikoreich“. Auf hohem technischen Niveau verdeutlicht er die Wichtigkeit der gleichaltrigen Mitmenschen für einen Jugendlichen und die damit verbundenen Zwänge, Trends zu folgen und Verhaltensweisen zu kopieren.


„Die meisten Mädels der Klasse und deine Freundinnen reden alle von ihren Erlebnissen, die sie hatten beim Sex/
Die meisten Mädels der Klasse und deine Freundinnen waren mit dreizehn Jahren mit mehreren geilen Typen im Bett/
Die meisten Mädels der Klasse und deine Freundinnen fotografieren sich alle vorm Spiegel mit Handy von oben rechts/
Die meisten Mädels der Klasse und deine Freundinnen stellen die leicht bekleideten Bilder gerne auf SchuelerVZ/“


Wer überrascht war, mal wieder etwas von der Firma zu hören, wird noch überraschter sein, wenn er merkt, wie gut der Song „Maske“ ist. In düsterer Atmosphäre wird die Angst beschrieben, man selbst zu sein, und welche Rollen man deshalb mitunter einnimmt.


“In der hintersten Ecke der Erinnerung/
berührt etwas die Wunde und dreht den Finger um/
Und statt dem Wunsch, dem auf den Grund zu gehen/
steht nur die Angst vor dem Ertrinken und dem Untergehen“


Auch Curse kann mit dem Storyteller „Kein Leben“ begeistern, ebenso sind die Beiträge von Olli Banjo, Cassandra Steen & Danny Fresh, Prinz Pi & Basstard, Pan & Artist, Hammer & Zirkel und Herr von Grau ganz klar zu den Höhepunkten zu zählen.


Doch bei einer Spieldauer von über einer Stunde sind Griffe in die obligatorische „Kopf hoch“-Schublade (She-Raw & Serk – Superheld) nicht zu vermeiden, auch die Aussage „Mir ging es auch so schlecht wie dir und guck mal, was ich heute erreicht habe“ verliert an Wert, wenn nicht weiter ausgeführt wird, wie man es den Protagonisten nun gleich tun kann (B-Tight & Fuhrmann – Vergessene Seelen). Auch ansonsten haben sich hier und da ein paar oberflächliche Phrasen eingeschlichen, die der durchschnittliche Raphörer schon oft genug gehört haben dürfte, was B-Tight mit „Ich würde dir gerne was anderes erzählen, doch ich hab in meiner Hood einfach nichts anderes gesehen“ sehr gut auf den Punkt bringt – schade.


Fazit: Hat man sich erst einmal auf das Thema eingelassen, so werden einem vielfältige Betrachtungsweisen rund um die Kinder der Arche geboten. Zwar ist nicht jeder Track ein Volltreffer und den Sampler am Stück zu hören ist sicherlich auch etwas bedrückend, aber hier kann man endlich mal sagen: Da ist mit Sicherheit für jeden Hörer etwas dabei.


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(mh)