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Clipse – Til The Casket Drops (Review)

14 Januar 2010

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“Üüüüääärrrrch… and they know it’s me.” Die Thornton-Brüder Pusha-T und Malice, besser bekannt unter dem Namen Clipse, haben ihr drittes Album fertiggestellt. “Til The Casket Drops” lautet der Titel des mittlerweile schon seit einigen Jahren angekündigten Nachfolgers zum von Fans und Kritikern gleichermaßen hochgelobten “Hell Hath No Fury”. Die Erwartungen sind hoch, die Messlatte noch höher – hält das Hiphop-Duo aus Virginia diesem Druck stand?

 

Großspurig haben sich die Beiden bereits Anfang des Jahres zurückgemeldet. Ein Percussion-lastiger Beat von DJ Khalil, der irgendwie treibend und lässig zugleich in Mark und Bein übergeht und perfekt zu den dezenten E-Gitarren-Samples passt begleitet die Brüder bei ihrer offiziellen Rückmeldung. Dass die Beiden und auch Feature-Gast Kanye West “Kinda Like A Big Deal” sind, ist sicherlich nichts neues. Bei so viel Eloquenz freut man sich aber trotzdem, es nochmal aufs Butterbrot geschmiert zu bekommen.


Khalil beweist auf dem Album noch zwei weitere Male, dass er ein großartiges Gefühl für Rhytmen und stimmigen Sound hat. Die “Additional Vocals” von “There Was A Murder” sind allerdings grenzwertig und gewöhnungsbedürftig. Was soll das überhaupt sein? Gesang? Rap? So richtig gut klingt das nicht, der Rap dafür umso besser: “Those who break the code, we dig them hole.” Ohne Zweifel. Warum “Footsteps” dann unbedingt eine Autotune-Singsang-Hook haben musste wird wahrscheinlich auch ein Rätsel bleiben. Kann man machen, muss man aber nicht. Über die lyrischen Fähigkeiten der selbsternannten “Coke-Rapper” braucht man dabei kein Wort zu verlieren.


Pusha-T und Malice sind gewohnt souverän und klingen stellenweise sogar hungriger und flexibler als beim Vorgänger. Das ist Fluch und Segen zugleich. Die kaltschnäuzige, trockene Gleichgültigkeit, die sich auf dem Vorgängeralbum noch durch alle Tracks zog, wird hier immer öfter gegen gierige Wortgewitter getauscht. “Til The Casket Drops” ist weitaus weniger “Coke-Rap”. Zwischen Drogendealer-Weisheiten und Street-Knowledge finden sich dieses Mal sogar ein paar nachdenkliche, persönliche Zeilen. Auch die Beatauswahl scheint weniger konsequent als bei “Hell Hath No Fury”.


Dass die Neptunes bei ihren Beats gerne Effektspielerei betreiben ist nichts neues. Bei “Showing Out” schießen sie dabei allerdings vielleicht ein Bisschen übers Ziel hinaus. Nein, die CD ist nicht kaputt, das gehört so. Der dumpfe Scratch-Effekt ist zweifelsohne interessant, so richtig zündet die Idee allerdings nicht. Wenn man sich damit allerdings arrangieren kann, weiß die düstere, aggressive Stimmung und besonders die überraschend energiegeladene Rap-Performance durchaus zu überzeugen.


Die übrigen Neptunes-Beiträge sind da deutlich näher am Wasser gebaut. “Popular Demand” ist ein minimalistisches, lockeres Synthiebeat-Stück, veredelt mit einem Vers von Ex-Dipset-Oberhaupt Cam’ron und einer simplen Hook, die irgendwie wirkt, als wäre sie mit reichlich Charme und Swagger hingerotzt worden. Aber genauso möchte der Clipse-Fan das ja auch haben, wenn man mal ehrlich ist. Das ebenfalls bereits im Laufe des Jahres geleakte “I’m Good” ist allerdings so dicht am Wasser gebaut, dass das Wasser schon im Vorgarten steht. Der Beat weckt das Gefühl, als hätte man ihn schon tausend Mal gehört, Pharrells dürftiges Gejaule hilft da auch nicht weiter. Das hört sich nicht schlecht an, der kreative Tiefpunkt hinterlässt trotzdem einen bitteren Beigeschmack.


Ganz anders dagegen “Door Man” und “All Eyes On Me”. Die beiden Songs haben diese typisch-abgeklärte Clipse-Art, die dem Vorgängeralbum seine einzigartige Soundästhetik verliehen hat. Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Champagner, meine Nutten. Neureicher Drogendealer-Wahnsinn paart sich mit düsteren, hypnotischen Synthiebeats. Trotz Hook von Keri Hilson alles andere als die 0-8-15-R&B-Schnulze für den Club.


Letztere ist allerdings auch dabei: “Counseling” gibt sich alle Mühe, “I’m Good” Gesellschaft zu leisten. Die so demonstrativ plumpen Ansagen sorgen aber dann doch für Unterhaltung, beabsichtigt oder nicht. “I used to be all about a fat ass / then I found a cutie with a flat ass.” Na, na. Lasst das Sir Mix-A-Lot nicht hören.


Insgesamt ist das neue Clipse-Album eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Ein paar wirklich starke Songs, die dem Vorgänger in Nichts nachstehen, leider diesmal nicht ohne Unterbrechungen. Für das Album des Jahres 2009 hat es nicht gereicht und wer Clipse nicht kennt, sollte definitiv lieber zum Vorgängeralbum “Hell Hath No Fury” greifen. Die kühle, trockene Atmosphäre des Vorgängers ist deutlich in den Hintergrund gerückt. Trotzdem bleibt “Til The Casket Drops” ein hörenswertes, über weite Strecken kreatives und großartiges Album, das wegen seinem vor Coolness und Swagger strotzenden Egos gleich doppelten Platz im CD-Regal einfordert. Unbedingt reinhören. Lohnt sich.

 

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(cg)