Home » Interviews

DNP im Exklusiv-Interview mit MeinRap.de 1/2

15 Januar 2010

dnp-logo








So schnell kann’s gehen: Quasi aus dem Nichts erschienen DNP Mitte 2008 mit ihrer HIV-EP auf der Bildfläche. Das wenig später folgende Video zu “Rap ohne Niveau” sorgte dank Zensur seitens MTV für ein weiteres Stück Aufmerksamkeit. Ein halbes Jahr später ist man schon wieder einen Schritt weiter: Das eigene Label Trailerpark ist gegründet, der erste Labelsampler ist draußen. MeinRap.de traf das selbsternannte Neue Prekariat, um mit den Jungs bei einem Fernsehabend mit Popstars-Finale über ihren Werdegang, Tupac, die HipHop-Kultur, die Bildung deutscher Rapper und Probleme mit schwarzem Humor zu sprechen.


Basti_DNP: Vorneweg möchte ich betonen: Wir hassen Inka Bause.


Ist das wichtig?

Basti_DNP: Ja, das muss ganz vorne mit rein, weil ich die da gerade im Fernseher sehe. Ansonsten können wir aber jetzt das normale Interview machen.


(lacht) Ok. Bekannt geworden seid ihr durch die HIV-EP. Inwiefern wart ihr vorher schon raptechnisch aktiv?

Basti_DNP: Also ich habe vorher eigentlich noch nicht ernsthaft gerappt. Okay, ich rappe ja immer noch nicht ernsthaft. (lacht) Jedenfalls habe ich vorher nur Blödsinn aufgenommen, vor drei bis vier Jahren, in schlechter Aufnahmequalität. Mit 17, das war natürlich furchtbar. Seitdem habe ich im Jahr dann nur noch 3-4 Parts aufgenommen und für die RBA ein bisschen was gemacht, wo ich dann aber auch wegen Volksverhetzung gelöscht wurde. (lacht) Dann habe ich bis Mai 2008 gar nichts gemacht, bis Beatmasta meinte: „Lass uns mal einen Track machen, um zu zeigen, dass jeder Idiot rappen und lustige Punchlines aufschreiben kann!“ So fing das eigentlich an. Kam auch super an, deshalb wurde aus dieser Schnapsidee ein bisschen was Ernsthafteres.

Beatmasta: Apropos Schnapsidee: Bei mir war es wirklich eine, weil ich total betrunken war, als ich gedacht habe, dass ich ja auch unbedingt mal rappen muss. Ich habe dann auch noch in der Kneipe direkt die ersten Lines aufgeschrieben. Vorher habe ich gar nicht gerappt, aber Beats habe ich schon gemacht. Angefangen habe ich so 2004 oder 2005, da war ich für ein halbes Jahr mit dem Royalbunker unterwegs, habe auf einem Release drei Viertel der Beats gemacht, „Pöbeln mit Stil“ von Catee war das. Und danach ist das Label ja auch schon ziemlich zusammen gebrochen…

Basti_DNP: Wegen der Beats.

Beatmasta: Richtig. Ich bin nämlich schuld am Ende von Royalbunker. (lacht) Nee, also das hat sich ja am Ende immer weiter dahin entwickelt, dass nur noch KIZ dort rauskamen und dann war sowieso Ende Gelände. Ich war da aber auch nicht offiziell, das war ja mehr wie ein Jugendzentrum. Danach habe ich hauptsächlich mit Kumpels Sachen selber rausgebracht, meistens für Schulte.


Die Motivation zu rappen war also, der Welt zu zeigen, dass jeder Idiot das kann?

Beatmasta: Am Anfang, aber es hat dann einfach Spaß gemacht. Es kamen dann immer wieder neue Tracks, welche nicht nur auf Punchlines aufgebaut haben, und auch Parodien dazu und so weiter. Wir haben eigentlich immer nur das gemacht, worauf wir gerade Bock hatten, das hatte nie einen roten Faden.

Basti_DNP: Das hört man zum Beispiel bei der HIV-EP, da ist von Battlerap über Technorap bis hin zu Schlager und einem Ärzte-Cover alles drauf. Es gibt bei uns keinen roten Faden in der Musik, außer, dass sie immer einen lustigen Hintergrund hat.

Beatmasta: Also deepe Tracks wird man von uns nicht hören. Ich zumindest habe sowas nicht geplant.

Basti_DNP: Ich auch nicht. „Komm zurück“ ist der deepste Track, den wir bisher gemacht haben.


Wie kam es dann zu dem Namen„Das neue Prekariat“?

Beatmasta: Das kommt aus meinem Freundeskreis. Gerhard Schröder, glaube ich, hat damals diesen Begriff „Prekariat“ geprägt, um geschönt „Unterschicht“ sagen zu können. Das klang total bekloppt. Bei einem Kumpel von mir war das dann ein beliebtes Wort, um Leute zu beleidigen, ohne dass sie es mitkriegen.

Basti_DNP: Wir sind ja nicht arm. Aber wir benehmen uns, wenn wir betrunken sind, geistig arm. (lacht) Deswegen meinte sein Kumpel dann, dass wir uns wie das Prekariat benehmen würden. Und als dann der erste Track stand, brauchten wir einen Namen und das kam dann relativ schnell als Vorschlag.

Beatmasta: Die Abkürzung DNP klingt auch sehr schön. Das war aber Zufall. Drei Buchstaben stehen auch immer für eine Crew, das passte dann.

Basti_DNP: Crew? Ich dachte, sowas sagen nur HipHop-Trottel?

Beatmasta: Dann halt Gang, chieah!


Dadurch kommt aber nicht selten der KIZ-Vergleich zustande.

Basti_DNP: Das ist aber erst seit „Rap ohne Niveau“ so präsent. Okay, es war auch auf MTV und deshalb der erste Track, der uns ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verschafft hat, auch von den ganzen Webseiten. Gerade, weil es dann auch zensiert wurde. Das einzige, was wir da mit KIZ gemeinsam haben, ist, dass wir ab und zu mal auf elektronische Beats rappen, lustige Musik machen und nicht dumm sind.

Beatmasta: Wenn die von KIZ wüssten, dass ich mittlerweile auch rappe und mit ihnen verglichen werde, würden sie wahrscheinlich lachen.


tupac-2_570x363


Auf der HIV-EP kam immer wieder durch, dass ihr eine gewisse Abneigung gegen die Rapszene habt. Es ging da gegen Baggys, Tupac wurde öfter erwähnt…

Basti_DNP: (fällt ins Wort) Sieben Mal, glaube ich!


Was sind die Gründe dafür?

Basti_DNP: Also ich finde Rapmusik an sich cool und ich höre sie auch. Zwar nicht so viel wie andere Musik, aber ich mag Rapmusik schon. Ich finde nur die ganze Kultur dahinter peinlich. Ich finde, HipHop sollte man nicht immer als Kultur ansehen. Diese Kostüme, Baggys und New Era Caps sind einfach lächerlich, so kann man mit 14 rumlaufen.

Beatmasta: Außer bei Schwarzen, die sehen aus irgendeinem Grund cool damit aus.

Basti_DNP: (lacht) Das ganze Kulturgequatsche finde ich jedenfalls peinlich. Wir haben weder was mit Graffiti, noch mit B-Boying oder sonstigem HipHop-Zeug etwas zu tun.

Beatmasta: Also es gibt natürlich Leute, die sich daran noch aufhängen. Da gehört Staiger mit dazu, oder Falk. Das sind halt Ältere, die das gerne zurück hätten, Cyphern, Jams, Freestylen. Aber die Rapszene, die ist ja gar nicht mehr so.

Basti_DNP: Die geht nämlich gerade weg von HipHop. Ich behaupte jetzt einfach mal: Die nächsten Rapper, die groß rauskommen werden, sind Marteria und Casper. Auf der einen Seite stehen die und auf der anderen steht HipHop. Es geht gerade auch weg von dieser ganzen Kulturscheiße, das finde ich super. Wenn du irgendwie sagst „Ich höre Rap“, dann sagen die „Äh…hau mal rein!“ Man lernt neue Leute kennen und traut sich gar nicht zu sagen, dass man Musik macht, wenn man nicht gerade unter Leuten ist, die Rapper sind oder zumindest HipHop hören. Wenn man sagt, man macht Rap, denken alle gleich an kleine Bushidos mit Alphajacken und Messern oder sie denken eben an.. (überlegt) Snaga und Pillath. Die machen ja keine schlechte Musik, früher haben sie es mit „Chieah“ und so ein bisschen übertrieben. Aber es ist halt immer peinlich zu sagen, dass man Rapmusik macht. FR hatte mal eine Line: „Ich bin der Grund dafür, dass es dir nicht mehr peinlich ist zu sagen, dass du Rapmusik hörst“, frei zitiert. Gerade so einer ist der Grund, warum es mir peinlich ist, Rapmusik zu machen oder zu hören, beziehungsweise, es zuzugeben. Er ist dürr, blass, trägt die Klamotten seines großen Bruders und ist einfach ein typischer HipHopper. Das sind halt einfach Leute, für die ich mich schäme. Er ist natürlich ohne Frage ein sehr, sehr guter Rapper, aber er läuft eben rum wie ein Spast. Entweder diese Leute oder diese Möchtegerngangster sind schuld daran, dass HipHop peinlich ist. Und zu der Tupac-Sache: Wir haben ja gar nichts gegen Tupac und ich kenne auch kaum Musik von ihm. Er war ja auch für die damalige Zeit ein guter Rapper. Aber jeder 13-jährige HipHopper-Kiffer-Spast hat so ein Tupac-Poster zu Hause. Deswegen machen wir uns über ihn lustig, weil er damit so etwas wie der Anführer des Feindbildes ist.

Beatmasta: Ich glaube sogar, wenn wir älter wären und diese Freestyle-Sessions noch mitbekommen hätten, dann würden wir uns vielleicht sogar auch diese Sachen zurück wünschen.

Basti_DNP: Nein. Würden wir nicht.

Beatmasta: Ich bin mir da auch nicht sicher, aber es kann doch sein.

Basti_DNP: Halt die Schnauze und geh freestylen! (lacht)


Außerdem kritisiert ihr auf der HIV-EP die Schulbildung von Rappern.

Basti_DNP: Das ist ja nun auch kein Geheimnis, dass der Großteil der Leute einfach strunzdumm ist.

Beatmasta: Auch die, bei denen man denkt, so, wie die sich mitteilen, müssten sie eigentlich schlau sein.

Basti_DNP: Dazu im Gegensatz stehen noch viele Gangsterrapper, bei denen du schon von vornherein merkst, dass sie sich nicht einmal richtig ausdrücken können. Die sprechen teilweise wie die Leute bei “Frauentausch”.

Beatmasta: Das finde ich auch sehr schade. Gerade, wenn man Rap macht. Das ist ja schon eine gewisse Lyrik, deshalb sollte man die deutsche Sprache schon ein bisschen beherrschen. Das ist mir nicht verständlich, wie man überhaupt auf die Idee kommt zu rappen, wenn man die deutsche Sprache nicht beherrscht.

Basti_DNP: Ich fasse mir regelmäßig an den Kopf, wenn ich Interviews mit Rappern sehe. Oder Pressemitteilungen mit Rechtschreib- und Kommafehlern, sowas darf doch einfach nicht passieren.

Beatmasta: Aber es gibt ja auch Ausnahmen.

Basti_DNP: Klar gibt es die. Bei Bushido finde ich zum Beispiel, dass man einfach merkt, dass er intelligent ist. Das ist so lustig an Bushido und Fler. Man sieht einfach, dass der eine Typ krass intelligent ist und sein Business macht, während der andere Typ in Interviews geistig neben ihm untergeht. Das finde ich peinlich, wenn man so direkt merkt, dass es einem an Bildung mangelt.

Beatmasta: Da finde ich es dann immer ein bisschen schade, dass Bushido nicht auch intelligentere Musik macht.

Basti_DNP: Der macht ja dumme Musik, damit auch die dummen Leute es verstehen. Die Leute, die in der neunten Klasse abgehen, weil sie die schon drei mal gemacht haben, die müssen ja auch irgendwelche Musik haben, die sie hören können. Aber da ist es dann wieder traurig, wenn man sagt, dass man Rap macht: Weil alle immer gleich denken, dass man dumm ist.


Wenn man jetzt von Bushido absieht, habt ihr immer nur das Drumherum und nie die Musik selbst als Grund genannt.

Basti_DNP: Wir machen uns ja nur drüber lustig, dass es einigen deutschen Rappern an Bildung mangelt, und das sieht man nun mal in Interviews oder merkt es in persönlichen Gesprächen, wenn man irgendwo im Backstage rumgammelt. An der Musik merkt man das nicht nicht immer aber auch sehr häufig. Es gibt da zum Beispiel einige sehr fehlgeschlagene Farid Bang-Vergleiche wie: “Ich mache Geld durch Strecken von Gras(Graz) wie schweizer Navihersteller.” (Gelächter) Wir benutzen ja jetzt auch nicht unbedingt nur Fremdwörter, aber sowas würde uns sicher nicht passieren.


dnp-hiv_570x565


Gab es da nicht eine Zeile auf der HIV-EP?

Beatmasta: Ja gut, „weil es adäquat erscheint, den Usus heterogener Termini zu minimieren, nenn ich dich einfach Hurensohn“ geht die. Das war aber absichtlich, damit die Leute googlen müssen.

Basti_DNP: Wir ziehen diese Dummheit ins Lächerliche, weil es uns auch nervt, dass es auf uns zurück fällt, wenn wir Fremden erzählen, dass wir Rapmusik machen. Wir machen ja auch keinen überklugen Rap, aber sind keine dummen Menschen, wir haben einen gewissen Grad an Schul- und Allgemeinbildung. Vielleicht sollte es einen Rapführerschein geben, damit nur Leute mit einem IQ über 105 rappen dürfen. (lacht) Nur mit diesem Führerschein kann man sich dann Audiozubehör kaufen. Das wär doch mal ‘ne Maßnahme!


Darf ich nach eurer genauen Schulbildung fragen?

Beatmasta: Natürlich, die müssen wir nicht verheimlichen, viele unserer Fans haben ja die gleiche Bildung, denke ich. Also ich habe jedenfalls Abitur. Kein besonders gutes, aber das lag eher an meiner Faulheit. Jetzt studiere ich Wirtschaft.

Basti_DNP: Ich habe in der elften Klasse abgebrochen und habe dann eine Ausbildung zum Automobilkaufmann gemacht. Momentan mache ich mein Fachabitur und will demnächst wohl Musik- und Eventmanagement studieren.


Wie seid ihr auf den Titel „HIV-EP“ gekommen?

Basti_DNP: Das hieß einfach „Hallo, ihr Versager“. Damit wollten wir einen Gegenentwurf zu „Wir sind back“ und „wir sind jetzt da“ bringen. Außerdem machen wir uns oft über AIDS lustig.

Beatmasta: Du vielleicht.

Basti_DNP: Ich schon sehr häufig, ja.


Gab es Probleme durch den Titel? Ihr habt ja schon einen sehr schwarzen Humor, mit dem man durchaus mal anecken kann.

Beatmasta: Wir machen uns ja nicht darüber lustig, es sind meistens nur Vergleiche.

Basti_DNP: Doch, ich mache mich drüber lustig. Ich habe aber auch den politisch unkorrektesten Humor der Welt. Damit haben Labelkollegen teilweise auch Probleme. Wir haben zum Beispiel einen Track über das Penetrieren von Minderjährigen auf unserer CD, das fanden einige auch weniger cool. Aber indiziert werden ist ja cool, das ist ja bekannt. (lacht) Was war die Frage eigentlich?


Ob ihr mit dem Humor manchmal aneckt.

Basti_DNP: Also auf „Hip Hap“ rappe ich „ich toure durch Afrika als wär ich HIV“ – da habe ich wirklich Drohungen bekommen per MySpace. „Was erlaubst du dir, gegen Schwarze zu hetzen?“ und sowas. Dabei meinte ich das ja gar nicht so. Das ist nur ein Vergleich, ich habe nichts gegen Schwarze und nichts gegen Afrika.

Beatmasta: Das ist so, als wenn man gar nicht „Hitler“ sagen dürfte. Man sagt ja nicht „Ich finde Hitler gut“.

Basti_DNP: Ich finde Hitler gut. (Gelächter) Nein, finde ich natürlich nicht. Eine Line von mir geht auch „Weil ich die JUICE verachte so wie Antisemiten“, um mal noch ein Beispiel zu bringen. Wir machen das nicht mit Absicht, um zu provozieren, das ist einfach unser Humor. Mein Humor besteht nur aus Fäkalien, stumpfem Rassismus, der natürlich nicht ernst gemeint ist, und…(überlegt) ekelhaften Sexualpraktiken. Um mehr geht es in meinem Rap auch gar nicht. Ob das jemand cool findet oder nicht, ist mir scheißegal. Bisher war das auch nur durch die Afrika-Line, dass da mal Probleme aufgetaucht sind.

Beatmasta: Ich hatte auch die Line „Nutten fick ich in SS-Uniform, Max Mosley-Style“, dafür hat mich ein Kumpel auch kritisiert. Dabei war es ja so, dass nicht Max Mosley diese Uniform getragen hat, sondern seine Nutten. Das finde ich total lustig, dass jemand, der so bekannt ist, auch solchen Unsinn macht.

Basti_DNP: Wir sind ja keine Nazis, wir haben einfach nur einen derben Humor. Da ist es uns auch egal, ob wir irgendwo anecken, wir würden trotzdem weiter machen. So wie Harald Schmidt. Der hat mal einen Abend lang Witze über Türken gemacht und dann hat die Bildzeitung am nächsten Tag geschrieben: „Skandal: Harald Schmidt macht sich über Türken lustig!“. Und beim nächsten Mal hat er noch mehr Türken-Witze erzählt. Und so werde ich es auch halten.

Beatmasta: Vielen Leuten entgeht einfach auch die Ironie, die meist dahinter steckt.

Basti_DNP: „Weil sie die Ironie in unseren Texten nicht verstehen, heißen wir bei unseren Hatern nur noch NSDNP“ heißt es auch auf der EP.


Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit DNP über die Gründung des Labels “Trailerpark” mit Pimpulsiv, das aktuelle Release “Crackstreet Boys”, merkwürdige Nachrichten bei MySpace und kommende Releases.


Im Forum diskutieren.


Download: Trailerpark – Crackstreet Boys


DNP @ MySpace


(mh)