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Lil Wayne – Rebirth (Review)

1 Februar 2010


Kaum ein Rapper hat in der jüngeren Zeit so sehr die Meinungen der Hiphop-Gemeinde gespalten wie der aus New Orleans stammende Lil Wayne. Seinen eigenwilligen Stil kann man wohl nur lieben oder hassen, eine gewisse Individualität kann man ihm jedoch kaum absprechen. Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich dicht beieinander. Nachdem “Tha Carter III” von Fans und Kritikern hochgelobt wurde, wagt sich Wayne für sein neues Album in neue Lande. Ein Rock-Album von Weezy F. Baby – kann das funktionieren?


Gute Labelarbeit geht auf jeden Fall anders: Lil Waynes neues Album “Rebirth” wurde großspurig angekündigt und dann gefühlte dreihundert Mal verschoben. Das bereits fertiggestellte Album wurde kurzfristig zurückgezogen, Amazon lieferte fälschlicherweise trotzdem die ersten 500 Exemplare aus. Das Album, das laut offizieller Ankündigungen vom Markt verschwinden und runderneuert werden sollte, verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet. “Leaked 09 Rebirth isn’t going to be 2010 Rebirth” – ein vermeintlicher Freifahrtsschein für Downloader. Ganz plötzlich und ohne große Promo-Maschinerie steht “Rebirth” seit diesem Freitag dann doch in den Läden.


Wenn man das Album gehört hat, scheint dieser ganze Release-Irrsinn fast angemessen. In feinster N*E*R*D-Manier präsentiert der schrille Rapper einen interessanten Mix aus Rap und Rock mit allerhand elektronischen Spielereien. Kaum ein Track verzichtet auf den allseits beliebten Autotune-Effekt, da an Waynes Gesangsstimme nicht gerade ein John Legend verloren gegangen ist. Schräger Gesang, gelegentliche Rap-Einlagen und ein bunter Mix aus eingespielten Instrumenten, Samples und Synthiebeats – und Weezy mittendrin.


Der einzige namhafte Gast auf dem Album ist Eminem, der “Drop The World” um einen großartigen Rap-Vers bereichert und dabei wirklich zu absoluter Höchstform aufläuft. Der düstere, minimalistische Synthiebeat klingt wie ein Spazierflug durch das Sonnensystem und trägt die beiden Rapper in andere Sphären. Drums und E-Gitarren zünden ein Feuerwerk, das die Message des Songs nahezu perfekt untermauert: “I’ma pick the world up and I’ma drop it on your fuckin’ head.”


Zugegeben: Der Song wirft einen großen Schatten auf den Rest der Tracklist. Trotzdem bleibt er nicht der einzige Anspieltipp. Dem Autotune-Effekt zum Trotz überzeugt ausgerechnet die Ballade “Paradice” gerade wegen Weezys Performance. Seine Gesang mag handwerklich fragwürdig sein, ausdrucksstark und emotional ist er jedoch allemal. Das seichte Gitarrenspiel und das relativ simple Drumset liefern den perfekten akustischen Hintergrund für seinen eindrucksvollen Stimmeinsatz.


Der Song “Knockout” könnte tatsächlich auch einem Album von Blink-182 oder Wheatus entsprungen sein. Lässiger, fröhlicher Collegerock mit Höhen und Tiefen und ergänzt durch Gesang von Waynes jüngster Entdeckung, der Sängerin und Rapperin Nicki Minaj. Entfernt erinnert es an “Teenage Dirtbag”, wenn die weibliche Stimme sanft in den ruhigen Passagen des Songs zum Einsatz kommt.


Wo wir gerade bei Blink-182 sind: Travis Barker, der in letzter Zeit häufiger mit YouTube-Clips von sich reden machte, in denen er Hiphop-Songs durch Schlagzeugspiel ergänzte, bereichert “One Way Trip” um eine großartige Kostprobe seines Talents. Wayne selbst gibt hier tatsächlich ein paar Rap-Zeilen zum Besten. Jeder macht, was er am besten kann, nur die Gesangseinlagen von Kevin Rudolph stehen dem etwas blass und bedeutungslos gegenüber.


Für die Tanzfläche ist dann auch noch was dabei: “Da Da Da” prescht energiegeladen los, mit uptempo Hiphop-Beat und E-Bassgitarre auf Kommando. Funky Monkey inklusive. Zum Ende des Songs gibt’s dann noch einen handwerklich herausragenden Rap-Vers oben drauf.


Zugegeben: Richtig schlecht klingt das alles nicht. Trotzdem verliert sich der Rest des Albums ein bisschen in seiner durchgeknallten Belanglosigkeit. Die Singles “On Fire” und “Prom Queen” klingen ganz nett, das wars dann aber auch schon. “Get A Life” zerrt ein wenig am Nervenkostüm: Drei Minuten lang kaum Variation, dafür reichlich “Uh-Uh” und “Hey-Hey”. Der Rest des Albums bewegt sich irgendwo dazwischen.


Insgesamt ist “Rebirth” eine positive Überraschung. Der musikalische Amoklauf hat zwar nur sehr begrenzt mit Rockmusik im eigentlichen Sinne zu tun, der passende Spirit ist aber definitiv vorhanden. Der Rapper scheint an der Musik riesigen Spaß zu haben, entsprechend verspielt klingt das Album insgesamt, trotz des unverkennbaren Pop-Appeals. Wer ein richtiges Rap- oder Rock-Album sucht, ist hiermit definitiv nicht gut beraten. Aber das zu sagen ist eigentlich überflüssig. Wer bewusst eine Platte von Lil Wayne aus dem Regal fischt, rechnet sowieso mit allem, aber nicht damit, etwas Dagewesenes zu hören.


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(cg)