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Samy Deluxe – Der letzte Tanz (Review)

11 Februar 2010


In einer seiner zahlreichen JUICE-Kolumnen schrieb Falk einst darüber, warum ein Rapper stets Präsenz zeigen sollte – es könne sonst ein böses Erwachen für Künstler als auch Fans geben. Ohne regelmäßigen Output könnten die Hörer die Entwicklung des Rappers nicht nachvollziehen, wenn der Sprung vom Gold behangenen Clubstyler zum Tee trinkenden Conscious-Rapper zu plötzlich kommt. So erging es wohl auch Samy Deluxe, dessen Weg vom spittenden Kiffer zum singenden Moralapostel für den Geschmack der Hörer etwas zu schnell beschritten wurde.


Was bisher gefehlt hat, um den Weg zu „Dis’ wo ich herkomm“ zu begreifen, wird mit „Der letzte Tanz“ nun nachgeholt. Da gibt es zum Beispiel die Sache mit dem Marihuana. Samy belebt doch tatsächlich nochmal sein Alter Ego Samsimilia wieder, um sich auf „Samsimilias Rache“ und „Samsimilias letzte Worte“ nochmal ausgiebig mit dem Gras-Konsum zu befassen und dabei solch einen coolen Style und unterhaltsame Lines auszupacken, dass es eine Freude ist. Doch wie der Titel schon verrät: Es waren Samsimilias letzte Worte, der Track endet mit der Beerdigung. Was natürlich nicht heißt, dass das Thema an sich abgehandelt ist. Die Ballade „Sag mir was du von mir willst“ spielt mit den Parallelen zwischen Drogenkonsum und Liebesromanze – leider inzwischen keine allzu kreative Idee mehr. Ähnlich verhält es sich mit Autotune – doch auch davor schreckt Samy nicht zurück und macht diesen Track damit leider endgültig unhörbar.


“Es ist Samsimilia – the one and only/
ich rauch Joints dicker als Caneloni, dis’ ne andere Kategorie/
und hab kein’ Plan, ob es ‘nen Mann im Mond gibt/
ich weiß nur, wenn kein Joint brennt, dann mach ich mir ein’ an wie Kofi/
ich bin kein Kiffer Rapper, doch auch nicht wirklich besser/
wo ich auch bin, dicke Wolken als wär’ Gewitterwetter/”


Doch „Der letzte Tanz“ hat zum Glück inhaltlich noch ein bisschen mehr zu bieten. Da wäre das angenehm reggae-lastige „So viele Fragen“, das eine fröhliche Haltung im Rap fordert und einen eventuell daran erinnert, dass Samy mit „Positiv“ diese Message schon auf seinem Debüt-Album vertreten hat. „Nie Genug feat. Ali A$ glänzt durch den hervorragenden Dead Rabbit-Beat und lässig-coole Parts der Protagonisten, schließlich ist dein Shit „nur 0815 wie Mitte August“. Representer-Tracks für die Heimatstadt sind auch nicht mehr die neuste Idee, zumal Samy selbst schon einst die „Hamburg“ gemacht hat – dennoch kann sich die 2009er-Variante durch eine absolute Ohrwurm-Hook in die Höhepunkte dieser CD einreihen.


Dazu kommen noch die inzwischen üblichen Dirty-South-Adaptionen „Truf is back“ und „Draußen aufm Dauf“, sowie eine ganze Reihe von samplelastigen Songs, in denen Samy seinen Werdegang, seine Intention bei der eigenen Entwicklung und seinen aktuellen Standpunkt genau erläutert („Intro“, „Der letzte Tanz“, „Neue Saison“, „Katze und Sack“, „Hin und her“) – diese stellen zwar nicht die Hits der Platte dar, dennoch geben sie verwirrten Fans Aufschluss über die Vergangenheit des Deluxe-Rappers und lassen „Dis’ wo ich herkomm“ vielleicht in einem neuen Licht erscheinen. Mitunter beschleicht einen allerdings das Gefühl, Samy würde sich auf Teufel komm raus rechtfertigen wollen,obwohl er zeitweise, besonders in den eingebauten Skits und dem Spiel mit Samsimilia-Abfahrten, sehr humorvoll mit der Kritik umgeht, die ihm die letzten Zeit eingebracht hat.


Fazit: „Der letzte Tanz“ ist ein gelungener Abschluss der Deluxe-Ära. Unterhaltsam, ehrlich, und musikalisch auf hohem Niveau. Zwar wird man bis auf einen kleinen Ausflug den alten Samy nicht mehr zu Gehör bekommen, aber hier wird überraschen nachvollziehbar die Brücke zum neuen Samy geschlagen – wenn auch etwas verspätet.


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(mh)