“Wenn ein Besserer kommt, trete ich gerne zurück”

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Die “John Bello Story 3″ steht in den Startlöchern. Nach einer Listening-Session, zu der zwei Hoteliers sichtlich amüsiert auf dem Flur HipHop-Gesten machten und Moe Mitchells Gesang imitierten, traf MeinRap.de den etwas aufgedrehten King of Rap, der sich nach eigenen Angaben im “Bello-Modus” befand, zum Interview über Autotune, Internet-Promotion, Biter in der deutschen Rapszene, den aktuellen Elektro-Trend und ein weiteres Freunde der Sonne-Album.
Hey Savas, wie geht’s dir?
Mir geht’s gut eigentlich.
Ausgeschlafen für den Interview-Marathon heute?
Boah nee, ausgeschlafen bin ich nicht, ich bin Langschläfer. Nur die letzten Tage habe ich immer wenig gepennt, bin sehr früh aufgestanden. Das ist für mich nervig, das macht mir nicht so Spaß.
Okay, probieren wir unser Bestes. Am 12.3. kommt der dritte Teil der John Bello Story raus. War das von Beginn an als Reihe geplant und wo siehst du die Unterschiede zwischen den einzelnen Teilen?
Das hat sich dann erst mit dem zweiten Teil so ergeben. Der Unterschied zwischen 2 und 1 ist, dass 2 schon viel albummäßiger war. Der dritte Teil jetzt hat absolut Albencharakter. Und wie gesagt, mit dem zweiten hat sich dann abgezeichnet, dass es doch eher ne Reihe wird. Mir hat das auch Spaß gemacht, mir das ein bisschen offen zu halten und zu sagen “Ich hab das in der Hinterhand und kann, wenn ich mal durchdrehen will, sowas machen.”
Die Features sind teilweise dem zweiten Teil sehr ähnlich, vereinzelt sind aber Veränderungen sichtbar. Caput ist nur einmal drauf und steht auch nicht auf dem Cover, viele Fans nahmen schon an, er wäre gar nicht drauf. Wer gar nicht drauf ist, ist Laas, dafür ist Banjo überraschend oft vertreten.
Der Caput-Song kam ziemlich spät, deshalb ist das so. Mit Laas war das so: Ich wollte mit ihm arbeiten und habe mit ihm gearbeitet und das war dann auch gut so, weißt du? Ich muss ja auch nicht jedes Mal mit den gleichen Leuten immer und immer wieder arbeiten. Und mit meinen Jungs ist ja eh klar, dass wir Tracks machen, aber mit Banjo war es so, dass wir einfach ziemlich oft im Studio waren und ich einfach Bock drauf hatte und er auch. Dann haben wir gesagt “Komm, wir rocken das, wir ziehen das durch!” Daraufhin haben wir das auch einfach so gemacht, er kam vorbei, wir haben lange gechillt, wir haben ganz viele Tracks gemacht, darum ist er auch einfach sau oft drauf. Es ist einfach super mit ihm.
Bushido hat kürzlich auf Wunsch seiner Fans Features von seinem Album gekickt. Auch deine Featurepartner sind teilweise nicht unumstritten, allen voran Moe Mitchell. Wo ziehst du die Grenze zwischen Selbstbestimmung und Dienst an den Fans?
Okay, das musst du jetzt alles wortwörtlich so reinschreiben. Wenn wir auf Tour sind, dann ist Moe erstens der Dude, bei dem die Weiber am meisten schreien, und zweitens feiern die Leute ihn alle ab, wenn er für sie sein “Happy Birthday”-Ständchen singt, dann haben alle Gänsehaut, weil das alle zu Tode feiern. Sprich: Moe ist vielleicht nicht beliebt bei irgendwelchen Internet-Leuten, die das dann auch nur wirklich sagen können und bei Leuten, die eh keinen RnB hören. Da kann ich das verstehen, bei denen wäre aber kein RnB-Sänger beliebt. Ich denke einfach, dass es für ihn schwer ist, weil er ein gut aussehender, talentierter Dude ist und auch automatisch dadurch für die Leute ein Hassobjekt ist. Ich glaube, wenn er fett und hässlich wäre, dann wäre es für Leute noch einfacher, ihn zu mögen, weil die sich sagen würden, dass sie sich mit ihm identifizieren können. Da das nicht der Fall, ist es für die schwer. Aber das wird sich auch alles ändern. Die werden sich eh in den Arsch beißen, spätestens, wenn er RnB-Star ist und… (überlegt) keine Ahnung, mit Xavier auf Tour geht oder so, da werden die dann alle rumheulen. Stichwort Dienst an den Fans: Ich denke, dadurch, dass ich ich selber bleibe und Rap liebe, ist das eh schon ein Dienst an den Fans. Aber kein Fan ist länger dabei als ich. Ich bin selber Fan von Mucke und ich bin selber hoffentlich auch Fan von meiner eigenen Musik und deswegen muss ich nur auf mich selber hören. Es ist ja nicht so, als hätten die dafür gesorgt, dass ich jetzt rappe, wie ich rappe, sondern ich habe ja dafür gesorgt. Natürlich kaufen die Platten, das heißt aber nicht, dass sie meine Musik bestimmen können, die können nicht darüber bestimmen, wie meine Musik zu klingen hat. Und wenn sie keinen Bock darauf haben und mich boykottieren wollen, dann sollen sie einfach die Platten nicht kaufen, dann ist das okay, dann habe ich halt Pech gehabt. Trotzdem werde ich so rappen und solche Musik machen, wie sie es mir passt und wie sie mir gefällt. Ich werde bestimmt nicht Moe vom Album runternehmen, weil ich denke, dass dann die Hardcore-HipHop-Fans kommen. Das ist mein Musikgeschmack, ich liebe es, wie er singt, ich liebe diese gesungenen Hooks – und daran wird sich nichts ändern, solange, wie ich Bock darauf habe.
Wo du dieses RnB-Star-Sache ansprichst: Wie weit seid ihr mit der Arbeit an MMS?
Wir sind gut weit, wir haben zur Auswahl schon 18 Tracks. Davon ist nicht jeder einzelne bis zum Ende ausproduziert und es sollen noch mehr dazu kommen, weil wir eine gute Auswahl haben wollen. Also wir sind dabei, es läuft die ganze Zeit. Moe ist jetzt gerade in Stuttgart und nimmt neue Piloten auf, neue Guides. Wir sitzen dran, Alter.
Auf “Weg nach draußen” versuchst du dich auch selbst als Sänger und bist trotz heißer Diskussionen und Jay-Zs D.O.A nicht vor Autotune zurück geschreckt.
Ich höre Jay-Z sowieso schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Also erstens: der interessiert mich sowieso nicht mehr, zweitens: was er sagt, interessiert mich auch nicht im Sinne eines Gesetzes. Das ist bei Freunden von mir anders, aber mich interessiert das nicht. Außerdem klang mein Track vorher schon genauso gerade gesungen wie jetzt. Den Autotune haben wir absichtlich drauf gemacht, weil wir auch Screws drin haben, weil wir einen Rap-Vers drin haben, weil das ein RnB-Song ist – weil wir alle Klischees in einen Song packen wollten. Der Gesang war davor genauso gerade, das ist nicht kompliziert, das ist alles in meinem Vocalrange geschrieben. Ich hab nie versucht, einen Ton zu schreiben, der höher ist als das, was ich treffen kann, weil ich nicht gut singen kann, ich treff nur ein-zwei Töne. Der Autotune ist also total beabsichtigt. Ich werde aber, wenn die Leute mir das nicht glauben, nochmal eine Version ohne Autotune ins Netz stellen. Der Autotune ist drauf, um sich auch ein bisschen über das ganze Zeug lustig zu machen, aber auch auf der anderen Seite zu zeigen, dass ich das alles machen kann, wenn ich Bock hab. Das Schöne ist, dass es trotzdem ein Track ist, den man sich halbwegs geben kann. Besonders auch, weil der Text kein gewöhnlicher RnB-Text ist, sondern eher so ein Disstrack für Bräute, für behinderte Ollen.
Auf dem Cover steht jetzt “Essah Entertainment” – was genau ist das?
Essah Entertainment ist kein Label, sondern das ist der Rahmen, den wir brauchen, um bestimmte Sachen zu machen und um meine Sachen veröffentlichen zu können. Alleine schon für Rechnungen, für die ganzen Geschichten mit dem Vertrieb und so weiter. Alle brauchen einen Ansprechpartner und alle brauchen irgendwie etwas, woran die sich da festhalten können. Wenn wir es jetzt weiter Optik genannt hätte, wäre das einfach verwirrend gewesen.
Aber das ist auch als Firma angemeldet, oder?
Ja, das ist als Firma angemeldet. Das ist quasi meine Firma, die dafür sorgt, dass mein Scheiß rauskommt.
Neben der neuen Essah-Sache hattest du ja schon immer irgendwelche Catchwords und Slogans wie Optik Boom, Optik Crew, Optik Army, Optik Scientology, Optik Taliban. Wie entstehen diese Sachen?
(lacht) Die Sachen entstehen meistens aus Unsinn heraus und ich liebe es einfach, Unsinn zu manifestieren. Ich meine, “Essah” war einfach so abwegig und mittlerweile kennen mich fast genauso viele Leute unter “Essah” wie unter “Kool Savas” und ich finde es halt einfach geil behindert, auch manchmal sowas zu machen. Für mich bedeutet das auch zu zeigen: Selbst wenn ich eine alteingesessene Marke bin – ich könnte auch eine neue Marke machen und es würde trotzdem abgehen. Das freut mich auch, das zu sehen. Sprich, ich könnte auch unter einem anderen Namen rappen und wenn die Leute nicht wüssten, dass ich das bin, würden sie es wohl trotzdem hören. Das ist für mich ein gutes Gefühl.
Denkst du, sowas ist wichtig, damit die Fans irgendwelche greifbaren Begriffe haben und sich sowas wie “Bellonier” auf die Fahne schreiben können?
Kann schon sein, aber es ist nicht totales Kalkül, dass ich sage “So, ab nächsten Monat brauche ich einen neuen Slogan” – aber es ist gut, sowas zu haben. Genau wie diesen G-Unit-Schrei, sowas ist immer gut. Aber es ist jetzt nicht beabsichtigt, ich suche nicht extrem danach. Die Sachen entstehen einfach. “Optik Boom” hat damals Julian (J-Luv, d. Red.) erfunden. Das ist aus einem Streetfighter-Game entstanden, da gab es den “Sonic Boom”. (imitiert die Aussprache aus dem Videospiel) Da hat er dann “Optik Boom” geschrien und dann haben wir das einfach genommen.
Du bist in letzter Zeit im Internet aktiv geworden, das heißt du twitterst und warst neulich auf ustream zu sehen, wo auch “Dung der Spion” zugeschaut hat, wie du gesagt hast.
Er ist doch der Spion, oder? Ich nenne ihn Spion, weil er beim Videodreh war und während er mit mir geredet hat, heimlich das Fotohandy auf Video gestellt und mich dabei gefilmt hat. Das ist ja wohl ein Spion-Move, oder? Aber ich mag ihn trotzdem. Dung, ich liebe dich, aber du bist ein richtiger Spion.
Dieser Internet-Sache hast du dich da ja im Vergleich zu anderen Rapkollegen ziemlich lange verweigert. Wie kam jetzt dieser Sinneswandel?
Ehrlich gesagt haben mich auch meine Freunde ein bisschen dazu gebracht, weil die gesagt haben, dass das schon gut wäre, wenn wir das machen. Das macht Sinn, das sind die neuen Wege und man braucht sich da nicht künstlich davor zu verschließen. Ich habe aber auch gesagt, ich werde nicht alles machen, ich mach Twitter, ich probier das aus, aber in dem Moment, wo es mich abturnt, werde ich es nicht mehr machen. Es kann also auch sein, dass ich morgen mit all dem wieder aufhöre.
Bei ustream wirkte es so, als hättest du eine Menge Spaß gehabt.
Da hatte ich voll Spaß, das war sau witzig, Alter. Das fand ich geil.

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Eine weitere Facette der Internet-Nutzung ist die “Was hat SAV da vor”-Reihe.
(laut) Yeeeeeeeeeeeeeah!
Was ist dein Fazit aus dieser Aktion, hat es gut funktioniert?
Voll, es hat sehr gut funktioniert.
Es wurde von vielen nach 3 Teilen als langweilig oder sogar peinlich abgestempelt.
Ey, mir ist das so wurst, ob das den Leuten gefällt oder nicht. Das war zum Beispiel ein Dienst an den Fans, das war wirklich so für die Bellonier, so dass die Spaß daran haben. Ich denke, ab und zu muss man den Leuten auch mal gönnen, behindert zu sein. Ich hab eh schon so oft ernste Situationen. Leute fragen sogar “Warum machst du nicht mehr Witze?” und so, dann lasst mir doch die Freiheit, diese Witze zu machen. Ich habe wirklich oft Tränen gelacht bei “Was hat SAV da vor”, weil es einfach auch bekloppt und verrückt war. Ganz ehrlich, ich find das witzig. Ich find, so kann man sich über etwas wie Musik, etwas ganz ernstes, worüber jeder redet, viel interessanter unterhalten als wenn man da gar nichts rum macht. Wenn andere Artists sowas hätten, wäre das für mich auch ein Ansporn gewesen, mir das auch mal anzugucken und mir dazu eine Meinung zu bilden. Ich meine, jeder nennt sein Ding ja Irgendwas-TV und zeigt dann “ich geh jetzt in die Straßenbahn, ich hol mir jetzt ein Eis, ich – keine Ahnung – ich rufe jetzt meine Oma an” – das ist doch einfach sau uninteressant.
Und “was hat SAV da vor” fandest du da interessanter?
Ich fand meins viel interessanter. Weil es einfach verrückt war und weil es einfach so auf künstlich zu einem Mysterium gemacht wurde. Ganz ehrlich, ich habe mich köstlich amüsiert. Das Ding ist, ich wusste ja selber oftmals nicht, was am Ende bei rauskommt. Es gab auch Teile, die uninteressant waren, aber ich fands im Großen und Ganzen sehr schön.
Auf JBS3 findet sich ein Track namens “MySpace” – selber hattest du ja nie MySpace. Inwiefern sind da eigene Erfahrungen verarbeitet worden?
Das sind alles Erfahrungen aus zweiter Hand. Das ist ja nun auch keine super konkrete Story. Im Prinzip ging es darum: Ich habe ganz viele Freunde beziehungsweise ich kenne wirklich sehr viele Leute, die mittlerweile 90% ihres Fickbedarfs nur noch über MySpace decken. Und es gibt mittlerweile Bräute, die nur über MySpace bekannt wurden. Hoes, MySpace-Bitches, wo Leute sagen “Ah, das ist die Olle” oder “Boah krass, die hat mich auch mal angeschrieben, mit der hab ich mich auch getroffen!” Ich fand das ganze Thema auch einfach krank und auch interessant und ich wollte es definitiv auch auf den Arm nehmen, weil es Leute gibt, die nur noch in dieser Welt leben. Ich meine, es gibt Rapper, die boasten mit der Anzahl ihrer Freunde bei MySpace oder auch mit der Anzahl ihrer Klicks. Wenn es wenigstens angewählte Videos wären, dann könnte man ja sagen, dass die Mucke beliebt ist. Aber wen interessiert, wie viele Freunde du bei MySpace hast? Das ist für mich das verrückteste, was ich seit langem gehört habe. Ich kann mir vielleicht nichts verrückteres vorstellen als wenn mir einer erzählt “Ey ich hab 10 Millionen Freunde bei MySpace” – das geht mir sowas von am Arsch vorbei, das spielt doch gar keine Rolle. Aus Spaß mach ich diesen gleichen Unsinn mit Kumpels jetzt auch, mit Twitter. Mich interessiert das gar nicht, ob mir jetzt 3.700 followen oder nicht. Ich finde das auch so hohl.
Wo du das Thema Hoes anschneidest, ist mir noch etwas eingefallen.
(laut) Hooooooooooooooooooooooooooooooooooes! Hoooooooooooooooooooes, Bitches!
Es gab einen Live-Mitschnitt auf Youtube, wo du “Sie ist nur eine Hure” singst.
Den hat Sido nachgemacht.
(überlegt) Stimmt, da gibt es Parallelen.
Ja, aber wieso schreibt ihr nicht über sowas, ihr Schweine?
Mir ist das jetzt erst aufgefallen, als du es gesagt hast.
“Official Bite Control”, Alter. O.B.C.
Wir decken dafür ab und zu deine Samples auf.
Oh. Na aber das müsst ihr lassen, Alter. Ihr müsst lieber zeigen, wenn Leute von mir gebitet haben. Jetzt mal ganz ehrlich: Wieso zeigt ihr nicht öfter wirklich, wie viele Rapper von Westberlin Maskulin meinen Flow geklaut und wirklich Sprüche 1:1 übernommen haben?
Zum Beispiel?
Ey sorry, aber da kann ich doch jetzt das ganze Album durch zitieren. “Ich step ans Mic”, “tight”, der Flow (summt eine Melodie) – das ist mein Flow. Es gab davor keinen einzigen Rapper in Deutschland, der dieses Vokabular hatte und der diese Sachen gerappt hat.
Aktuell fallen mir bei Westberlin Maskulin besonders Huss & Hodn ein.
Boah, das sind voll die Biter! Ganz ehrlich, ich weiß, dass die mich mögen, beziehungsweise glaube ich, dass sie meine Mucke von früher mögen. Aber das sind wahrscheinlich auch so typische Dudes, die sagen “Früher war er geil, jetzt ist er scheiße”, aber ich finde schon, dass das, was sie machen, extrem gebitet ist von Maskulin und von MOR. Extrem.
Dann lass uns nochmal zurück zum eigentlichen Thema komme: Was ist mit diesem Live-Track, existiert eine Studio-Version?
Nee. Sido hat es ja dann rausgebracht, was soll ich denn machen? Ich hab keine Studio-Version, ich habe das auf der Bühne erfunden, das war ein Freestyle, und ich wollte es im Studio machen. Ich habe das zwei Jahre lang performt, auf jeder Tour, und irgendwann meinte jemand “Ey Sido hat den Track gemacht.” Dann hab ich gesagt “Das ist doch vollkommener Unsinn, der hat das doch nie gehört.” Da meinten die “Ja, aber das ist ja bei Youtube drin!” Da dachte ich “Was soll ich jetzt noch machen?” Ich kann ja nicht nen Song rausbringen, den schon ein anderer Rapper rausgebracht.
Hast du das letzte Sido-Album gehört?
Nein.
Da ist ein Lied mit Samy drauf, Seniorenstatus.
Kenn ich nicht.
Okay, für den Fall habe ich die Hook aufgeschrieben.
Gib mal kurz her, ich guck, ob ich deine Schrift lesen kann. (rappt die Hook vom Blatt ab) Ich weiß jetzt nicht genau, wie die das vom Flow her gemacht haben.
Das war schon sehr nah.
(laut) Ernsthaft?! Wirklich?
Ja.
Witzig!
Kannst du diese Aussagen teilweise unterstreichen?
Nope.
Überhaupt nicht?
No. Nur weil ich 35 bin oder was?
Eher, weil du schon so lange dabei bist.
Sorry, kein Stück. Ich habe versprochen, an dem Tag, an dem ein Rapper kommt, von dem ich objektiv der Meinung bin, dass er the complete MC ist, noch completer als ich, und sobald er diesen bester Rapper Deutschlands-Award in der JUICE, den mir Deutschland verliehen hat, bekommt – an dem Tag trete ich gerne zurück. Solange das nicht der Fall ist, werde ich auf jeden Fall diesen Titel beanspruchen, bis ich natürlich sage “Och, keine Lust mehr.”
Das heißt, du siehst den Platz kein bisschen in Gefahr.
Von wem?
Das wäre die Frage, hättest du jetzt “doch” oder sowas gesagt.
Von wem?! Jetzt mal ganz ehrlich: von wem? Sprechen wir über die Punkte, okay? Und das ist hässlich, über sich selber so zu reden. Aber jetzt kurz: Live-Performance, Flow, Technik – das gehört sozusagen zusammen. Einfluss, den man auf die Szene hatte. Hat man das Game revolutioniert oder nicht, hat man es oder nicht? Hat man oder nicht?
Natürlich, das kann man schwer leugnen.
Natürlich. Texte – ich weiß, dass die Leute damit nicht klar kommen, dass ich nicht genug Thementracks mache, aber da kommt Bello 3 ins Spiel. Wir haben Thementracks, Konzepte und so weiter. Und wie viele Rapper gibt es noch, die über jeden Beat rappen können und über jedes Thema schon gerappt haben? Sprich, einen deepen Song neben einem Battletrack neben dies neben das – so dass das alles auch passt und dass man nie denkt, dass es Fake Shit ist. Nicht umsonst macht Jay-Z jetzt noch Alben, auch wenn ich ihn nicht mehr höre und auch, wenn er für mich nicht der beste ist. Aber die Leute da drüben sagen sich, dass er das alles hat. Wer soll diese Punkte hier erfüllen? Und Erfolg dazu noch! Obwohl…du siehst ja, das ist mir so unwichtig, dass ich das als letztes nenne. Natürlich ist Bushido erfolgreicher und natürlich hat Sido mit seinen Soloalben mehr verkauft als ich. Aber die anderen Punkte…Ich würde sagen, ich bin im Moment the complete MC und das ist der Grund, warum ich in dieser JUICE diesen Platz 1 bekommen habe. Die werden das auch nicht mehr wegkriegen, die können nicht alle JUICEs verbieten und wie zu Hitlerzeiten irgendwie rufen (beginnt Hitler zu imitieren) “Wir machen JUICE-Verbrenung, es muss alles aus der Geschichte rausradiert werden!”
Frauenarzt hat auf Atzen Musik Vol.2 ein Vocalsample von dir benutzt und hat dich nach einem Feature gefragt, das du abgelehnt hast…
(unterbricht lautstark) Siehst du, wie real ich bin, Alter?! Sag mir, wer hätte ein Frauenarzt-Feature jetzt zu diesem Zeitpunkt ausgeschlagen? Keiner! Weil der Dude gerade Nummer 1 ist, weil die gerade hunderttausend Dinger verkaufen.
Hättest du das Feature angenommen, wenn es keinen Elektro-Rap-Trend gäbe?
Das weiß ich nicht, das kann ich nicht sagen. Das wäre auf den Track angekommen. Ich habe sogar einen Track, der heißt “Technopilot”, und ich schwöre es dir, ich habe sogar darüber nachgedacht, ob ich die mal fragen soll, ob die nen Remix machen wollen, einfach damit sie selber nochmal die Möglichkeit haben, diese Biter anzugreifen. Aber ich denke, die sind gerade viel mehr auf diesem Party-Ding. Aber du siehst einfach, für mich geht es jetzt echt mehr darum… (überlegt) Ach, keine Ahnung, worum es mir geht. (lacht)
In der Hook von “Technopilot” heißt es “Du bist kein Rapper, du bist ein Technopilot” – wie genau ist das zu werten?
Ich finds lächerlich, dass viele MCs auf diesen Zug aufspringen und dass sie sagen “Hey, mit Elektro-Shit geht es jetzt ab”. Und auch dieses behinderte Gelaber von DJs. “Uhh, ich leg keinen HipHop mehr auf, ich lege Elektro auf.” Aber dann heulen sie rum, dass kein HipHop mehr gespielt wird. Ich erwarte von jedem HipHop-DJ und von jedem MC, dass er beigeht und Hiphop macht und Rapmucke macht und ich erwarte, dass sich DJs hinstellen und wieder Rapmucke spielen! Niemand ist dazu gezwungen, Techno im Club zu spielen. Man muss nicht Timbaland oder Fergie auflegen. Auch wenn es cool ist, ich höre ja auch Christina Aguilera und so. Aber man muss das nicht spielen! Man kann auch Premo und Dilated Peoples spielen, wenn man keinen Bock darauf hat. Ein bisschen wieder den Nazi-HipHop, darauf hab ich wieder Bock, Alter. Ich wünsche mir diese Nazi-Rap-Zeiten zurück.
Wie sieht es mit einem zweiten One-Album aus?
Large Professor wird das ganze zweite One-Album produzieren. (lacht) Nein, also ich rede nicht über ungelegte Eier. Ich habe das so oft gemacht und es hat mich immer geärgert.
Dann brauche ich die Frage nach einem FDS-Comeback auch nicht zu stellen?
Freunde der Sonne wird es nicht nochmal geben.
Warum nicht?
Weil ich den ersten Teil nicht so gut fand. Das war wirklich unnötig. Das war lustig von der Aktion her und in dem Moment hab ich zu Tode gefeiert, aber das war mir ein zu kurzer Turn, lieber setze ich mich hin und arbeite 24 Monate als nochmal 24 Stunden an irgendwas, außer man würde so eine Freestyle-Session machen nach dem Motto “Scheiß auf alles.” Aber diese Alben bleiben für die Ewigkeit und dafür ist es dann unnötig, weißt du? Wer hört sich denn in 10 Jahren noch sowas an? Das ist doch komisch.
Okay, dann bedanke ich mich für das Interview. Möchtest du noch etwas sagen?
Ich wollte sagen…(überlegt) Die elementaren Befugnisse sind unter bestimmten Umständen erreichbar. Der Erreichbarkeitsstatus sollte auf jeden Fall immer aufrecht erhalten werden. (lacht)
Das Interview wurde geführt von Mathias Hansen.
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