11 Jahre Chimperator (Review)

Labelsampler sind mitunter eine komplizierte Angelegenheit. Einerseits gilt es, die gesignten Artists als zusammengehörige Einheit zu präsentieren, andererseits ist man darum bemüht, die Einzigartigkeit einzelnen Künstlers zu betonen. Mit Kodimeys Worten: „Labelsampler sind Hurensöhne.“
Beginnen wir mit der Zusammengehörigkeit. Vier von den fünf Rappern bilden das Quartett „Die Orsons“ und warten daher problemlos mit dem üblichen Wahnsinn auf. Ob auf einem simplen Piano-Beat mit Tupac-Anlehnung („Ambitionz as an Orson“) oder einem stampfenden Synthie-Brett („Bloody Orsons“) – abgedreht, ein wenig wirr, aber mit Sicherheit unterhaltsam.
Auch in anderen Konstellationen werden gemeinsame Nenner gefunden. So versteckt sich hinter „Empire State Gebäude“ eine inoffizielle Chimperator-Hymne von Kodimey, Maeckes & Plan B, die mit Chören und passenden Affengeräuschen um die Ecke kommt. Nostalgisch werden die Chimps auf „Chimperator History“ sowie dem Remix des Massive-Töne-Klassikers „Unterschied“, auch „Zurück in die Zukunft“, für das mal eben die E-Gitarre ausgepackt wurde, reiht sich nahtlos ein.
„Chimperator übernimmt jetzt hier mal kurz,
und lässt alle Probleme hinter dir wie ein Furz“
Etwas ruhiger geht es bei den Solo-Songs und Zwei-Mann-Kollabos zu Gange. Tua begeistert mit melancholischem Storytelling („Um dein Block“ mit Vasee), Maeckes philosophiert mit ihm und Vasee über die Welt („Unfair“, „Hilfe naht“). Eine ähnlich intensive Atmosphäre können die Solo-Tracks von Plan B und KAAS trotz thematischem Potenzials leider nicht aufbauen.
Kodimey hingegen umgeht diesen Vergleich gekonnt und liefert mit „Jump ‘n’ Run“ den gelungenen Soundtrack für das Real-Life eines jeden Gamers. Auch der Wortwitz kommt nicht zu kurz: so widmen sich Maeckes & Tua auf „Nico Schwanz“ in der Tradition von David Pe, Eizi Eiz und KIZ einen ganzen Track lang der Penis-Beweihräucherung und können mit Lines wie „Du bietest mir nen Stuhl an, ich sag: ‘ich sitz auf meinem mitgebrachten Sitzsack’“ die Latte sogar ziemlich hoch legen – werden aber leider von einem etwas lahmen Beat im Stich gelassen. Weitaus mehr nach vorne geht das ebenfalls von Wortwitz geschwängerte „Hi“, das Maeckes&Plan B-Fans bereits aus etlichen Live-Shows bekannt sein dürfte.
Fazit: 11 Jahre Chimperator bringen eine Menge unterhaltsamer Musik hervor. Über weite Strecken reihen die Jungs mit dem Studio im Affengehege Hit an Hit. Totalausfälle sucht man vergeblich, auch die schwächeren Stücke sind kein Einheitsbrei. Alles in allem also noch ausbaufähig – aber schon verdammt gut.
(mh)





