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“Wie ein normaler Mensch, nicht wie ein Rapper”

15 April 2010

In wenigen Stunden gehen die ersten Exemplare von “Monster in mir” über den Ladentisch.  MeinRap.de sprach exklusiv mit Chakuza über das Konzept hinter seinem neuen Album, das Erfolgsrezept von Ersguterjunge und warum Busta Rhymes ihm beim Pieseln zuguckt.


Der Album-Titel „Monster in mir“ weckt die Erwartung eines Konzept-Albums.

Auf jeden Fall, es ist ein Konzept-Album. Ich habe etwas gebraucht, wo ich mir selber etwas Spielraum lassen kann, um viele Themen, die mich selber beschäftigen, abdecken zu können.


Stand der Titel von Beginn an?

Nee. Da muss ich gestehen, dass ich in sowas extrem schlecht bin. Ich wusste schon, dass es in diese Richtung gehen muss, vielleicht auch was mit sieben Sünden oder so. Was das Finden von Albumtiteln betrifft, bin ich wahnsinnig unkreativ, muss ich leider zugeben. Das kommt immer relativ spät erst. Ich glaube, den Titel hatte ich erst kurz bevor das Album fertig war.


Im Pressetext zum Album heißt es, du würdest mit der “Fake-Industrie” abrechnen.

Naja, was heißt “Fake-Industrie”? Es geht überhaupt um die ganze Musik-Industrie. Mir geht halt dieses Schein-Sein-Blabla alles auf den Sack, dieses Großartig-einen-auf-Star-machen, was aber gar nicht so ist. Und damit meinte ich alles, ob das nun irgendwelcher Super-Dome/Shows sind oder irgendwas anderes, es sieht alles nach außen sehr, sehr cool aus, aber es ist in Wahrheit einfach nicht so. Und auch das ganze Musikbusiness ist abgefuckt. Es gibt sehr viele Leute, die dir im Endeffekt ins Gesicht lachen, aber von hinten dir gerne ein Messer reinstecken. Damit rechne ich halt ab. Ich hab nen Abturn darauf, dass man nur noch mit irgendwelchen komischen Skandalen auffallen kann oder Presse bekommt. Genauso wie irgendwelche komischen Videos, die man dreht, oder dass man teilweise sogar schon irgendwelche Geschichten erfindet, um irgendwie wieder in die Presse zu kommen – sowas nervt mich einfach. Damit rechne ich halt ab.


Andererseits heißt es, „Monster in mir“ stünde für negative Eigenschaften, die ein Mensch hat. Kann man sagen, dass das Album zwei Seiten hat?

Auf jeden. Also es ist natürlich sehr persönlich. Es geht viel um das Business an sich, aber auch um mich selber. Das heißt, die menschlichen Fehler, die man einfach macht, bei denen man sich im Nachhinein denkt „Oh, mein Gott, was habe ich nur wieder getan?“ Ich bin halt auch ein sehr emotionaler Mensch und raste schnell grundlos aus. Ich hatte mal eine Zeit, da habe ich Probleme einfach weggesoffen und das sind auch einfach Sachen, die ich auf dem Album verarbeite, die ich aber nicht glorifiziere, sondern eher anpranger.


Welche negativen Eigenschaften an dir selbst machen dir denn zu schaffen?

Ja mein Gott… (lacht) Das sind viele. Also diese Ausraster zum Beispiel. Ich steiger mich sehr schnell in etwas rein und behandle dann Leute ein bisschen uncool, was mir dann aber im Nachhinein leid tut. Ich feier zu viel. Oder ich schlucke Sachen runter und explodiere deshalb irgendwann. Probleme wegsaufen oder was weiß ich. Das sind halt diese ganz normalen, menschlichen Dinge – die aber manchmal Überhand nehmen.


Also bist du einerseits wütend auf Leute mit negativen Eigenschaften, andererseits gibst du aber zu, selber nicht perfekt zu sein?

Ja, ich bin einer von ihnen. (lacht)


In Interviews kommst du mir aber nicht sonderlich aggressiv vor.

Ja, wenn ich Interviews gebe, habe ich das ja meist schon alles hinter mir und verarbeitet. Außerdem wächst man ja auch und wird reifer. Ich habe ja mit 25 angefangen, das Ganze hier zu machen, das war eine ganz neue Welt für mich. Man guckt, halt das alle Anderen machen und versucht auch, irgendwie zu provozieren. Aber ich denke, ich war immer schon ein sehr gefestigter Mensch und ein vernünftiger Typ, was den Umgang mit anderen Leute betrifft. Und ich habe auch irgendwann gemerkt, dass das Mitschwimmen in dem Strom, wo man sich als der Beste und Größte mit den meisten Skillz und besten Rhymes und so darstellt, mich irgendwann angekotzt hat, und ich dachte mir „Was soll das jetzt eigentlich?“ Das ist eh alles Blödsinn. Ich meine, wir sind erwachsene Leute und reden so eine Scheiße, eigentlich müsste man sich schämen. Deshalb bin ich davon etwas weggegangen. Ich sage das, was ich denke, und versuche auch, wie ein normaler Mensch zu sprechen, nicht wie ein Rapper.


Im Video zur Single „Monster“ schafft ein Professor das Monster. Inwiefern ist man für das Monster in sich selbst verantwortlich?

Es kommt immer darauf an, wie du mit Sachen umgehst, wie du es selber verarbeitest. Es gibt Leute, die können mit etwas umgehen und Leute, die zum Sport gehen, um sich abzureagieren – so ein Typ bin ich auch. Andere müssen dann vielleicht fünf Tüten Gras rauchen – davon bin ich keiner. Oder man muss vielleicht weggehen, um sich zu betrinken. Irgendwie muss man jedenfalls mit seinen Probleme fertig werden. Kommt immer auf den Menschen drauf an. Du bist immer selber verantwortlich für dein Handeln, aber der Einfluss kommt immer von außen. Das sieht man ja auch im Video. Der Einfluss kommt erst von außen und im Endeffekt raste ich dann im Video aus und muss meinen bösen Doktor leider umbringen. (lacht)


Hilft dir denn Rap dabei, deine Wut loszuwerden?

Ja, ist auf jeden Fall ein gutes Ventil. Plus Sport! Das sind jetzt gerade meine Ventile. Ich hatte ja meinen Unfall und konnte lange keinen Sport machen, das hat mich extrem gefickt. Mittlerweile kann ich aber endlich wieder zum Boxtraining und ins Fitnessstudio gehen. Ich mache das ja nicht, um der stärkste Mann der Welt zu werden und dann irgendwelche Leute umzuhacken. Ich mache das wirklich nur für meinen Kopf und der Fitness wegen.


Das heißt, du warst leichter reizbar, weil du keinen Sport zum Abreagieren hattest?

Natrürlich, klar. Aber wie gesagt, ich bin sowieso ein Mensch, der leicht reizbar ist. Aber die Leute, die täglich mit mir rumhängen, die wissen das auch und können damit umgehen, nehmen das nicht mehr ganz so ernst. Aber in den ersten paar Wochen, wenn man mich kennenlernt, kann man schon denken, dass ich ein bisschen komischer Typ bin. Aber was soll’s. Ich habe inzwischen gelernt, mir Leute lieber zwei mal anzugucken, bevor ich zu jemandem freundlich bin, dann wieder auf die Schnauze falle und von jemandem enttäuscht werden.


Wie ist die Vision von dem Video gewesen?

Ich wusste, ich brauche irgendwas krasses. Ich will nicht wieder ein Video, wo 50 Leute hinter mir stehen, dann vielleicht ein Auto dazu und böse gucken und ein Kampfhund und sowas. (lacht) Mein Gott. Ich habe da einfach keinen Bock drauf. Ich habe jetzt zwei Jahre mit Ausnahme von ein paar Tracks nichts rausgebracht und ich musste deshalb mir irgendwas zurück kommen, was „PAM!“ macht, wo die Leute denken „Woah, krass!“ Dann haben wir halt den Song ausgewählt und es war wirklich so, dass ich eine Idee hatte, womit ich zu Nazar und Stickle gegangen bin, die sind da ja sehr kreativ. Vor allem Nazar, der hat das auch sehr gut drauf. Stickle hatter aber auch sehr, sehr gute Ideen, die genau dem entsprachen, was ich mir vorgestellt habe. So kamen wir dann auf Sabotage Films, die extrem gute Arbeit geleistet und das Drehbuch komplett ausgearbeitet haben. Als die mir das vorgelegt haben, meinte ich „Okay Jungs, wenn ihr das wirklich so zustande bringt, wie es hier auf Papier steht, dann…cool, macht mal.“ Aber für mich war das unrealistisch, weil es halt ein riesiges Drehbuch war mit den ganzen Aktionen, wie man ja auch im Video sieht. Das ist überaufwendig gemacht. Als ich das gelesen habe, dachte ich nicht, dass man das wirklich so umsetzen kann – aber sie haben es tatsächlich geschafft.



Dein Manager Hamadi hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Single-Cover auf das Plakat vom Jim-Carrey-Film „23“ anspielt.

Der Film hat mich einfach geflasht, das ist so ein Psychopathending. Das passte eben gut zum Video, deshalb haben wir das gewählt. Mir gefällt halt das Cover extrem und ich wollte eben auch mal sowas machen – da haben wir es einfach genommen.


Also hat das keinen weiteren Hintergrund?

Nee, das hat keinen Hintergrund. Wir haben es einfach geklaut. (lacht) Das kann man auch so sagen. Einfach, weil es mir gefallen hat und ich das machen wollte. Das kann ich so offen und ehrlich zugeben.


Auf dem Album findet sich nur ein Ersguterjunge-Feature. Viele deuten das als eine Art Statement.

Wir haben so viele Sampler gemacht, jeder hat Alben gemacht. Irgendwie hat jeder Artist immer jeden anderen gefeaturet, das war auch auf meinen Alben so. Aber ich kann das nicht immer machen. Ich bin außerdem jetzt wieder ein bisschen seltener in Berlin und lebe mehr in Linz, also mein Umfeld hat sich natürlich auch geändert und ich wollte auch mal was neues machen. Das heißt nicht, dass ich die Jungs von EGJ nicht mehr feier oder sonst irgendwas. Ich mag deren Musik immer noch genauso. Aber ich kann nicht immer das gleiche machen. Und die Leute, die auf meinem Album sind, sind halt auch die Leute, mit denen ich im letzten Jahr am meisten gechillt habe. Wir haben halt ein Studio und viele Leute nehmen bei uns auch auf, von daher hat sich das dann einfach auch so ergeben, dass man das macht. Und ich habe das Album auch zu der Zeit gemacht, als der Bushido-Film gedreht und Carlo Cokxxx Nutten 2 gemacht wurde, da war auch einfach gar keine Zeit. Ich will da auch keinen nerven. EGJ ist mein Label, ich bring das Album da raus. Ein 50Cent hat auch nicht immer seine ganze Crew auf nem Album.


Ich habe den Eindruck, dass du viele Fans hast, die mit dem Rest von EGJ sowieso nicht so viel anfangen können.

Naja, das ist Geschmackssache, das ist deren Sache. Ich denke, ich mache einfach meine eigene Musik. Also ich habe für mich die Musik gefunden – was heißt gefunden? Ich hatte immer schon eine Art, Musik zu machen, die sich wahrscheinlich auch unterscheidet von dem, was die anderen machen. Aber ich denke, jeder hat seinen eigenen Stil, bei Ersguterjunge auch. Und dem einen gefällt es, dem anderen eben nicht. Es gibt bestimmt auch welche, die Bushido oder Nyze oder Kay One feiern und dafür einen Chakuza nicht abkönnen. Aber ich denke, ich habe natürlich schon eine eigene Fanbase. Im Endeffekt ist es einfach Chakuza-Musik. Ich wollte nie alles anpassen, nur weil man jetzt zu einer bestimmten Truppe gehört. Also ich denke, Bushido wird schon seinen Grund gehabt haben, warum er mich geholt hat oder meine Musik cool findet, das heißt aber nicht, dass sie genau so wie seine sein muss. Bei Optik zum Beispiel war es so, dass Amar versucht hat, wie Savas zu rappen – das ging ja auch alles in die Hose. Außer Savas war da im Endeffekt keiner cool von denen. Und das ist eben bei EGJ nicht der Fall.


„Alarmsignal“ ist in der Hook an Peter Schillings „Die Wüste lebt“ angelehnt.

(lacht) Ja, das ist geklärt! Das ist abgesprochen und legal.


Welche Verbindung hast du zu seiner Musik und der Neuen Deutschen Welle?

Meine Eltern haben, als ich ein kleiner Junge war, natürlich Neue Deutsche Welle im Auto gehört. Da musste ich mir diese Mucke halt reinziehen und das ist mir irgendwie hängen geblieben. Mein Onkel war ja damals ein DJ und hat mir immer Mixtapes gemacht, wo auch solche Sachen drauf waren. Und der Song ist halt besonders bei mir hängen geblieben. Ich hör den, seit ich … keine Ahnung, 6 Jahre alt bin oder so, ich weiß nicht mehr genau, wann das rauskam. Irgendwann bin ich dann wieder darauf gestoßen und dachte „Woah, krass!“ Am Anfang haben mich wieder alle für blöd erklärt, das war aber bei „Rhythm is a dancer“ und „Eure Kinder“ auch so. Hier war das auch so und ich denke, der Song ist extrem cool geworden. Für mich! Mir geht es darum, dass mir der Song gefällt. Aber man musste das Sample halt klären und sowas ist immer extrem anstrengend. Aber es hat geklappt und ich feier den Song! Der war eigentlich als erste Single geplant, aber wir haben uns dann doch noch für „Monster“ entschieden.


Haben deine Eltern den Song schon zu hören bekommen?

Noch nicht, nee. Das ist immer so … schnell aufn Tisch legen und „Ciao!“ (lacht) Da da ja auch wieder Sachen drauf sind, die man nicht unbedingt mit seinen Eltern hören will. Also ich kann es verkraften, wenn mein Vater das hört, aber ich muss nicht unbedingt daneben sitzen.


Außerdem singt DJ Stickle erstmals.

Der hat ja immer schon sowas gemacht. Das kam nur selten raus, weil man ihn immer zu seinem Glück zwingen muss. Da hab ich einfach gesagt, er soll das machen. Gerade bei diesem „Alarmsignal“-Ding. Das kommt von der Stimme her am nähesten an Peter Schilling ran. An ihn selbst war da ja gar nicht so wirklich ranzukommen und ich weiß auch nicht, ob er es gemacht hätte. Der denkt bestimmt, HipHop ist Idioten-Musik. Stickle meinte natürlich „Nein, nein“, aber ich meinte „Du musst!“ Und Stickle macht das dann immer so, dass keiner dabei sein darf. Wir gehen dann meistens essen und irgendwann ruft er an und sagt „Okay, ich bin fertig. Ihr könnt wiederkommen.“ Und das war bei dem zweiten Song genauso: Er kam irgendwann aus dem Studio und hat mir das vorgespielt und ich meinte „Ja, das kommt aufs Album“ und er „Neeeee! Das geht nicht, das ist doch voll kacke eigentlich.“ Aber das ist richtig gut.


Auf dem zweiten Track mit Stickle, „Alles zu spät“, fällt die Aussage „Die Kanacken gehen mir auf den Sack“.

Nee, nee. Also erstmal habe ich das so geschrieben, dass Nazar das rappt. Außerdem geht der Satz so: „Mir geht alles wie einem Nazi die Kanacken auf den Sack“ – also bitte nicht falsch verstehen. Aber als ich das aufgenommen habe, meinte Stickle auch zu mir „Ey, was sagst du denn da? Bist du bescheuert?!“ Da meinte ich dann „Hör mal genau hin!“ Aber um es zu entschärfen, habe ich … also weil es Leute gibt, die noch nicht so weit sind, um das zu verstehen… (lacht) da habe ich das Nazar rappen lassen. Die Version, die du gehört hast, ist nicht die Version, die auf dem Album sein wird.


6 Tracks vom Album sind nicht von Beatlefield produziert. Bekommst du viele Beats geschickt, wo doch bekannt ist, dass du dir selber welche bauen kannst?

Ja, auf jeden. Also ich kenne ja auch viele gute Produzenten, Sti und Brisk Fingaz und alle diese Leute. Das sind ja richtige Top-Produzenten. Ich habe dieses mal auch viele Beats gepickt und werde die auch alle noch verwenden, aber dann auf einem Street-Tape oder so. Diesmal wollte ich, dass wir das Ruder übernehmen und Raf gehört ja praktisch auch zu uns. Das war einfach unser Ziel, nicht so viele mit ins Boot zu holen, da wir sowieso genau wussten, wie das Album werden soll. Und ich picke auch nur noch Beats, wo ich mir denke, dass ich ihn selber nicht hätte machen können.



Wo du grad Sti und Brisk erwähnst: Die standen ja genauso wie Beatlefield in Kontakt mit Volkmar Kramarz, der euch für das Buch „Die HipHop-Formeln“ interviewt hat. Hast du das Buch denn auch bekommen?

Natürlich hab ich das bekommen.


Gelesen?

Klar. Nicht alles, aber ich hab es gelesen.


Hat es deine Arbeit beeinflusst?

Nee. Aber das habe ich auch schon im Interview mit ihm gesagt: Wir arbeiten nicht nach Schema F. Bei uns ist das einfach Gefühl. Was rauskommt, kommt raus. Ich denke mir nicht „Hier ein Akkord, und da, und bla.“ Davon habe ich keine Ahnung. Also das hat mich in keinster Weise beeinflusst. Ich denke auch nicht, dass man das Buch lesen kann und dann ein Top-Produzent ist, weil da das und das steht und man dann das und das machen muss. Der hat uns ja quasi erklärt, wie wir unsere Musik machen.


Gerade dadurch hätte es ja sein können, dass ihr bewusst das einsetzen könnt, was vorher nur unbewusst und durch Gefühl gemacht wurde.

Nee, auf keinen Fall. So reingehängt habe ich mich dann auch nicht in das Buch. Ich hab in erster Linie unser Interview gelesen. (lacht)


Rappst du oder produzierst du schon länger?

Ich rappe länger, als ich produziere. Ich habe schon immer ein bisschen produziert, ich habe ja damals mit der Groovebox von Roland angefangen, mit der 303er und bin dann irgendwann mal in die Klasse er 505er aufgestiegen, als ich mehr Kohle hatte – aber das war’s dann auch schon. Ich meine, bei uns damals in Linz gab es nicht so viele Produzenten. Stickle hatte sehr viel mit der Schule zu tun und konnte auch nicht immer Beats machen. Irgendwann ging mir das auf den Sack. Ich wollte rappen und hatte keine Beats. Dann habe ich halt angefangen, selber Beats zu machen. Das war aber immer Chaos. Ich bin immer mit irgendwelchen Sachen zu Stickle gerannt und meinte „Hier, mach mal das und das“ und er war schon voll genervt und ich meinte „Dann bring es mir bei!“ Dann hat er mir nen PC hingestellt, hat mir Logic draufgepackt und mir das gezeigt. Ich hab ihn voll lange genervt, bis ich wusste, wie das alles funktioniert. Also ich kann ja Klavier und Instrumente spielen, von daher war das nicht das Problem, es war einfach nur das technische Problem bei mir.


Welche Rapper hast du damals gehört?

Natürlich Eminem, Standard. Busta Rhymes, klar, einer meiner Favorites, Joe Budden auch. Alles irgendwie, alles. Außer Snoop Dogg und so, das hab ich immer schon gehasst. Tupac hab ich auch immer schon gehasst, auch wenn ich dafür bestimmt jetzt angespuckt werde auf der Straße. (lacht) Aber B.I.G., Tupac und so konnte ich mir nie reinziehen, das hat mir nie gefallen. Ich war eher aus der Wu-Tang-Generation. Ja, und von den Deutschen? Ich hab früher Savas, Azad, das alles gehört, als ich noch jung war, das hat mich alles geflasht. Creutzfeld & Jakob oder Aphroe, damals mit RAG. Das hör ich mir heute manchmal noch an, Sachen von Aphroe, und denke mir „Woah, krass!“ Wie der damals schon gerappt hat, wenn der heute wiederkommen würde und genau die gleichen Sachen rappt, wäre er immer noch einer der besten.


Wo du Busta Rhymes erwähnst: Warum hängt ein Poster von ihm über deinem Klo?

(lacht) Ja, wir lassen uns gerne beim Pissen beobachten. Nee, keine Ahung. Der war ja irgendwann mal in Berlin und mein Manager Hamadi war damals auf dem Konzert und hat sich dann dieses Poster geholt. Wir haben den dann aus Spaß einfach dahin gehangen: Ein riesengroßer Typ, der dir auf die Nudel guckt beim Pissen. Ist doch schon cool.


Wie hast du dir damals erklärt, dass es in Österreich keine eigene Rap-Szene gab und du Musik aus einem anderen Land hören musst?

Naja, das ist leicht erklärt: Weil das alles Scheiße ist. (lacht) Keine Ahnung. Inzwischen entwickelt sich ja schon viel. Nazar hat ein gutes Ding hochgezogen, auch Jack Unterweger mit seinem Mundart-Ding, oder Kayo. Sind alles sehr talentierte Leute, aber die sind eh alle aus unserem Umfeld, mit denen hab ich auch zu tun. Und die bauen da jetzt schon was auf, aber der Rest ist halt hängen geblieben. Ah, Kamp ist noch cool, der hat auch ein cooles Album abgeliefert, hab ich aber erst jetzt gehört. Aber der Rest ist einfach hängen geblieben, das klingt alles wie vor 10 Jahren. Und sobald du irgendwas erreichst, kommt immer gleich irgendein Neider und muss dich haten. Wenn ich in dieses komische hiphop.at-Forum gehe und lese, was da über mich steht – ich könnte da reinkotzen. Also ich gucke da jetzt eh nicht mehr rein, aber ich denk mir „Ihr seid alles Vollidioten!“ Die feiern Sachen, die klingen wie aus der Ära von Premo. Und bei unserer Mucke heißt es dann „Was ist das denn für Müll?“ oder „Alles Dreck!“ – aber das wird sich auch so schnell nicht ändern, wenn nicht irgendwann mal ein Meteorit auf die HipHop-Szene stürzt. (lacht)


In einem Interview hast du Gerard MC als „komische Schwuchtel“ bezeichnet – warum du das getan hast, wurde nicht gefragt.

(lacht) Das hat sich eh schon wieder alles geklärt. Ist alles cool. Wir haben jetzt eh gar keinen Kontakt mehr. Ich habe da halt einen kleinen Ausraster gehabt und ihn beschimpft, aber wir haben das alles hinterher geklärt per Mail. War vielleicht nicht nötig, das zu sagen, aber die Sache ist gegessen, das ist auch schon wieder 100 Jahre alt. Genauso wie die Sache mit J, die ich damals hatte, dieser Beef ist ja auch schon wieder beendet. Ich halt mein Maul, er hält sein Maul, fertig. Es kommt ja sowieso nichts bei raus.


Nervt es dich eigentlich, ständig auf Österreich angesprochen zu werden oder freust du dich, dich damit immer leicht abheben zu können?

Ich find’s cool, Alter. Ich selber mache da jetzt nicht so ein großes Ding draus. Klar, cool, ich bin Österreicher. Aber hallo? Ich spreche Deutsch! Von daher ist es scheißegal, ob man aus Österreich oder Deutschland kommt, wir sprechen die gleiche Sprache, wir schreiben sogar gleich. Das müssen sich die Leute mal vorstellen! (lacht) Wir laufen auch nicht alle in Lederhosen rum und haben nur Berge und Ziegen. Es ist im Endeffekt das gleiche, nur ein bisschen kleiner. „Ich bin stolz auf mein Land“ klingt immer so komisch, damit kann ich nichts anfangen, aber mein Land ist cool, ich mag die Leute da – damit hat es sich aber auch. Natürlich finde ich es cool, dass ich der erste Österreicher bin, der hier mal was reißt, und der erste Österreicher auf dem JUICE-Cover – das kann mir ja auch niemand mehr nehmen. Das sind Sachen, die find ich cool, genauso wie diese ganzen EMA-Sachen. Das hat schon was, aber das ist für mich nicht so wichtig.


Wobei die Sprache ja schon oft anders klingt. Manche von euch rappen mit diesem Akzent, du eher weniger.

Wenn ich normal spreche, habe ich den auch. Ich habe mit Jack Unterweger auch so eine Nummer gemacht, die heißt „Wos willst duan“, die ist auch in unserem österreichischen Slang gerappt. Und ich werde auch zum Spaß mit ihm ein Mixtape oder so machen, da werden die Deutschen natürlich gar nichts verstehen, aber das macht mir halt momentan Spaß. Wir in Österreich haben halt einen ganz anderen Humor als in Deutschland, unser Humor ist ja tiefschwarz. Das kann ich da halt ausleben. Von daher mach ich das jetzt einfach mal und gucke, wie es ankommt.


Bei deinem kommenden Album willst du mit einer Band arbeiten. Wie weit ist da die Planung, steht die Band schon?

Alles nur im Kopf. Also wir gucken jetzt gerade, wie wir das ganze angehen. Wir haben die Leute, mit denen wir was machen wollen – ob dann auch wirklich jeder Zeit hat, zu dem Zeitpunkt, wo wir sie brauchen, muss man sehen. So ein Album ist natürlich ein riesiger Aufwand. Ich habe Samys Album gehört und es war teilweise auch cool, aber es soll bei mir nicht so werden wie das. Es soll kein Band-Album werden, es muss schon unser Beatlefield-Ding bleiben, aber wir wollen das halt mit Band vereinen. Das ist, glaube ich, ein langer Weg bis dahin, dass es richtig klappt. Es wird eine richtig aufwendige Produktion werden.


Wie erklärst du dir, dass viele Rapper jetzt in diese Richtung gehen? Neben Samy gibt es ja noch Dendemann, Jan Delay, vielleicht Peter Fox…

Ja, aber das ist ja nicht Rap. Ich will trotzdem noch Rap machen. Ich will natürlich ein bisschen weg von diesem komischen HipHopper-Image, daran arbeite ich eh gerade. Aber das ist mir alles dann schon wieder zu pseudo-erwachsen. Das muss nicht sein. Es sollte schon Rap bleiben, aber halt auf eine coole Art und Weise, die sich sowohl ein 14-Jähriger wie als auch ein 40-Jähriger reinziehen kann. Darauf arbeite ich hin und wenn ich das erreicht habe, kommt das Album raus.


Werden sich denn auch die Texte verändern dafür?

Ich bin jetzt 29 und werde nächstes Jahr 30. Auf dem Album jetzt habe ich wirklich nochmal gut auf die Kacke gehauen und auch Wörter benutzt, die ich normalerweise so nicht mehr sage, weil es mir einfach Spaß gemacht hat. Aber das werde ich auf jeden Fall entschärfen. Dieses ganze Schwanz-Hure-Blablabla wird in dieser Form in Zukunft nicht mehr vorkommen. Auf Mixtapes natürlich, ich will mich ja hin und wieder ausleben, das wird es weiterhin geben. Aber die Hauptmusik wird dann anders.


Im Forum diskutieren.


(mh)