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“VOX wollte mich für eine Doku-Serie”

26 Mai 2010

Am kommenden Freitag erscheint das neue Pimpulsiv-Album “Hepatitis P”. MeinRap.de sprach mit den Jungs über Goa-Partys, ein Angebot von VOX und einen verpassten Gastauftritt auf “John Bello Story 3″.


Nach der Crackstreet Boys-EP, die auch als Download erschien, ist euer Album das erste große Release von Trailerpark. Was sind die Erwartungen und wie hoch ist der Druck?
Timi: Ich hoffe, dass sich unser noch sehr junges Trailerpark-Label, das wir zusammen mit DNP aus Berlin gegründet haben, dieses Jahr noch weiter etablieren wird. Das Release von „Hepatitis P“ war ja erst der Startschuss für all die wundervollen Sachen, die wir noch geplant haben – falls wir nicht nach dem Pimpulsiv-Album schon pleite sind. (lacht) Druck-Situationen gibt es auf jeden Fall, da wir die Labelarbeit auch ernsthaft versuchen umzusetzen und im ständigen Kontakt zu DNP stehen, um Projekte zu erarbeiten. Da ich leider sehr perfektionistisch veranlagt bin, setze ich mich sowieso permanent selbst unter Druck.

Skinny: Meine Erwartungen beziehungsweise Hoffnungen sind, dass sich die Fangemeinde der pimpulsiven Musik noch weiter vergrößern wird und die Leute hungrig nach mehr Material von uns und aus dem Hause Trailerpark werden. Was Verkaufszahlen angeht, ist die Hauptsache, dass wir am Ende wenigstens unterm Strich auf plusminus Null sind. Aber anhand der bisherigen Vorverkäufe sehe ich da auch keinen allzu großen Druck, es scheint schon einige Leute zu geben, die sich für unseren geistigen Dünnschiss interessieren. (grinst)


Wie lange habt ihr insgesamt am Album gesessen?
Timi: Ich hab circa 2 bis 3 Monate vor dem Abgabetermin angefangen, Beats zu sammeln, und hatte Glück, dass ich von den verschiedenen Produzenten wirklich super Sachen bekommen habe. Unsere Trailerpark-Produzenten Cristal und Hookbeats haben mich dabei auch sehr unterstützt und zusammen mit Skinny Shef den Großteil des Albums produziert. Außerdem wollte ich auch, dass die Songs teilweise etwas melodischer werden und das ganze Paket musikalisch reifer wird. Ich hab dann angefangen, mir Melodien zu meinen Texten auszudenken und Beatmasta hat das alles dann wunderschön gesungen, wie man bei den Songs „Plastikmenschen“ und „Raus“ hören kann.
Skinny: Ich hab mit der Arbeit etwas später als Tim angefangen, der sich um die Songideen gekümmert hat und dann mit denen zu mir kam. Manche Hooks haben wir zwar auch zusammen geschrieben, aber mein hauptsächlicher Arbeitsaufwand lag in dem Schreiben meiner Parts und der Produktion der Beats. Ja, und für das Cover und Promomaterial musste ich dann auch noch einige Tage und Nächte arbeiten. Da war der Druck dann ziemlich groß, alles termingerecht hinzubekommen. Aufgenommen haben wir das Album dann ungefähr innerhalb eines Monats bei Bjet, der auch das komplette Album gemischt und zusammen mit Gee Futuristic den Beat für das Intro produziert hat. Die Fertigstellung der Master-CD für das Presswerk war auf jeden Fall auch eine Last-Minute-Aktion, aber dank Bjet hat ja alles wunderbar geklappt.


Wo seht ihr die Unterschiede zu „HURZ“?
Timi: „HURZ“ war eine bloße Ansammlung von Songs, die dann einfach zusammen gewürfelt wurden. Auf der Compilation waren dann auch viele ältere Stücke dabei, die wir aber vorher nie veröffentlicht haben. Das soll aber die Tracks nicht abwerten! Da wir länger nichts gemacht hatten und gerade dabei waren, mit DNP das Trailerpark-Label zu gründen, dachten wir uns, dass es erst mal besser wäre, mit einem Download-Projekt zu starten. Die Resonanz darauf war auf jeden Fall super.


War es ein bewusster Schritt, das Album genreoffener zu machen?
Timi: Ja, das „Hepatitis P“-Album ist auf jeden Fall ganz anders geworden als „HURZ“ und bewusst offener gestaltet, was das Soundbild angeht. Ich höre selber auch eigentlich gar nicht mehr so viel Rap. Bei der Entstehung dieses Albums hab ich Monate lang nur „Böhse Onkelz“, „La Roux“ und „CocoRosie“ gehört. Währenddessen hab ich ganz viel Youporn und Phoenix geschaut und jeden Tag 2 Gramm Weed geraucht. Das waren die wesentlichen Quellen meiner Inspiration. Ich wollte auch kein reines Rap-Album machen, sondern eher den Pimpulsiv-Sound etwas umgestalten. Alle Produzenten, mit denen wir zusammen gearbeitet haben, haben das musikalisch super umgesetzt. Auch Dana, die bei dem Song „Wohnwagensiedlung“, den wir mit DNP und Sudden gemacht haben, den Refrain singt, bereichert unsere Musik total und wird in Zukunft bestimmt noch häufiger bei uns zu hören sein.



Man vernimmt Reggae-Einflüsse, „Raus“ erinnert an Die Ärzte. Hört ihr auch privat solche Musik?
Skinny: Ich bin jetzt nicht so der Reggae-Fan, das liegt aber eher daran, dass ich eine zeitlang fast nur auf Dancehall-Partys gegangen bin, weil nichts anders in Bielefeld ging und ich das wahrscheinlich überdosiert habe, so dass es mir jetzt aus den Ohren raushängt. Aber im Grunde ist Reggae schon ganz nice, nur ist es nicht das, was ich auf dem MP3-Player höre. „Die Ärzte“ höre ich mir auch privat ganz gerne an, die Texte sind auf jeden Fall cool, und außerdem begleiten sie mich schon fast mein ganzes Leben. Ich bin jetzt aber nicht der Über-Fan. Ich bin eh immer offen für gute deutsche Musik, da ich die Texte einfach besser verstehe. Sonst höre ich viel elektronische Musik und mehr die Rapmusik aus dem Süden der USA. Ich mag einfach elektronische Klänge.
Timi: Eigentlich höre ich sehr viele verschiedene Sachen und bin auch nicht festgelegt auf irgendein Genre. Reggae und Punk höre ich seit meiner Kindheit, früher hab ich auch viel Hardcore gehört. Madball, Sick of it All und so weiter. Was ich aber  absolut hasse, ist Goa! Obwohl Goa-Partys wegen den ganzen Freaks, die dort rumlaufen, immer sehr lustig sind, das entschädigt dann für die scheiß Mucke.


Auf „Fernsehkompatibel“ spielt ihr auf viele TV-Größen an. Was genau läuft bei euch und wo schaltet ihr weg?
Skinny: Bei mir laufen die Simpsons, South Park, Family Guy und American Dad, ich mag einfach den Humor dieser Serien. Vor nicht allzu langer Zeit hab ich mir auch zwei Staffeln der „Trailer Park Boys“ gegeben, um mal zu vergleichen, ob es denen besser geht als mir. (lacht) Nee…die Serie ist aber nicht ganz so gut, ist mehr unterschwelliger Humor. Man liegt beim Schauen jetzt nicht in der Ecke und lacht sich tot. Das lustige an der Serie ist, dass die Protagonisten zu Beginn einer Staffel aus dem Knast kommen und während der Staffel versuchen, bloß nicht wieder rein zu kommen, aber am Ende doch wieder hinter Gittern landen, weil sie sich einfach zu dumm anstellen. Ansonsten läuft bei mir auch viel Phoenix und Arte, ich mag Dokumentationen, die sich mit Geschichte befassen. „Raus aus den Schulden“ mit Peter Zwegat schaue ich auch, wenn ich beim Zappen zufällig auf RTL lande. Ich finde es verblüffend, wie er den Leuten mit 300.000 Euro Schulden hilft, indem er nur einen Bruchteil der Schulden auftreibt und unter den Gläubigern verteilt. Man merkt, ich bin ein Medienjunkie und mit dem Fernsehen aufgewachsen. Eigentlich schau ich schon ziemlich viel und vergesse leider viel zu oft, wegzuschalten. Deshalb bleibe ich auch manchmal bei irgendwelchen TV-Wahrsagern hängen und habe Mitleid mit den Menschen, die sich auf einer Telefonhotline für 99 Cent die Minute Hilfe suchen müssen und auch noch daran glauben.
Timi: Am liebsten schaue ich mir immer noch South Park an. Ich finde, es gibt nichts, was auf humoristischer Ebene besser ist. Außerdem sind die Seitenhiebe auf Prominente und das aktuelle Weltgeschehen immer megalustig. Kurt Krömer feier ich auch total. Diesen ganzen Reality-TV-Schwachsinn finde ich meistens nur abartig. Obwohl „Schwiegertochter gesucht“ wirklich amüsant war. (grinst) Aber trotzdem finde ich es eigentlich scheiße, dass dort die Dummheit der Menschen ausgenutzt wird, um sich an ihnen zu bereichern und sie öffentlich zu erniedrigen.


Was sagt ihr zu dem KIZ-Zitat „Im Fernsehen lachst du Bauern aus, die genauso sind wie du“?
Timi: Kann ich nicht unterstreichen. Die Frage ist ja auch, ob man da wirklich immer lachen kann. In vielen Fällen bleibt einem auch das Lachen im Halse stecken, weil einem die armen Idioten irgendwie leid tun, die alles für ein bisschen Geld mitmachen. Das ganze Nachmittags-Programm der Privatsender ist ja durch Reality-Shows geprägt und ich finde, das Niveau ist ganz weit unten. Mir gefällt es nicht, dass Menschen, die in den meisten Fällen einer eher bildungsfernen Schicht angehören, durch inszenierte und gescriptete Storys medial erniedrigt werden. Ich will damit aber nicht sagen, dass es verwerflich ist, über die Dummheit anderer Menschen zu lachen. Im Gegenteil, Schadenfreude ist immer noch die schönste Freude, aber diese Sendungen finde ich trotzdem scheiße. Dazu fällt mir gerade noch etwas anderes ein. Mir wurde vor etwas längerer Zeit per Myspace angeboten, bei einer Doku–Serie für VOX mitzumachen, was ich aber abgelehnt habe. Die Doku sollte „Wie lebst du denn?!“ heißen und mein Vater sollte eine Woche bei mir wohnen. Aber das hätte ich für kein Geld der Welt gemacht! (lacht)
Skinny: Ich denke mir in den meisten Fällen: „Oh mein Gott, warum machst du da mit?“ Mir fällt es schwer, Leute in Talkshows auszulachen, und meistens habe ich Mitleid. Auf der anderen Seite hab ich auch Verständnis für Talkshowgäste, denn ein Vaterschaftstest kostet ja auch ‘ne Stange Geld, da geht man lieber mal zu Britt und bekommt ihn gratis.


Es gab auch schon einen Song namens „Radiokompatibel“, jetzt kommt „Fernsehkompatibel“ – was ist der nächste Schritt?
Timi: Weiß ich noch nicht, vielleicht fällt mir das ein, wenn ich mit Vortex ein paar Pilze esse. (lacht)
Skinny: Internetkompatibel sind wir ja schon länger, damit hätten wir jetzt eigentlich alle elektronischen Medien abgedeckt. (lacht) Oder?


Ihr habt einen Track namens „Plastikmenschen“ auf dem Album. Welche Eigenschaften machen euch zu guten beziehungsweise besseren Menschen?
Timi: Ich finde, man sollte die Menschen gar nicht in gut und böse einteilen. Jeder hat positive und negative Eigenschaften, die er mit sich durchs Leben trägt, und muss für sich selbst seine eigenen Maxime festlegen. Aber wir sind wahrscheinlich auch auf irgendeine Art und Weise alle ein bisschen Plastikmensch.
Skinny: Ich würde mich jetzt nicht als guten Menschen, aber auch nicht als schlechten Menschen bezeichnen. Wie Tim schon meinte, jeder hat seine guten und schlechten Seiten und jeder hat seine Fehler. Ab und zu helfe ich mal einer alten Frau über die Straße und manchmal denke ich auch daran, wie es wäre, ihr einfach die Handtasche zu klauen. Aber ich würde es natürlich niemals tun.



Wird man Pimpulsiv in Zukunft öfter explizit sozialkritisch hören?
Timi: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich schreib eigentlich immer das, wonach ich mich gerade fühle. Bei mir ist alles immer sehr stimmungsabhängig. Ich hab aber auf jeden Fall Bock, mit Beatmasta von DNP noch öfter Tracks zusammen zu machen. Ob das dann auch Reggae wird, weiß ich aber noch nicht.


Auf „Ameisenhaufen“ featuret ihr Morlockk und JAW – wie kam der Kontakt zu Stande?
Timi: Dilemma kennen wir ja schon seit der „Borderline auf Achse”-Tour und wir wollten schon immer mal einen Song mit ihm machen. Er hatte auch immer Bock drauf und diesmal hat’s dann irgendwie noch ganz kurzfristig geklappt. Bei JAW war es so, dass Basti von DNP mir erzählt hat, dass Jotta unsere Musik feiert. Da es uns mit seiner Musik genauso geht, haben wir dann telefoniert und ich hab ihm den wunderschönen Cristal-Beat geschickt und dann lief alles cool. Kauft euch unbedingt die neuen Alben von den Beiden!


Außerdem gibt es mit „Freitag Nacht“ wieder einen Track mit vielen Gästen. Ist es euch wichtig, solche Posse-Tracks zu machen?
Timi: Auf jeden Fall! Das hat sich früher so ergeben, weil wir alle immer in der WG von Lump und Elch rumgehangen haben, und dann haben wir das halt so beibehalten. Es fing mit „Das Pimperium schlägt zurück“ an, dann kam „Komm ma ran“, auf dem Album von Casper war „Stampf ihn ein“ drauf und jetzt haben wir mit „Freitag Nacht“ den vierten Teil gemacht. Der neue Song ist aber kein Crunk-Song geworden. Es macht auch immer sehr viel Spaß, mit allen zusammen aufzutreten! Wichtig war uns auch, dass alle Freunde aus unserem musikalischen Umfeld mit auf dem Album vertreten sind, egal, ob es dann später als Kritikpunkt angeführt wird, dass zu viele Features auf dem Album sind.


Dennoch sind auf diesem Track eher die Bielefelder vertreten statt der Rest von Trailerpark.
Skinny: Wir haben ja auch mit „Wohnwagensiedlung“ und „Raus“ zwei Trailerpark-Songs auf dem Album. Wenn Sudden, Basti und Beatmasta auch noch bei „Freitag Nacht“ mitgemacht hätten, wäre das ja ein endloser Song geworden.


Ich habe gehört, ihr habt die Chance gehabt, auf „John Bello Story 3“ zu sein – was ist da schief gegangen?
Timi: Hab ich auch gehört, aber keine Ahnung! Es hieß, wir hätten auf Myspace eine Mail von seinem Management bekommen, die wir nicht beantwortet hätten, und deshalb hat es dann nicht geklappt. Aber wir wissen überhaupt nichts von dieser mysteriösen Mail. Eigentlich beantworten wir so gut wie alle Myspace Mails. Wir hätten natürlich sofort bei dem Track mitgemacht, weil wir Savas feiern. Ich fänd auch geil, wenn das in Zukunft irgendwann mal klappen würde.


Die letzten Worte gehören euch.
Beide: Kauft euch „Hepatitis P“ und schaut bei www.trailerpark-shop.de vorbei! Danke für das Interview!


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(mh)