Pimpulsiv – Hepatitis P (Review)

Nach “Hoetry” und “HURZ” jetzt also “Hepatitis P”. Pimpulsiv befolgen weiterhin ihre Linie, jeden Albumtitel mit dem Buchstaben H beginnen zu lassen. Auch inhaltlich bleiben sich Pimpulsiv treu. Entsprechend dem Trailerpark-Kontext, in den sich die Jungs mit ihrer neuen Labelheimat eingeordnet haben, wird also der Alltag in der Unterschicht ausgiebig beweihräuchert und zelebriert.
So loben die Bielefelder etwa RTL und VOX in den Himmel (“Fernsehkompatibel”), mokieren sich über ihre faule, fette Lebenspartnerin (“Raus” feat. DNP & Sudden), erfinden Diagnosen, um ihren Rauschgiftkonsum zu rechtfertigen, huldigen ihrer Heimatstad Bielefeld und beklagen sich über Nahrungsmangel – eigentlich alles wie gehabt also.
“Wenn ich in den Kühlschrank gucke, kommt bei mir das Selbstmitleid/
Mein Käse ist ein Bonze – denn er trägt nen Pelz in weiß/”
[...]
Muss mich laufend übergeben/ mein Bauch macht mir Probleme/
Das liegt an den Fliegenresten von der Rauhfasertapete/
Hab zu viel Appetit, Popel trockne ich als Snack/
Kratze die Katze von der Straße mit verrostetem Besteck/”
Dennoch hält dieses Album einige Überraschungen bereit. Mit “Plastikmenschen” feat. DNP findet sich nicht nur ein für Pimpulsiv seltener Song mit einem ernsten Thema auf dem Album, auch musikalisch wird hier mit einer starken Reggae-Tendenz Neuland beschritten. Überhaupt präsentieren sich Pimpulsiv überraschend offen für anderen Genres: “Raus” kommt mit einem rockigen Gitarrenriff um die Ecke, das “Minimal Klaus”-Interlude driftet in elektronische Gefilde ab – dennoch wirkt der Soundteppich einheitlich.
Auch in Sachen Eingängigkeit haben sich die Pimpulsiven seit “HURZ” merklich gesteigert. Gleich mehrere Hooks wurden von DNPs Beatmasta und Dana eingesungen und sorgen für Ohrwurm-Potenzial. Lediglich “Ameisenhaufen” feat. JAW & Morlockk Dilemma will aufgrund des Beats nicht zünden und auch wenn “Tokio Bordell” feat. Meister Elch & Johnzen durchaus zu begeistern weiß – an den Vorgänger auf “Hoetry” kommt es bei weitem nicht ran. Und wo wir schon bei den großen Kollabos sind: “Freitag Nacht” mit Casper, Randale 5000, Meister Elch kann die Reihe von “Komm ma ran” und “Stampf ihn ein” nahtlos fortsetzen – Hit! Auch die restlichen Features machen ihre Sache gut.
“Ne Pille und ne Kokarette/ chille in der Sofaecke/
immer auf der Suche nach ner willenlose Hoe zum Lecken/
Im WC Pep in Massen/ man nennt mich auch Shef, die Assel/
Tim steht Schmiere und ich klau der Klofrau die Toilettenkasse/”
Der größte und nahezu einzige, wirkliche Schwachpunkt des Albums ist der Storyteller “Dispokredit”, bei dem die beiden Protagonisten einen Bankraub beschreiben und dabei komplett das vermissen lassen, wofür man sie feiert. Passt nicht nur nicht zu dem Rest des Albums, sondern ist auch ziemlich unspektakulär umgesetzt und damit langweilig.
Fazit: “Hepatitis P” führt die Schiene von Pimpulsiv konsequent fort und baut den Sound weiter aus. Der eigentlich ziemlich festgefahrene Themenhorizont wird dank facettenreicher Bearbeitung und einer Menge Humor nie langweilig – sehr unterhaltsame Platte!
(mh)
Trailerpark beim Fußball gucken (Video)





