Black n Proud im Interview: “…wir sind halt nicht cool mit Fettes Brot”

Mr. Schwarz und Bonzi Stolle, besser bekannt unter der englischen Version ihrer Nachnamen – Black n Proud – veröffentlichten dieser Tage ihr zweites Album “…rennen Rap (und es läuft korrekt)”. Grund genug für Meinrap.de, die Schwaben nach einer feuchtfröhlichen Releaseparty zum Interview zu bitten. Vor dem Stuttgarter Hypeclub plauderten die Beiden über Schüler im Farid-Bang-Alter, Franky Kubricks Liebe zu Anglizismen und den Unterschied zu den Orsons.
Hallo Männer. Eminem zeigt sich auf seinem neuen Album unzufrieden mit dem Vorgänger “Relapse”. Seid ihr noch zufrieden mit eurem Debüt “Whities with Attitude”, jetzt wo “… rennen Rap” kommt?
Schwarz: Das neue Album ist erstmal kein Album, sondern eher eine Ansammlung von Tracks… ein Tonträger.
Stolle: Doch, klar ist das ein Album! Ich find’s gut, sehr gut. Aber “Whities with Attitude” mag ich trotzdem immernoch. Kann ich mir immernoch anhören und sagen: Würd ich genau so nochmal machen. Aber das neue kann auf jeden Fall dem alten Konkurrenz machen. Es ist auch besser, so von den Rapskills her, wie wir betonen und so weiter. Und es ist auch echt keine Ansammlung von Tracks, wie Schwarz gesagt hat. Wir machen jetzt nicht 60 Songs und picken dann irgendwelche. Wir machen immer einen Tracks so, dass er tight ist und auf das Album draufpasst. Bei uns fällt also wenig Material raus, das ist schon alles so geplant.
Schwarz: Vor ein paar Jahren haben wir halt gesagt: Wir machen jetzt unser Debüt, versuchen damit dies, das, jenes zu erreichen. Wir haben nicht alles geschafft, aber die Leute kennen zumindest mal unseren Namen. Dann hatten wir ne Weile anderes Zeug zu tun und haben jetzt halt gesagt: Lass mal n Mixtape oder so machen, damit die Leute wieder was haben. Aus dem Mixtape ist halt was richtig gutes geworden, also haben wir uns entschieden, das Ding auf Tape, CD und zum Download rauszubringen, dann können die Leute sich entscheiden. Und wir haben endlich wieder n Release. Wie man das jetzt nennen mag – Album, Mixtape, Tonträger – das können die Hörer selber entscheiden.
Das Album sollte erst “Echt erkennt echt” heißen. Warum die Änderung, gab’s weitere Alternativen?
Schwarz: (lacht) Black n Proud ist ja die Band, die mehr Albentitel als Alben hat. Wir hätten noch anzubieten: “Ein bisschen größer als ein Haus”, Stolles Solo-Ep “Stolle mit Hiphop” oder “The Lasagne Incident”… “Echt erkennt echt” sollte es heißen, weil wir ursprünglich viele Features machen wollten. Letztlich ist’s aber bei einen Track geblieben: “8×8″ mit Franky Kubrick, Creme Fresh, Juse Ju, Rockstah und Shiz… Jedenfalls hat “Echt erkennt echt” nicht mehr gepasst, so kamen wir dann auf “Rap über Rap”, weil halt wirklich fast nur Rap über Rap machen, wie die Stiebers. (lacht) Das war aber n langweiliger Titel. Und weil Stolle Lakmann-Fan ist, hat er gesagt: “Komm wir rennen Rap und es läuft korrekt.”
Stolle: Würd ich alles so unterschreiben. Wie war die Frage nochmal? Achja… “Echt erkennt echt”… Ich bin riesen Echt-Fan. Kim Frank! Der Wahnsinn.
Schwarz: (lacht) Wir wollten auch so nen Skit machen, wo Kim Frank uns erkennt. Echt erkennt echt eben. Wir wussten aber nicht, ob die Leute das so ticken. Und ob Kim Frank das so tickt.
Wer hat die Beats gemacht, wie kamt ihr auf die Produzenten des neuen Albums?
Stolle: Also, ich zähl mal n paar auf: The Gunna von Hustle Heart, Zwieback, Bromm, Kova aus Hannover, Heitech, der das ganze auch gemischt hat… Achja, ein Beat ist auch schon mal auf der Stieber Twins Platte erschienen. Den haben die uns einfach so gegeben, danke an der Stelle! Den Großteil haben aber einfach Leute gemacht, mit denen wir auf der ersten Platte auch schon zusammengearbeitet haben. Warum sollten wir uns bei irgendwelchen anderen Leuten Beats shoppen, wenns so gut läuft? Never change a winning team!
Schwarz: Wenn uns jemand Beats geben will, die uns gefallen, sind wir da aber auch offen.
Das Album gibt’s, wenn man nicht auf der Releaseparty war, nur als als Mp3-Download. Warum? Glaubt ihr, die CD hat überhaupt noch ne Zukunft?
Schwarz: Real Talk jetzt. Wir machen hier ne Release-Party. Ich hab da so… Finanzen reingesteckt. Alle erzählen immer, sie verkaufen krass. Irgendwo hab ich hier so ne Liste… (kramt im Geldbeutel, zieht Zettel raus) Also: Wir haben auf unserer Releaseparty sechs CDs verkauft, zwei Tapes, und noch n altes Album. Das macht… neun. Ah, nee, eine ging noch für nen Euro raus. Wir haben zehn Cds verkauft. Wie war die Frage?
Dann ist die Frage, ob ihr beim letzten Album was rausbekommen habt, wohl hinfällig?
Schwarz: Hier, frag mal den Labelboss.
Popbizenemy Labelboss Sushi: Natürlich, ich fahr nen Jaguar. Nein, Spaß beiseite. Finanziell lohnt sich das gar nicht. Wenn man auf Null rauskommt, war’s ein Erfolg. Aber man muss auch immer sehen, mit was für einer Motivation man an die Sache rangeht. Es geht uns schließlich nicht ums Geld.
In der Stuttgarter Region seid ihr bekannt dafür, dass es live gut abgeht. Wie wichtig ist für euch diese Live-Performance?
Stolle: Live spielen ist immer geil. Wir haben aber in letzter Zeit gar nicht so viele Auftritte… Der letzte war im Januar in München mit Blumentopf. Also: booking@popbizenemy.de – schreiben, wir sind auf jeden Fall am Start.
Schwarz: Erstmal: Live macht am meisten Spaß. Aber auch zu dem finanziellen Thema von grad: Das ist der einzige Weg, noch n bisschen was an den Mann zu kriegen, dass du ne gute Show spielst, ob die groß, klein oder mittel ist. Danach stehst du dann da mit nem Stand, ein paar CDs und deinen vier, fünf T-Shirts und versuchst, n bisschen was zu verkaufen. Aber natürlich ist live spielen auch wichtig, weil du Feedback kriegst von den Leuten aus der ersten Reihe, ob’s denen wirklich gefällt oder nicht. Wir tun’s immer wieder gern.

Zu euren Anfängen: Ihr seid recht lange dabei. Wie seid ihr zu Hiphop gekommen und was hat sich seither in der Szene verändert?
Stolle: Angefangen hat’s bei mir mit Blumentopfs “Kein Zufall”, “Silium” von Fünf Sterne Deluxe… Diese goldene Zeit, wie man so schön sagt. Und was hat sich verändert? Naja, da wurden schon tausende unschuldige Wörter benutzt… Lest Falk und so weiter, ihr wisst ja schon selber Bescheid. Ich sag nur immer: Mit diesem ganzen Gangsta-Rap und so ist das heute nicht mehr so Jam-lastig und familiär. Wir sind halt in dieser goldenen Zeit aufgewachsen, wir kennen das so. Und die jüngeren Leute, die mit dieser Aggro-Schiene aufgewachsen sind und dabei bleiben, die sagen dann wahrscheinlich in ein paar Jahren: So ein Scheiß, früher war’s so geil…
Schwarz: Ich frag mich oft, ob die Leute, die heute erfolgreich sind, für die Kids so nen Stellenwert einnehmen, wie das für uns früher der Fall war. Ich hab lang Amirap gehört. Cypress Hill, Eazy-E, dies, das… Ich war bei meiner Mutter in Berlin und hab ein Wordcup-Video gesehen. Da kam das eine Video von Rakim, aber auch Eins-Zwo waren live da und haben “Ich so, Er so” gespielt. Ich hab die 60 Minuten gesehen, saß da und hab nur gedacht: “Krass, das ist es!” Ich denke, vielen ging es ähnlich: Ich wusste gar nicht warum, es jetzt das ist, es hat mich einfach geflasht. Und ich frag mich halt, ob für die Leute heute Rap so viel bedeutet, wie für uns damals. Die kommen ja durch das Internet auch viel einfacher ran. Hier mal nen Track ziehn, da mal n Video schaun. Ich mein, ich freu mich ja auch. Ich sitz auch zwei Stunden vor YouTube und hör mir geile Rapper an. Aber der Reiz ist halt weg. Der Reiz, ich fahr jetzt 40 Kilometer nach Stuttgart in den Soundshop, such nach zwei Vinyls, die ich mir von irgendwelchen Mixtapes abgeschrieben hab, nehm die mit heim, hör die an und freu mich wie ein kleines Kind, dass ich sie gefunden hab.
War früher alles besser?
Schwarz: Nö. Früher war ich unter 18 und konnte mir keinen Alk kaufen. (lacht)
Alles Klar, wieder zu eurem Rap, ihr spielt gerne mit Anglizismen…
Schwarz: Nein Mann. Franky Kubrick spielt gerne mit Anglizismen!
Stimmt. In unserem Forum hat jemand geschrieben: “Für’s neue Franky Album muss man englisch können…”
Schwarz: Ich hab dazu ne Line: “Auch wenn die Jungs von Frank jetzt angepisst sind/ für uns ist Rap wichtig, wie für Franky Anglizismen…”
Stolle: Aber mal im Ernst, wir haben wirklich zu viele Anglizismen drin. Mir fällt das selber immer auf, wenn wir die Tracks dann anhören. Find ich eigentlich nicht so gut. Aber wir sind halt irgendwie drauf hängen geblieben…
Schwarz: Mehr deutsche Worte! No Nazi. Aber mehr deutsche Worte!
… sagt die Band, die Black n Proud heißt.
Schwarz: Mal ganz ehrlich, du kannst dich auch nicht “Schwarz und Stolz” nennen. Da hätten wir doch auf die Fresse gekriegt. Haben wir aber noch nie und das feier ich echt. Aber wenn wir uns “Schwarz und Stolz” genannt hätten, würden wir hier heute nicht so gesund rumsitzen. (lacht)
Wir haben gehört, ihr seid Hamburg-Rap-Fans, Bonzi hat schon ein Hamburg-Tribute veröffentlicht und die erste Single des neuen Albums ist 5 Sterne Deluxe gewidmet. Seid ihr auch mit der restlichen deutschen Rapszene vertraut? Was sind eure Favoriten?
Schwarz: Haftbefehl! Ich bin sehr vertraut mit der deutschen Rapszene und mein neuer Lieblingsrapper heißt Haftbefehl. Er wird liebevoll von der Rapszene “Hafti” genannt. Ansonsten hör ich mir eigentlich alles an und feier auch vieles.
Stolle: Und von Haftbefehl feierst du alles.
Schwarz: Sehr viel. “Du bist Gangsta – ja ja, wäh wäh!”
Dein aktueller Deutschrap-Liebling, Stolle?
Stolle: Er ist zwar ein Ösi, aber: Kamp One… Seit “Gefährliches Halbwissen” haben die meiner
Meinung nach das beste Album rausgebracht.
Schwarz: Solange die Österreicher nicht besser Fußball spielen können, ist alles cool.
Stolle: Ansonsten gefällt mir das neue Banjo-Album sehr gut. Schön kreativ.
Schwarz: Und Savas! Man muss es hochhalten! Savas macht für Rap sehr, sehr viel, bringt Leute zusammen und so. Ich war die letzten vier Auftritte in Stuttgart und es wurde immer noch ne Schippe draufgelegt!
Stolle: Und KIZ sind auch sehr tight, kann ich gut abfeiern. Du siehst, wir geben gerne Props. Ist untypisch für Rapper, die tun immer alle so, als würden sie keinen deutschen Rap hören. Wir sind halt Fans.
Schwarz: Es gibt aber auch Spasten. (lacht) Auch wenn wir ihn featuren… Juse Ju, du bist ein Spast!
Viele deutsche Rapper fahren mittlerweile die experimentelle Schiene, spielen mit Bands, ändern sogar ganz die Musikrichtung. Was haltet ihr davon, könntet ihr euch so etwas auch vorstellen?
Stolle: Nein. Bei diesem experimentellen Zeug hab ich dann schon immer Samy im Hinterkopf, der jetzt Reggae macht oder so. Oder Curse… Die sollen machen was sie wollen. Aber dass wir jetzt plötzlich anfangen zu singen, oder auf Technobeats abgehen, wird nicht passieren. Da bleiben wir einfach unseren Wurzeln treu.
Schwarz: Ich beneide manchmal Bands. So Rockbands, stadionfüllend. Mit Sänger, Bassist, Gitarrist… Stolle behauptet eigentlich auch immer: So ne Musik würd ich gern machen. Wenn zum Beispiel Coldplay läuft. (lacht) Weil es halt ein anderes Bandgefühl ist, das bleibt bei uns schon ein bisschen zurück. Aber eigentlich ist es live einfach am geilsten: Zwei Rapper, ein DJ.
Der DJ ist euch sehr wichtig?
Schwarz: Auf jeden Fall. Der DJ ist “se backbone of se Hiphop”.

Was macht ihr im “richtigen” Leben?
Schwarz: Ganz ehrlich? Ich arbeite bei meiner Stelle mit vielen Musikern zusammen, die sagen immer: “Schwarz, erzähle niemandem, wo ich arbeite!” Die haben Angst, dass die Leute ihnen den Musikerberuf dann nicht mehr abnehmen, weil sie ihr Geld nicht mit der Musik verdienen können. Find ich peinlich. Ich arbeite in einem Callcenter und helfe den Leuten. Rufst du an, sagst: “Auto springt nicht.” Sag ich: “Dich will ich sehen, wenn dein Auto mal springen würde.”
Stolle: Ich kümmer mich um Deutschlands Zukunft. Ich werde Lehrer.
Wie alt sind deine Schüler denn und wissen sie, dass du rappst?
Stolle: Die sind alle gerade in so nem Farid-Bang-Alter. Aber ich will da das eigentlich trennen. Different Worlds, weißt du?
Schwarz: Ich sag immer zu Stolle: Es ist schwierig, wir haben ne extrem positive Aussage als Band. Wir probieren wirklich, die Leute zu berühren, ohne dreißig mal “Hurensohn” zu sagen. Und trotzdem müssen wir drauf achten, was wir sagen, damit er keinen Stress kriegt. Dabei kenne ich wenig Lehrer, die ihren Job so gewissenhaft machen wie er.
Stolle: Ich bin dafür aber auch nah dran an den Kids. Rap ist ja die “Sprache der Jugend”.
Was geht bei Popbizenemy? Lange Zeit wart ihr eine goße Nummer neben Chimperator hier in Stuttgart und Umgebung. Die Chimps charten mittlerweile, bei euch releasen nur Juse Ju und Black n Proud…
Schwarz: Tja, wir sind halt nicht cool mit Fettes Brot… (lacht)
Alles klar. Eine letzte Sache, Schwarz. Du bist doch großer VfB-Fan. Vor ein paar Tagen wurde bekannt: Manager Horst Heldt wechselt zu Schalke, was sagst du dazu?
Stolle: Lass einfach raus, Schwarz.
Schwarz: Ich hab den sehr gefeiert. Seit gestern tu ich’s nicht mehr. Wie kann man denn behaupten, dass man “unterbezahlt und nicht genug wertgeschätzt” ist, in einem der Top-drei-bezahlenden Vereine der Bundesliga!? (schreit) Geh nach Schalke und werd dein Leben lang nie Deutscher Meister! Ihr werdet NIE deutscher Meister!
Stolle: (lacht) Schwarz in Bestform. Da müssten eigentlich die Audio-Files ins Netz.
Vielen Dank für das Interview.

