Drake – Thank Me Later (Review)

Erst Teeniestar in der TV-Serie „Degrassi“, dann zwei von der Rapszene weitestgehend unbeachtete Mixtapes, ein Signing bei Young Money, der Durchbruch mit dem „So Far Gone“-Mixtape, ein Dutzend Charthits, zwei Grammy-Nominierungen und jetzt also das Debütalbum – Aubrey Drake Graham wurde innerhalb kürzester Zeit zum internationalen Rap-Superstar und liefert nun mit „Thank Me Later“ eine erste Bestandsaufnahme ab.
Auf 15 Anspielstationen lässt der 23-jährige Kanadier den Hörer an seiner Gefühlswelt teilhaben und in die Welt zwischen Chartswahnsinn, Rihanna-Dates, ausverkauften Touren aber auch Verletzbarkeit und der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit eintauchen.
Für den Großteil der Beats zeichnen sich Drizzys Freunde Noah „40“ Shebib und Boi-1da verantwortlich, zwei weitere Beats steuert Kanye West bei, jeweils ein Beat stammt von Swizz Beatz, Timbaland und Francis & The Lights. Jedes Instrumental lässt Drake den nötigen Spielraum um sich mal straight-rappend, mal im für ihn typischen Singsang frei zu entfalten.
Auf dem schlicht gehaltenen, treibenden Opener „Fireworks (feat. Alicia Keys)“, der vom Frankfurter Produzenten Crada co-produziert wurde, beginnt die Reise durch Drakes Gedankenwelt und der Artist schafft es sofort das Interesse des Hörers zu wecken – ein echter Ohröffner.
„Money just changed everything, I wonder how life without it would go/
From the concrete who knew that a flower would grow/
Lookin’ down from the top and it’s crowded below/
My fifteen minutes started an hour ago/“
Direkt danach zeigt sich auf „Karaoke“ die nächste Stärke des jungen Kanadiers: Nachdem er erst knapp zwei Minuten lang singt, wechselt er spielerisch in den gewohnten Flow und sinniert über das Mädchen seiner Träume.
„Isn’t it ironic that the girl I wanna marry is a wedding planner/
That tells me my life is too much and it moves to Atlanta/
Damn, of all the places you could go/
I just thought you’d choose somewhere that has somebody that you know/
[…]
I know they say the first love is the sweetest/
But that first cut is the deepest/
I tried to keep us together you were busy keeping secrets/
Secrets you were telling everybody but me/
Don’t be fooled by the money I’m still just young and unlucky/“
Wer ein reines Rapalbum sucht, ist bei „Thank Me Later“ an der falschen Adresse, aber außer dem mit knapp sieben Minuten Spielzeit längsten Song „Shut It Down (feat. The-Dream)“, der auf einem The-Dream-Album sicher mehr Sinn machen würde, jedoch hier einfach deplatziert wirkt, dürften die auf Radiotauglichkeit bedachten Songs auch für die Rapheads zugänglich und angenehm zu hören sein.
Highlights gibt es einige, hervorzuheben wären hier die Kollabos mit Labelchef Lil Wayne („Miss Me“) und Jay-Z („Light Up“), auf denen sich der Kanadier auch nicht vor einem direkten Vergleich mit den Rap-Schwergewichten fürchten muss. Der Song mit dem Schneemann Young Jeezy („Unforgettable“) inklusive wunderschönem Aaliyah-Sample weiß ebenfalls zu begeistern. Auf den beiden, im Vorfeld releasten, Singles „Over“ und „Find Your Love“ aber auch auf „Show Me A Good Time“ überzeugt Drake mit Rap und Gesang auch im Alleingang.
„I know way too many people here right now that I didn’t know last year/
Who the fuck are y’all/
I swear it feels like the last few nights we’ve been everywhere and back/
But I just can’t remember it all/
What am I doing, what am I doing/
Oh yeah that’s right, I’m doing me, I’m doing me/
I’m living life right now man/
And this what I’ma do til it’s over/
’til it’s over, but it’s far from over/“
Fazit: Dem Hörer sollte klar sein, dass er hier ein Drake-Album vor sich hat und auch genau das erwarten kann – viel Drake. Er findet zwar kein neues „Forever“, aber wer „Best I Ever Had“ mochte, kann mit dem Kauf dieses Albums nicht viel falsch machen. Auf Drakes Weg war dieses Album nur ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter, der früher oder später geschehen musste. „Thank Me Later“ ist kein Klassiker, aber eine sehr solide, mit der Zeit wachsende, radiotaugliche Momentaufnahme des Schaffens eines jungen Künstlers, der noch viel vor sich hat und mit 23 Jahren gerade am Anfang einer großen Karriere stehen dürfte – his 15 minutes started an hour ago.
(bps)



