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Antihelden – Kein Happy End (Review)

3 August 2010

 

Abroo und Dra-Q haben eine Gemeinsamkeit. Wenn man im Fotoalbum des Deutschrap bewusst blättern würde, würde man sie erkennen. Im Hintergrund stehen. Abroo, der Typ, der neben Casper und Separate bei den im Nachhinein zum Himmel gehypten Kindern des Zorns rappte. Der Typ, der sich Buckwheats auf den Unterarm tätowierte und irgendwann dann mit Joe Rilla rumhing. Dra-Q ergeht es da noch schlimmer. Der Typ aus der McDonalds-Werbung ist er. Die jahrelangen Verdienste – niemand weiß sie zu schätzen. Die Geburtsstunde der Antihelden.

 

Schon die Videosingle „Armageddon“ macht klar: Hier ist der Mittelfinger auf dem Logo nicht nur ein Promotool, um ein paar pubertierende Individualisten zum Geldausgeben zu bewegen, hier wird wirklich ein enormer Fick gegeben. Dra-Q und Abroo spitten puren Hass, der lediglich durch ausgelutschte „und ich rede nicht von“-Lines an Glaubwürdigkeit einbüßen muss. Das überpitchte Sample wird derart ignorant geloopt, dass es selbst Meister RZA die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.

„Kaputte Nasenwände, eure Stars geh’n in Rente/
für deine Straßenlegende ist der Spaß jetzt zu Ende./
Dein Outfit ist hip, fly, angesagt und fresh/
hergestellt von ‘nem Kind aus Bangladesh.“

 

Mit „1 zu der 2 Shit“ brettert dem Hörer dann gleich das absolute Highlight der Platte um die Ohren und lässt Oldschool-Fans Stoßgebete gen Himmel senden. Klar, „damals war alles besser“-Tracks gibt es genug, doch hier wird ein Lebensgefühl nicht nur thematisiert, sondern auch vermittelt. Der grandiose Beat stammt von niemand geringerem als Sicknature, einem übertalentierten Producer aus Dänemark, der sich für viele Hits aus der La-Coka-Nostra- und Army-of-the-Pharaohs-Ecke verantwortlich zeichnet. Mit „Antihelden“ wird gleich das nächste Beat-Schwergewicht, diesmal von dem deutschen Producerteam Snowgoons, in den Ring geschickt. Die poppig gesungene Hook macht den sozial- und szenekritischen Track auch für den 0815-Hörer iPod-tauglich.

 

Niemand könnte sich als Featuregast besser in das depressives Szenario auf “Glühbirnengesellschaft” integrieren als Morlockk Dilemma, der auch den letzten Easy-Listener das Weite suchen lässt. Lyrik-Affine erleben eine vertonte Version von George Orwells „1984“. „Industry is Fuckt“ und „Weltanschauung“ mit Tatjana spinnen den roten Faden des hohlen Individuums weiter, den George A. Romero schon Ende der 70er in seinen Zombie-Streifen versteckte. Ferngesteuerte Konsum-Opfer, die den Blick für das Wesentliche schon lange verloren haben.

 

„Ihr könnt nicht leben ohne Starbucks und SpiegelTV/
fühlt euch sicher mit Alarmanlagen und der Bibel im Haus./
Du brauchst laktosefreies Tiramisu/
dein Rechner hat ‘nen bess’ren Virenschutz als du.“

 

Die Gastrapper auf “Kein Happy End” fügen sich lückenlos in das Konzept des Albums ein. Das ehemalige Non-Phixion-Mitglied Sabac Red wird auf „Generation Doomed“ zusammen mit Mortis gefeatured und Kamp, sicher in Folge des Überraschungsalbums „Versager ohne Zukunft“ auf die Wunschliste der Antihelden gerückt, spittet auf „Wie konntest Du“ gewohnt sympathisch über seine Wiener Eskapaden.

 

Fazit: Die Antihelden Abroo und Dra-Q liefern mit „Kein Happy End“ ein echtes Boombapalbum mit astreinen Produktionen und erfrischenden Cuts. Eine willkommene Abwechslung zum aktuellen Deutschrapgeschehen? Definitiv. Jedoch beschleicht den Hörer das Gefühl, dass hier noch mehr gehen könnte und längst nicht das letzte Wort gesprochen ist. Gespannt warte ich auf das nächste Release und hoffe auf eine größere thematische Vielfalt.

 

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(cb)

 

Antihelden – Armageddon (Video)