Home » Rap, Reviews

Kollegah – Hoodtape Vol. 1 (Review)

13 August 2010


Nachdem er im Dezember seine Zuhältertape-Reihe abgeschlossen hat, gibt Kollegah nun in Form des „Hoodtapes“ den Startschuss für eine neue Mixtape-Reihe aus dem Hause Selfmade.


Thematisch bleibt sich Kollegah auch dieses Mal treu, Veränderungen gibt es lediglich in der Song-Struktur. Der selbsternannte Boss der Bosse befasst sich ganze Tracks lang mit Krafttraining, der holden Weiblichkeit, der Flucht vor der Polizei oder seiner Putzfrau – Storytelling im Toni-Style. Dass darunter die Punchline-Dichte ein wenig leidet, sei ihm ebenso verziehen wie der Fakt, dass er sich scheinbar immer noch nicht entschieden hat, ob er nun noch als Ticker tätig ist oder nicht.


„Ich lenk den Wagen, überhol rechts/
Und fahre über rote Ampel und dampfende Kanalisationsdeckel/
In deine Hood und weit und breit ist niemand zu sehen/
Nur ein einziger Heuball kommt die Street langgeweht/
Ich park vor deinem Haus, box gegen die Eingangstüre/
Und sie fällt aus den Angeln wie Nylonschnüre/“


Abwechslung in die stattliche Anzahl von 25 Anspielstationen bringen die Beats: Ob elektronisch, rockig oder laid-back mit Oldschool-Flavour – Chrizmatic, Vizirbeats, Sixjune, Yoshi Noize und Co. liefern nahezu alles ab, was ein Instrumental nur sein kann und bieten dem Boss reichlich Gelegenheit, seine Vielzahl von Flows zu präsentieren.


Durch kleine Überleitungen zwischen den einzelnen Tracks wird dem Tape ein Hörspiel-Charakter verliehen. Denn hier tritt kein DJ in guter, alter Oldschool-Manier in Erscheinung, sondern ist es Kollegah selbst, der einmal mehr seinen Entertainer-Qualitäten freien Lauf lässt und sich so als Stimmenimitator betätigt, um uns den Alltag des Bosses näher zu bringen. Da klopft die Polizei an der Tür, man unterhält sich mit der Freundin, flüchtet vor ihrem Vater und vieles mehr. Als besonderes Highlight ist das Auftreten eines „Fanboys“ zu werten, dessen Aufeinandertreffen mit Kollegah sogar in Reimform geschildert wird.


„Ey du kehrst zu deiner Crew zurück, wimmernd und klagend/
Sagst, dass du nie wieder rappst, und wenn die Spinner dich fragen/
‘Ey wieso das denn, Alter, was ist in dich gefahren?’/
Sagst du ‘Kollegah der Boss mit seinem silbernen Wagen!’/
‘WAS?’ – ‘Ja, erst hat er mir Rapverbot erteilt/
dann ist er in mich gefahren, als ob ich sein letzter Urlaub sei/
In der Tschechoslowakei, Mexiko, Shanghai/
Oder wat weiß denn ich, wo dieser Depp sich so rumtreibt!’/“


Besonders bemerkenswert: Dieses Tape hat keine Höhen und Tiefen. Kollegah liefert eine sehr konstante Leistung ab, Hooks um der Hook willen wie zu „Alphagene“-Zeiten sucht man vergeblich – wenn keine gute Hook gefunden wird, hat der Track eben keine Hook. Sowieso bestehen die meisten Tracks nur aus Parts, hier wird der Style der „Hoodtales“ vom ZHT3 konsequent fortgeführt.


Fazit: Kollegah legt einen viel versprechenden Grundstein für eine weitere Mixtape-Reihe. Die neue Herangehensweise ist noch mehr auf die Stärken des Selfmade-Schützlings zugeschnitten, Fans des Kollegah-Humors werden von diesem Tape wieder köstlich unterhalten werden.


Deutschraps schnellste Meinung: Auch bei den Fans kann Kollegah punkten. 45,5% der Leser bewerten das “Hoodtape Vol. 1” als sehr gut.


Im Forum diskutieren.


(mh)


Kollegah in New York Teil 4 (Video)