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Hammer & Zirkel – WsFudmwM (Review)

1 September 2010


Die eigenen Mütter auf dem Frontcover, Kuscheltiere auf dem Backcover, „Wir sind Freunde und darum machen wir Musik“ als Titel – das impliziert beim ersten Blick auf dieses Album gleich zweierlei. Erstens: Hammer & Zirkel gehen das Ding ziemlich bodenständig an. Zweitens: Das hier ist kein typisches Deutschrap-Album.


„Ich könnt jetzt sagen ‘Wir sind back’ und ‘Wir klatschen das Game’/
dass keiner an uns rankommt und dass wir unsere Atzen mitnehmen/
Könnte sagen, dass euer Warten jetzt ein Ende hat/
Doch dann würdet ihr sagen ‘Irgendwoher kenn’ wir das’/“


Auch die „Einleitung“ verstärkt den Eindruck: Diese Platte soll thematisch etwas ganz besonderes werden und sich von den üblichen Scheiben der Deutschrap-Szene abheben. Um es kurz zu machen: Das ist den Jungs gelungen. Ob sich Hammer & Zirkel dem aktuellen Rapgeschehen widmen („Ich hab leider keine Hand frei“), in Form einer Parabel die Geschichte eines Wassertropfens erzählen („Zurückgeblieben“) oder sich selbst vorgaukeln, die Ex-Freundin nicht mehr zu brauchen (Kein Blick zurück“) – hier wird inhaltlich viel geboten.


Alle Texte sind mit einer gewissen Portion Humor versehen, der selten durch die Vordertür gekracht kommt („Wenn wir Tod sind“, „Liebessong für Britney Spears“), sondern meist unterschwellig in die Texte mit einfließt und so stets den Spagat zwischen ernstem Kern und auflockernden Pointen schafft. So zum Beispiel der einzige Feature-Track „Musik ist unser Leben, darum wurden wir Erzieher“ mit Laas Unlimited und Sido, auf dem die Jungs ihren Alltag als Erzieher beschreiben.


„Max kommt und sagt: ‘Sag mal Klettergerüst!’/
Icke: ‘Klettergerüst…’ – ‘Hast ne nackte Frau geküsst!’/
Ick sage: ‘Dit ist jarnich wahr/
Deine Mutter habick uffjehört zu knutschen, als sie nackig war’/
Kim hängt der Rotz bis Kinn, Finn heult, Tim singt/
Und ick und meene Kaffetasse mittendrin/
‘Der hat mir gehaut und mich den Krankenwagen wegjenimmt’/
Ick sage: ‘Tom – dit heißt weggenomm!’/“


Exemplarisch für die Themenvielfalt und auch für einige Überraschungsmomente, die der Hörer dieses Albums erleben wird, ist die Handlung von „Ich will ein Kind“: Zuerst als standardisierter Lovesong anklingend, entpuppt sich der Track als Liebeserklärung eines Pädophilen, der eben „ein Kind will“. Zwar ist dies nun nicht unbedingt etwas, was man öfter auf dem iPod pumpen möchte, aber ein guter, innovativer Track ist es allemal.


Unterlegt wird das Ganze in einen poppigen Soundteppich von Zirkel, 7inch und Dirty Dasmo. Die musikalische Steigerung im Vergleich zum Debütalbum ist zwar deutlich zu erkennen, das Nonplusultra ist trotzdem noch einige Level entfernt. Denn zu einigen gut produzierten Instrumentals gesellen sich noch zu oft Beats, die mal zu dünn („Ich will ein Kind von dir“), mal zu sperrig („Hr. Günther ausm Ersten“) daher kommen.


Ebenfalls ausbaufähig sind die Hooks. Wenn es nicht gerade darum geht, den Trashfaktor absichtlich auf die Spitze zu treiben, sollte Hammers Stimmorgan doch lieber nur zum Rappen statt zum Singen genutzt werden.


Fazit: Hammer & Zirkel beschreiten auf diesem Album thematisch eine Menge Neuland, wissen aber durch gut gesetzte Pointen ihren Hörer nicht zu überfordern. An der musikalischen Umsetzung hapert es zwar noch, dennoch ist den Jungs hier ein sehr unterhaltsames Album gelungen. Hoffen wir, dass mit dem dritten Album das Potenzial vollends ausgeschöpft wird.


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(mh)


Hammer & Zirkel – Quatsch ohne Sauce #7 (Video)