Home » Interviews, Rap

MontanaMax & Shiml: So ist die Generation Null

18 November 2010


Das letzte gemeinsame Album von MontanaMax und Shiml liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Am 26. November soll mit “Generation Null” der Nachfolger erscheinen. MeinRap.de sprach mit den beiden über Auswege aus der Perspektivlosigkeit, The Gunna, Casper, die Trennung von Selfmade und natürlich das Album.


Der Albumtitel schreit quasi nach der Einstiegsfrage: Wer oder was ist die Generation Null?
MontanaMax: Generation Null ist ein Begriff, der ursprünglich aus Spanien kommt und dort für eine perspektivlose Jugend steht. Viele kommen da aus der Uni oder aus der Ausbildung und haben trotzdem keine Chance auf einen Job, weil der Markt so mies ist. In so einer Phase befinden sich auch viele von unseren Leuten. Es steht außerdem für diese Phase im Leben, in der man die Weichen für seine Zukunft stellen muss und sich vielleicht noch gar nicht reif dafür fühlt. Viele Weichen hat man eh schon gestellt, aber jetzt ist die letzte Chance, das alles auszuwerten oder in eine neue Richtung zu lenken. Wir sind ja auch in dieser Phase und auch mir macht es Angst zu wissen, dass alles, was ich jetzt tue, krasse Auswirkungen auf mein Leben haben wird.


Also hat es auch was mit erwachsen werden zu tun?
MontanaMax: Genau! Darüber haben wir auch einen Song auf dem Album, der “Achtzehn” heißt. Der beschäftigt sich mit der Situation, in der man sich zu jung fühlt, Entscheidungen eines Erwachsenen zu treffen, aber zu alt, um einfach in den Tag zu leben.


Was hat euch dazu bewegt, euch das jetzt auf die Fahne zu schreiben? Das weckt ja schon den Eindruck eines Konzeptalbums.
Shiml: Naja. Also es ist schon so, dass wir weitaus mehr Konzept haben als bei unserem letzten Album. Dazwischen liegen ja jetzt fünf Jahre, in denen wahnsinnig viel passiert ist und wir beide auch Solo-Sachen gemacht haben. Gerade ich musste das lernen und Monti hat mich immer gebeutelt, dass wir Sachen noch mal und noch mal angehen, bis sie wirklich so sind, wie wir sie haben wollten und wir keine halbgaren Sachen auf das Album packen. Andererseits haben wir aber auch versucht, wieder zurück zu finden und wirklich nur Musik zu machen, auf die wir Lust haben. Was das Thema Generation Null betrifft, ist es einfach ein Thema, das uns und unseren Freundeskreis unmittelbar persönlich betrifft und daher liegt es nah das zu behandeln.


Teilweise hatte ich das Gefühl, dass ihr in Rollen schlüpft, um diese Generation darzustellen, dass ihr nicht unbedingt über euch, sondern auch über Bekannte aus der Ich-Perspektive redet.
Shiml: Wir gehören ja auch dazu.
MontanaMax: Man könnte halt auch sagen, dass es mit der Begrifflichkeit “Generation Null” glücklicherweise einen Begriff gibt, der diese Momentaufnahme unseres Lebens beschreibt. Wir hätten das Album auch “Nach Uns Der Rest 2″ nennen können, hätten aber über das Gleiche geschrieben. Es behandelt einfach Themen, die uns und unsere Jungs beschäftigen. Generation Null ist nur das Schild an der Tür.
Shiml: Außerdem ist es ein geiler Name! (lacht)


“Perspektivlosigkeit” ist ja zum Schlagwort mutiert, um die heutige Jugend zu beschreiben. Wo seht ihr die Gründe dafür? Vor ein paar Jahrzehnten war das Wort ja noch keineswegs so präsent, Perspektivlosigkeit war kein großes Thema.
Shiml: Naja. Also für mich persönlich ist es nur zum Thema geworden, weil ich mir früher halt null Gedanken drüber gemacht habe, was ich mit meinem Leben machen möchte. Der Weg war mehr oder weniger immer vorgegeben. Ich glaube, dass viele junge Leute extrem verunsichert werden. Ich kenne sehr viele Leute, die echt Talent in bestimmten Sachen haben und ihr Leben dann an einem Schreibtisch verschwenden und Bilanzen abheften – ohne das schlecht machen zu wollen. Wenn man da Lust zu hat, gerne. Ich meine nur, dass viele Leute in solch ein Leben gedrängelt werden, ohne mal auf ihren eigenen Antrieb zu hören.


Max meinte vorhin, es wäre ein Zeitpunkt, wo man sich endlich entscheiden müsse, wohin der Weg nun gehen soll. Gibt es mittlerweile vielleicht zu viele Auswahlmöglichkeiten, die die Entscheidung erschweren, auch aus Angst, etwas anderes zu verpassen?
MontanaMax: Ich glaube, es liegt einfach in der Natur des Menschen, eher zu Dingen „ja“ als „nein“ zu sagen, und das macht sich im ganzen Leben bemerkbar. Man geht halt zur Schule und eventuell danach auch zur Uni, einfach aus dem Grund, weil das alle machen. Viele trauen sich nicht, diesen Rahmen zu sprengen und ihr eigenes Ding zu machen. Ich glaube, Angst spielt hier eine größere Rolle als zu viel Auswahl. Keiner will auf der Strecke bleiben.


Was sind die Auswege aus diesem Dilemma?
MontanaMax: Sich mal hinsetzen, sein Leben reflektieren und feststellen, ob man mit sich im Reinen ist oder nicht. Wenn nicht, dann steh auf für dich selbst und mach alles neu. Hab keine Angst, auf die Schnauze zu fallen, sondern glaub einfach an dich. Es gibt nichts schlimmeres als sich in zehn Jahren vorwerfen zu müssen, dass man es nicht wenigstens probiert hat. Und wenn alles in Ordnung ist, dann geh den Weg auch konzentriert bis zum Ende und sei dir im Klaren darüber, dass diese Jahre entscheidend für deine Zukunft sind.


Auch Randale und Rebellion spielen auf dem Album eine Rolle.
Shiml: Ja, also den Mund auf zu machen ist ja prinzipiell immer gut. Wofür auch immer. Ich meine, wir sind jetzt beide nicht sonderlich politische Menschen, die irgendwelche politischen Themen anstacheln wollen. Aber ich bin es eigentlich schon immer gewohnt, meinen Senf dazu zu geben, wenn mir etwas nicht passt, und ich glaube, das tut der Jugend auch mal ganz gut, geschlossen irgendwo aufzutreten und rum zu stressen, wenn denen etwas nicht passt. Mich kotzt es halt an, dass viel zu oft irgendwelche Leute bestimmen, die gar keine Ahnung über bestimmte Zustände haben.


Steht dafür der Stein auf dem Cover?
Shiml: Ja, schon. Also ich denke schon, dass der Stein insgeheim solch eine Bedeutung hat. Ein Stein spricht eine andere Symbolik als eine Knarre oder sowas. Das würde gar nicht zu dem passen, was wir da machen wollen. Ebenso das Logo mit dem Cocktail drauf.


Ein Benzin-Kanister ist auch noch zu sehen.
Shiml: Ja, und MontanaMax mit Blackberry. (lacht) Er checkt gerade Twitter.
MontanaMax: (lacht) Das ist aber nicht auf dem Cover.
Shiml: Achso. Das war die B-Version.
MontanaMax: Der Stein steht einfach für “Steh auf, wenn dir was nicht passt, mach kaputt, was dich kaputt macht!“”


Also geht es darum, einerseits an sich selbst zu arbeiten, andererseits aber auch die Umstände zu verbessern?
MontanaMax: Genau! Es geht einfach um Veränderung an sich. Man ist in einer Phase, in der sich alles verändert und es ernst wird. Wenn du unzufrieden bist, wie es läuft, veränder dich! Und wenn das nicht reicht, veränder Dinge um dich herum. Das Schlimmste ist, mit dem Strom zu schwimmen.
Shiml: Ich denke, die Grundaussage ist: Mach dein Ding genau so, wie du Lust hast, und wenn dich irgendwas nervt, dann mach es kaputt.



Man hört auch immer wieder raus, dass ihr zwar dieses Dilemma anprangert, aber andererseits auch sagt: “Es ist nicht das Schlimmste, es geht uns ja trotzdem gut irgendwie.”
Shiml: Ja, geht’s uns ja auch eigentlich. Wir sind jetzt beide keine armen Bengel, die in der Gegend herum irren oder so. Wir arbeiten beide und haben auch beide einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf. Kommt aber auch mal vor, dass ich Montag bis 14 Uhr schlafe. (lacht)
MontanaMax: Wir leben in einer Überflussgesellschaft, klar geht es uns irgendwie gut. Aber was definiert denn “gut”? Einen guten Job haben, Haus, Kind und Hund? Oder heißt “gut”, das zu machen, was man eigentlich will? Auswandern, neu starten, einen Kiosk aufmachen. Weißt du, was ich meine? Andere Leute und das Fernsehen definieren uns oft, was “gut” heißt. Deswegen hinterfrage mal in Ruhe, ob das auch für dich gilt.


Ist Auswandern ein Thema für euch?
MontanaMax: Ich habe gerade nach meiner Zeit in den USA oft mit dem Gedanken gespielt, hier die Zelte abzubrechen und etwas ganz neues zu machen. Damals war ich aber einfach noch nicht soweit. Jetzt bin ich momentan sehr zufrieden damit, wie es hier läuft. Ich bin auch kein Freund davon, vor Dingen wegzulaufen, aber wenn ich irgendwann mal in einer Sackgasse stecken sollte, hätte ich keine Angst davor, reinzuhauen und neu zu starten.
Shiml: Für mich gar nicht. Ich will es jetzt nicht prinzipiell ausschließen, dass ich mal auswandere oder so. Aber momentan fühle ich mich hier doch eigentlich ganz wohl. Mir geht’s ja eigentlich echt gut hier. Außerdem kommt bei dem Thema der Deutsche in mir hoch und ich habe Angst, im Ausland nicht genug krankenversichert zu sein. (lacht)


Wo wir beim Thema Ausland sind: Wie hat sich denn der spanische Begriff “Generation Null” eigentlich bei euch eingeschlichen?
MontanaMax: Ich habe nach einem Begriff gesucht, der als Albumtitel und Überschrift für uns in Frage kommt, und bin dann über so Sachen wie “Generation X” und so gestolpert. Dann ist mir “Generation Null” eingefallen und ich fand es perfekt. Ich habe dann – um mich abzusichern – den Begriff gegooglet und bin dann darüber gestolpert, dass in Spanien wohl jemand die gleiche Idee hatte. Ich habe mir dann ganz viele Artikel darüber durchgelesen und danach war klar, dass es wie Arsch auf Eimer passt.


Dann haben wir den Inhalt abgehakt und können noch ein bisschen zur Musik kommen. Wie war es, nach fünf Jahren wieder gemeinsam an einem Album zu arbeiten?
Shiml: Sehr angenehm. Das Projekt stand auch schon sehr lange im Raum und wir waren beide echt heiß drauf, daran zu arbeiten. Als wir dann auch endlich Günna als perfekten Produzenten gefunden haben, hat es echt Spaß gemacht. Vor allem kann sich echt jeder auf Aufgaben konzentrieren, die ihm Spaß machen und liegen. Am besten fand ich es aber, im Gegensatz zu meinen letzten Alben endlich nicht mehr alleine im Studio abhängen zu müssen, sondern mit vielen sehr, sehr guten Leuten zusammen arbeiten zu können und auch Rückkopplung zu bekommen.


The Gunna hat mich etwas überrascht. Was ist aus Mix Chris geworden?
Shiml: Max und ich haben ja beide zwischendurch schon sehr viel mit anderen Produzenten gearbeitet. Chris ist momentan beruflich sehr beschäftigt und hat gleich gesagt, dass es schwer wird. Wir sind froh, mit Gunna dann aber jemanden gefunden zu haben, der sich wirklich krass ins Projekt rein gehängt hat.


Sein Sound ist sehr anders und auch untypisch für euch beide. Habt ihr extra neuartige Beats gesucht oder hat sich das so ergeben?
MontanaMax: Das war die Grundvoraussetzung. Wir hatten beide keine Lust mehr, unsere alten Sachen immer und immer wieder zu wiederholen. Ein “Maximilian 2.0″ oder ein weiteres “Im Alleingang” wäre absoluter Stillstand gewesen. Es ist auch schwer, immer weiter auf Beats zu rappen, auf die man auch vor fünf Jahren schon gerappt hätte. Mein persönlicher Musikgeschmack hat sich ja auch verändert und somit auch die Beats, auf die ich rappen will. Wir wollten mehr Instrumente, große Arrangements und halt endlich mal Songs machen. Keine Punchlines mehr über 4/4-Pianoloops. Ich habe ja mit Shuko schon vor anderthalb Jahren über dieses Album gesprochen und den richtigen Sound beziehungsweise den richtigen Produzenten zu finden, hat sehr lange gedauert. Wäre uns das aber nicht gelungen, hätte es kein neues Album gegeben.
Shiml: Ich habe meine ersten Alben ja auch größtenteils selber produziert. Es war gut, mal wieder zu jemanden hingehen zu können und zu sagen: Das und das möchte ich haben. Gunna konnte die Sachen perfekt umsetzen. Keine vorgefertigten Instrumentale mehr, sondern echt zugeschnittene Arrangements.
MontanaMax: Wir haben ja nie wirklich in eine Schublade mit Rappern wie Kollegah oder so gepasst, auch wenn ich deren Sachen feier. Jetzt waren wir endlich mutig genug einen konsequenten Schnitt zu machen und uns in unsere eigene Ecke zu stellen. Wenn du nicht glücklich bist, verändere dich – wie schon mehrmals gesagt. (lacht)


Wie lief das organisatorisch ab? Shiml wohnt in Bremen, Max in Köln, Gunna in Dortmund.
Shiml: Das war natürlich viel Rumgefahre. Gerade bei so einem Album haben wir immer wieder gemerkt, dass es wichtig ist, die Dinge so zu besprechen. Es lief natürlich auch viel über E-Mail, aber die Studioarbeit hat das Album am meisten geprägt. Viele Sachen, die wir geplant haben, wurden im Studio umgeworfen, verfeinert und somit echt perfektioniert. Hätte jeder seine Parts getrennt aufgenommen, wäre das Album nicht so umzusetzen gewesen.
MontanaMax: Wir haben uns immer in Köln getroffen und waren bei jedem Song zusammen mit unserem Engineer Daniel im Studio.


Dennoch gibt es ja Solo-Songs und auf einem macht Max nur die Hook. Welchen Einfluss hatte der jeweils andere auf diese Songs?
Shiml: Sehr großen. Alleine schon der Schritt von dem anderen zu sagen: „Ey komm…der Song ist so krass, darauf habe ich nichts zu suchen.“ Das kam bei fast jedem Solosong vor. Auf der einen Seite haben beide immer mit an den Songs gearbeitet, auf der anderen waren wir halt beide fünf Jahre lang Solokünstler. Wir waren uns gleich einig, dass ein gemeinsames Album nicht auch heißen kann, ein Drittel Solosongs drauf zu haben.
MontanaMax: Trotzdem ist es immer in Zusammenarbeit mit allen entstanden. Themen, Beats und so weiter wurden immer abgesprochen. Es rappt halt nur einer drauf. Das ist der einzige Unterschied.


Die Features waren etwas überraschend. Ihr habt mit Too Strong und Flipstar alte Veteranen drauf, mit Marsimoto einen Hype der neuen Rap-Generation. Bremer-Features fehlen allerdings.
MontanaMax: Da spielst du dann ja sicherlich auf JokA und Saad an. JokA und ich zum Beispiel sind sehr gute Kumpels und sprechen oft. In das Konzept des Albums hat es jetzt aber einfach nicht reingepasst. Saad ist seit Monaten im Libanon bei seiner Familie. Wir wollten erst niemanden featuren, weil zwei Rapper ja schon genug sind. Aber als ich den Beat für den Song mit Marten gehört habe, hat der so nach ihm geschrien, dass wir es einfach machen mussten. Too Strong und Flipstar hingegen waren einfach Träume, die wir uns erfüllt haben. Das sind für uns einfach immer riesige Idole gewesen und es ist der absolute Wahnsinn für uns, jetzt einen Song mit denen zu haben.
Shiml: Außerdem haben wir sämtliche dieser Features – jetzt nicht auf Bremen bezogen – schon gehabt. Das hätte nicht zum Konzept des Albums gepasst. Klar erwartet jeder ein Casper Feature, manche Kollegah-Features oder so. Aber das hat ja nun jeder auch schon ein paar Mal auf diversen Samplern gehört.


Ich hab eher auf ganz alte Bremer anspielen wollen. Moe Zech und Co.
Shiml: Also Moe und ich sind nach wie vor sehr gut befreundet. Er hat ja lange in Chile gewohnt und ist dort seinen Weg gegangen. So geht es vielen und viele legen ihren Fokus auf andere Dinge im Leben. Da spielt Rap keine große Rolle mehr.



Es gab auch in Max’ Leben einen Moment, wo Rap immer unwichtiger wurde, oder? In einem Song wird das angesprochen. Nach der Sache in Berlin.
MontanaMax: Auf jeden Fall! Das war einfach das Streichholz am Benzinkanister. Ich war schon davor nicht mehr so ganz davon überzeugt, was Shiml und ich zur der Zeit abgeliefert haben, und danach war dann eine gute Gelegenheit, mal alles zu überdenken und einen neuen Plan zu machen. Daraus resultierte dann auch die Trennung von 667 beziehungsweise bei Jan von Selfmade.


Standest du auch irgendwie im Schatten von Casper?
MontanaMax: (überlegt) Gute Frage.


Du rappst, dass du mehr warst als nur sein Back-Up.
MontanaMax: Ich habe Casper zu einer Zeit kennen gelernt, als es gerade erst ganz langsam los ging mit dem Hype um ihn. Wir haben uns dann in der Phase so gut verstanden und sind zwei bis drei Jahre wirklich unzertrennbar gewesen. Das ich dann sein Back-Up wurde, war einfach ganz logisch, weil wir eh immer zusammen gehangen haben.
Shiml: Oder sein Bäcker. (lacht)
MontanaMax: Ich habe sehr krass von ihm gelernt und habe auch viele Kontakte damals geknüpft. Von daher wäre es dumm zu sagen, dass es mir geschadet hat. Manche Medien haben dann aber immer so getan, als wäre ich nur der Back-Up von Cas, obwohl ich ja schon Solo-Verträge hatte, bevor ich ihn kannte. Das hat mich gestört, ja. Aber wer weiß, ob sie sonst überhaupt über mich geschrieben hätten.


Du bist generell mehr in der Rap-Szene drin als Shiml, habe ich das Gefühl.
Shiml: Da hast du das richtige Gefühl. (lacht) Max ist immer weitaus aktueller, was die Rap-Szene angeht. Ich höre nach wie vor Rap und bin Rap-Fan. Ich habe irgendwann jedoch ein bisschen den Drang danach verloren, sonderlich viele und neue Kontakte zu knüpfen. Da sind wir tatsächlich unterschiedlich, aber ergänzen uns doch irgendwie.
MontanaMax: Ich kümmere mich dementsprechend auch um alles, was mit dem Geschäft zu tun hat. Mir macht das Spaß und ich habe über die Jahre wirklich ein paar Leute in dieser Szene kennen gelernt, die ich als Menschen sehr schätze, und dementsprechend bin ich öfter unterwegs als Shiml, um diese zu treffen. Das hat nicht alles zwingend einen Business-Hintergrund.


Shiml, wie war die Zeit für dich nach der Trennung von Selfmade? Bis auf einen Track auf MySpace war es ja komplett ruhig um dich.
Shiml: Ja. Wir hatten ja bereits bei der Trennung gesagt, woraus diese resultiert ist. Ich hatte echt viel um die Ohren und habe gemerkt, dass ich das, was ich bei weiteren Alben in dem alten Schema abliefern würde, nicht mit mir vereinbaren kann. Das bin ich mir selbst schuldig. Daher brauchte ich auch ein bisschen Zeit mich zu orientieren. Dafür war das hier wirklich das perfekte Projekt.


Also hat sich dieser fehlende Druck positiv aufs neue Album ausgewirkt?
Shiml: Ja, total. Das war Grundvoraussetzung für das Album. Wir waren völlig unbefangen. Dass wir mit Rap je sonderlich viel Geld verdienen werden oder so steht, mittlerweile bei uns sowieso außer Frage. Die Bedingung dafür, es bei Selfmade oder irgendwo anders zu vertreiben, war, dass wir ein komplettes Produkt abliefern und uns selbst um alles kümmern, damit wir zu hundert Prozent das haben, was wir wollten.
MontanaMax: Den einzigen Druck haben wir uns selber gemacht. Wir wollten jetzt wirklich ein Album abliefern, das endlich zeigt, wozu wir im Stande sind, und das uns stimmig positioniert.


Welche Konsequenzen hat das für die Erwartungen? Das Album erscheint ja eher in einem kleinen Rahmen.
MontanaMax: Die Erwartungen, die wir haben, haben nichts mit Verkaufszahlen zu tun. Ich würde mich freuen, wenn unsere langjährigen Fans das Album feiern und meine Kumpels mir sagen, dass es perfekte Mucke ist. Was jetzt der Standard-Rap-Fan darüber denkt, interessiert mich nicht. Ich will ein bisschen Respekt für die harte Arbeit bekommen, das war’s. Dass wir es geil finden, reicht.
Shiml: Klar ist auch, dass es, umso mehr man sich positioniert mit einer Sache, auch umso mehr Leute gibt, denen es vielleicht auch nicht gefällt. Damit waren wir auch zu hundert Prozent einverstanden. Manchmal treffe ich auf negative Resonanzen von Leuten, wo ich mir nur denke: “Boah. Ein Glück gefällt dem das nicht.” Die goldene Mitte zu treffen, ist für uns keine Option mehr.


Habt ihr schon Pläne, die über das Album hinaus gehen?
MontanaMax: Fakt ist, dass es uns in Zukunft erstmal nur im Doppelpack gibt. Das Herz hängt jetzt aber erstmal an diesem Album und wir wollen es mit allen Mitteln, die wir haben, an die Leute bringen, und hoffen, dass wir nächstes Jahr ein bisschen live spielen können. So können sich die Leute selber ein Bild des Albums machen und entscheiden, ob sie es cool oder kacke finden. Beide Optionen sind okay für uns. Nur keine Meinung dazu zu haben, weil man nicht wusste, dass es dieses Album gibt, wäre schade.


Im Forum diskutieren.


(mh)


MontanaMax & Shiml – Randale (Video)