Prinz Pi: “Rap ist für mich die geilste Musik der Welt”

Am Freitag erscheint Prinz Pis neues Album “Rebell ohne Grund”. MeinRap.de traf sich mit dem Berliner im Büro von Keine Liebe Records und sprach mit ihm über ewige Pubertät, die Entwicklung von Deutschrap, Rap als Selbsttherapie, Stalker und seine Zeit bei einem Major-Label.
Als erstes wirst du natürlich den Titel erklären müssen. Wieso bist du denn ein Rebell ohne Grund?
Als erfahrener Künstler gestaltet man seine Musik natürlich so, dass man schon immer seine Antworten für die Journalisten bereit hält. (grinst) Der Titel “Rebell ohne Grund” ist einerseits eine Hommage an den James-Dean-Film und das war so: Wirtschaftswunder USA, allen geht es eigentlich gut oder zumindest besser als in den Jahrzehnten davor. Und auf einmal hat dann diese Wohlstandsjugend angefangen zu rebellieren und sich aufzulehnen. So ähnlich ist das bei mir auch. Ich hatte eigentlich nie einen Grund zu rebellieren. Ich bin nicht Teil einer unterdrückten Minderheit, ich bin nicht irgendwann mal böse angemacht worden, weder von irgendwelchen Bullen oder meinen Lehrern oder was weiß ich. Eigentlich habe ich alle Streits, die ich jemals hatte, immer selber herauf beschworen, weil ich immer diesen Drang verspürt habe, zu rebellieren und zu sagen “Das ist scheiße” und “Das find ich nicht gut” und “Das kotzt mich alles an”. Aber eigentlich könnte man mir vorwerfen: “Was willst du eigentlich? Dir geht es doch gut. Du bist niemand, dem es total schlecht geht, du wohnst in keinem Land, wo es den Leuten schlecht geht. Du bist sogar relativ erfolgreich mit dem, was du machst. Wieso musst ausgerechnet du hier behaupten, dass alle gegen dich sind?” Dessen bin ich mir bewusst und deshalb heißt das Album “Rebell ohne Grund”.
Der Titel ist dann doch aber irreführend. Du hast ja einen Grund. Es können dich ja Dinge ankotzen, auch wenn sie dich nicht direkt betreffen.
Ja. Also der Grund liegt einfach in mir selber. Zufriedenheit ist immer sowas voll krass subjektives. Du guckst ja immer zu den Leuten, denen es noch besser geht als dir, die noch erfolgreicher sind, denen es noch leichter fällt im Leben. Aber man könnte ja auch sagen: “Ey guck mal, es gibt so viele Leute, denen geht es schlechter als mir, darum bin ich zufrieden mit meinem Leben.” Das bin ich halt nicht. Es gibt viele Sachen, die mich nerven und gegen die ich Musik mache.
Dennoch hast du ja einen Song, der “Wir bleiben immer anti” heißt. Das klingt ja schon so, als würdest du aus Prinzip rebellieren, nicht aus bestimmten Gründen.
Ja klar, das ist ein trotziger Pubertätssong. Wir werden nie erwachsen. Den Song habe ich mit Frauenarzt gemacht. Der ist von “Neopunk”, glaube ich. Frauenarzt habe ich kennengelernt, als ich ungefähr 16 Jahre alt war. Das war so eine Zeit, als man total auf den Putz hauen und aufmucken wollte.
War “Wir bleiben immer anti” nicht mit Biztram?
Achja, stimmt. Aber Biztram ist genauso ein Typ wie ich. So ein unverbesserlicher Nörgeltyp, der immer an allem rummeckert. Wenn man in die Pubertät kommt, gibt es einfach diese Phase, wo man “schwarz” sagt, wenn alle “weiß” sagen, wenn alle “ja” sagen, sagt man “nein”. Und irgendwann wird man dann erwachsen und denkt “Ey, eigentlich ist es lächerlich, eigentlich kann man hier nen Konsens finden, eigentlich muss ich jetzt nicht immer dagegen sein”. Aber bei uns beiden ist das so. (lacht) Ich weiß nicht, warum.
Also seid ihr immer noch in der Pubertät?
Ja. Meine Mutter sagt zu mir: “Du kommst jetzt schon zum fünften Mal in die Pubertät, wann kommst du endlich wieder raus?”
Warum tut man sich das immer weiter an? Wäre es nicht einfacher, das mal hinter sich zu lassen? Als Rebell fällt man negativ auf, man macht es sich nicht so einfach als wenn man einfach mit der Masse schwimmen würde.
Ja, man macht es sich nicht so einfach. Gerade, als ich angefangen habe, diese HipHop-Musik zu machen, da war es noch ein bisschen nazimäßiger, als es jetzt ist. Damit meine ich jetzt nicht rechts, sondern diese HipHop-Uniformen, richtige Rapper mussten Baggy-Jeans tragen und amerikanische Wörter in ihrem Rap haben und viel über Rap an sich rappen und darüber, wie tight sie flowen und was weiß ich. Und wenn du das nicht gemacht hast, dann warst du gleich der komische Junge mit der Brille. (lacht) Mich hat das immer genervt. Einfach aus Prinzip habe ich mir gedacht: “Gerade solchen Spastis musst du zeigen, dass es besser geht.” Auch wenn es schwerer ist, da sein eigenes Ding zu machen und sich zu behaupten. Vielleicht verkauft man damit dann nicht ganz so viele Platten, aber die, an die du das verkaufst, sind dann halt auch die Leute, die zu hundert Prozent nachfühlen können, was du machst. Die denken “Ich finde auch nicht richtig meinen Platz in der Welt. Ich hab auch das Gefühl, dass immer alle gegen mich sind. Ich komme auch mit dieser glattgebügelten Mainstream-Einstellung nicht zurecht.”





