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Moe Mitchell: “Ich bin mehr als der Backup von Savas”

26 April 2012

Moe Mitchell


Am morgigen Freitag veröffentlicht Moe Mitchell sein Debütalbum “MMS” (hier bestellen). MeinRap.de traf ihn im Essah Entertainment Headquarter und sprach mit ihm über Auftritte in Nachtclubs, Probleme mit der deutschen Sprache, die Simpsons und natürlich die Arbeit am Album.


Für mich als Laien war es immer unvorstellbar, wie man denn Sänger wird. In der Grundschule sind ja alle erst einmal scheiße im Musikunterricht.

Ja. (grinst)


Wie kommt das dann?

Also ich habe zum Beispiel früher Blockflöte gespielt im Musikunterricht. Da war ich ganz okay. Umso höher die Klassen gingen, umso mehr wurde das dann wirklich Musikunterricht. Nicht mehr mit Blockflöte oder so. Man musste dann schon einige Sachen machen und Songs lernen oder was weiß ich. Da war ich dann eigentlich immer gut, muss ich sagen. Also ich war nie schlecht im Musikunterricht, weil es mich ja auch interessiert hat.


Aber damals hat doch niemand gut gesungen, oder?

Das habe ich nicht so wahrgenommen. Ich habe ja auch nie Gesangsunterricht gehabt.


Das meine ich. Wie wird man Sänger, wenn man keinen Gesangsunterricht hatte?

Das Ding ist: Man singt viel nach am Anfang. Als ich mit elf Jahren zum ersten Mal in einem Nachtclub auf der Bühne stand, da habe ich zwar meinen Song da gesungen, aber davor gab es ja auch schon Studio-Sessions.


Bevor du elf Jahre alt warst?

Ja. Da habe ich geweint dann. Weil ich das nicht fassen konnte, dass sich meine Stimme aufgenommen anders anhört. Das kannte ich ja nicht. Das ist der Effekt, wenn du die Aufnahme her später beim Abtippen hörst. Da sagst du dir auch: “Alter…das mag ich überhaupt nicht.” (grinst) Kennst du ja wahrscheinlich.


Ja.

Ja. Und das musst du dir vorstellen. So ein Zehnjähriger, der dann denkt, er singt jetzt da rein und da kommt dann dasselbe raus. Das kann dann schon schockierend sein und da habe ich auch geweint wie ein Schlosshund, weil ich das nicht fassen konnte. Aber am Ende des Tages habe ich über die Jahre hinweg bis heute meine Techniken und wie ich singe und das alles mir selbst angeeignet. Ich respektiere die Leute, die halt Gesangsunterricht haben, denn ich will es ja selber auch noch machen. Auf jeden Fall, wenn sich die Zeit findet. Aber ich muss auch sagen, dass Leute, die nicht diese Gesangsausbildung haben, aber trotzdem schon ein sehr gutes, technisches Know-How haben, was ja heutzutage nicht mehr schwer zu finden ist, ebenso meinen Respekt haben. Ich verurteile da auch niemanden, der nicht singen kann, oder einen, der nicht so gut klingt, weil er keine Gesangsausbildung hatte. Dafür ist mir eigentlich nur der Song wichtig. Du musst ihn gut rüberbringen. Ein Adel Tawil, der singt zum Beispiel supergerade und wenn er dann die Ad libs macht, die Backing-Dinger, da merkst du halt, dann fängt er an, aus dem Zwerchfell zu singen. Aber meistens singt er ja so: (fängt an zu singen) Ich hol dich da raus ding dang ding dang ding… Aber bei Xavier, Cassandra und mir ist es ja mehr so: (singt erneut)  Ich hol dich da raus… Da ist ja viel mehr Vibrato dazwischen. Entschuldige meine etwas heisere Stimme.


Wie kommt man denn mit zehn Jahren zu Studio-Aufnahmen?

Ein Freund von meiner Mutter hat mich singen gehört. So im Flur irgendwo von ‘nem Kollegen meiner Mutter. Da habe ich halt rumgesungen und der fand das dann so cool, dass er meinte: “Oah ja, ich hab Bock, lass mal ins Studio gehen.” Ich so: “Ja geil!” Weißt du, was ich für Vorstellungen hatte mit zehn? Dann bin also dahin und ich war ja schon sehr frühreif. Dann habe ich mich mit denen getroffen und dann war das einfach bei dem zu Hause, so ein Tapedeck. “Und los geht’s! Wir schreiben jetzt mal.” Dieser Prozess, Schreiben und so, das war für mich so: Hä?


Was hast du da letztendlich gesungen?

Sachen, die wir selber da geschrieben haben. Wir waren jetzt nicht so Cover-Leute oder so. Wir haben da halt Sachen geschrieben. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es viel mehr ist als mal eben ins Studio zu gehen, aufzunehmen und dann ist alles geil. Denkt man ja als Kind. (lacht)


Wie ging es dann weiter nach deinem ersten Auftritt?

(überlegt) Nach meinem ersten Auftritt hatte ich eigentlich viele Phasen im Leben, bis ich Savas kennen gelernt habe, die ich musikalisch durchlaufen bin. Mit dem, der mich sozusagen “entdeckt” hat – in Anführungszeichen – hatte ich dann eine Gruppe, die hieß “2Kom”. Danach hatte ich dann eine Gruppe, die hieß “Impala”, womit ich dann ein bisschen mehr reißen wollte. Mit der Gruppe habe ich es dann soweit geschafft, dass wir zum Beispiel bei Udo Lindenberg im Garten aufgetreten sind. Bei seinem Manager im Haus da in ‘nem Garten. Da habe ich dann zum Beispiel auch den Auftrag bekommen, um einen Titelsong für den Film “‘Ne günstige Gelegenheit“ zu schreiben. “Professional Robbing & Crime” hieß der Song. Das habe ich dann auf Englisch gesungen und gerappt, sozusagen. Danach hatte ich dann eine lange Backpacker-Zeit mit WBC. Das ist We Burn Connected, heißt aber auch Wermelskirchen Bremerhaven Connection. (lacht) Mit denen habe ich die meiste Bühnenerfahrung gesammelt. Und dann hatte ich irgendwann noch in Bremerhaven mit meinen eigenen Jungs die Crew Straßenlage. Wie gesagt, ich habe halt musikalisch viel durchlebt, um zu wissen, was ich da mache. Das hat mich sehr geprägt. Irgendwann konnte ich dann halt auch vom Zwerchfell singen. Das kam vom Üben und viel Auftreten und so weiter und so fort.


Und dann kam der Kontakt zu Savas.

Genau. Ich habe halt einen Cousin, der heißt Spookey. Der kannte ihn schon vorher. Der hat damals im Saarland gewohnt, in Saarbrücken. Da habe ich dann auch Savas kennengelernt. Weil wir selber Auftritte hatten und der letzte Auftritt war dann beim Halberg Open Air Konzert. Da haben wir dann unser Ding gemacht und er hatte mit Savas gesprochen und meinte: “Mein Cousin, der kann singen und bla.” Naja, und dann habe ich das gemacht. Ich habe einen Xavier-Song gesungen. (lacht) Und das war dann ein bisschen strange, weil ich den Text auch nicht so gut konnte. Aber trotzdem hat ihm das anscheinend gefallen und ja. Der Rest ist History.


Wobei er ja früher gar nicht so für R’n'B zu begeistern war, soweit ich weiß.

Das stimmt. Es hat ja auch zwei Jahre gedauert, ehrlich gesagt, bis er mich angerufen und “Komm mal vorbei!” gesagt hat. Da war ja auch gerade der Bruch mit Eko. Ich glaube, das hat auch viel damit zu tun gehabt, dass ich da noch ein bisschen warten musste, dass er sich da auch locker machen kann und vor allen Dingen auch neu Vertrauen schaffen kann mit Künstlern, die er dann signt in der Zeit.


“MMS” wurde dann aber relativ schnell angekündigt.

Das hat einen ganz einfachen Grund: Weil das Projekt nicht als “MMS” geplant war. Aber das Trio Valezka, Mel und Savas, die wollten ja schon dasselbe Konzept durchziehen. Das hat halt nicht geklappt dadurch, dass dann diese Streitigkeiten da kamen. Deswegen kam das dann, dass ich dann sozusagen vorgerückt bin. Das war ja auch der Ansporn, mich anzurufen. Mel fragte ihn dann: “Wen nehmen wir jetzt? Was ist eigentlich mit diesem Moe? Von dem redest du doch immer. Ruf den doch jetzt mal an, der soll jetzt mal kommen.” Das war dann zufällig auch gerade in der Echo-Woche. Dann bin ich direkt nach Berlin gefahren und habe dann direkt mit Savas aufgenommen. Die ganze Woche lang. Am letzten Tag wurde mir dann berichtet, von Savas selber, dass ich nicht nur gesignt bin, sondern dass ich auch direkt ein Teil der innerlichen Crew bin. Das gab’s ja bis dato auch noch nicht: Dass irgendjemand gesignt wird und gleich ein Teil vom innerlichen Kern ist. Zu der Zeit waren KAAS und Franky Kubrick gesignt und die sind halt gestandene Persönlichkeiten im Business. Da war ich schon baff. Dass gerade ich als Noname, als Niemand… Keiner weiß, wer ich bin, aber Savas vertraute mir soweit, dass er sagte: “Du gehörst zum inneren Kern!” Da war ich halt sehr stolz und das bis heute.


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