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Die Rap-Reportage: Lars und der Mainstream

26 September 2012

Laas Unltd.


Es sind oft die Momente, die weder von Kamera noch Aufnahmegerät eingefangen werden, die uns einen Künstler wirklich verstehen lassen. In unserer neuen Kolumne “Die Rap-Reportage” versorgen Euch die MeinRap.de-Redakteure exklusiv mit Einblicken in Bereiche, die sonst unbeleuchtet bleiben. Unsere Premieren-Ausgabe widmet sich Lars Hammerstein – besser bekannt als Laas Unltd. -, der sich nach Jahren hinter der überdimensionalen Ray-Ban mit vorsichtigen Schritten in Richtung Mainstream wagt.


“Wir machen es bei Lars zu Hause.” stand in der E-Mail von Phiddy, dem Inhaber von Bohemian Grove Music. Dort veröffentlicht Laas Unltd. am 12. Oktober sein neues Album “Im Herzen Kind” (hier vorbestellen). Die anschließende Adresse überraschte mich. Laas wohnt jetzt also in Berlin. Nun gut. Ich summe grinsend ein Lied von KraftKlub und bestätige Termin und Treffpunkt.


Fünf Tage später stehe ich vor einem Altbau in der Nähe des Tiergartens. Ich bin eine Stunde zu früh, aber vielleicht macht das ja nichts. Die Klingelschilder stellen das erste Hindernis dar. Ein Herr Hammerstein wohnt hier laut Klingel noch gar nicht. Also jede Wohnung zu Fuß abklappern und an der Haustür nach dem Namen gucken. Nichts. Mittlerweile angekommen im fünften Stock, trägt auch die letzte Wohnung im Dachgeschoss nicht den Namen Hammerstein. Sie trägt, wie gut ein Viertel aller Wohnung im Haus, gar keinen Namen.


Wieder auf dem Weg nach unten höre ich dann schon die gesuchte Stimme im Erdgeschoss. Laas und Phiddy stehen vor dem Fahrstuhl und warten. “Nehmt ihr mich mit?” frage ich und bin mir dabei tatsächlich etwas unsicher, ob der alte Fahrstuhl drei Personen gleichzeitig Platz bietet. Nach kurzem Austausch von Höflichkeitsfloskeln stehen wir vor Laas‘ Wohnung. Also doch die Dachgeschoss-Wohnung ohne Namensschild.


Ich muss zugeben: Ein Laas-Fan war ich nie. Sogar unsympathisch fand ich ihn zeitweise. Was sollte diese Sonnenbrille ständig? Dieses Backpack-Gelaber? Wieso redet er dauernd über seine Hater und disst sich dann auch noch selbst? Und denkt er ernsthaft, dass er ein Anwärter auf die Nachfolge von Kool Savas wäre? So wirklich habe ich da nie einen Zugang zu gefunden. Später sollte mir Laas noch erzählen, dass das vielen so geht. Irgendwie fühle er sich da schon oft etwas falsch verstanden.


In seiner Wohnung angekommen, begegnet mir tatsächlich ein gänzlich anderer Laas. Die Sonnenbrille ist ja schon etwas länger verschwunden. Aber auch sonst wirkt er viel freundlicher und bescheidener als ich ihn aus Interviews kannte. Das Bett wird mit zwei-drei Handgriffen zur Couch umfunktioniert. Viel mehr steht in diesem einen von drei Zimmern auch nicht. Zwei Tische, ein Kleiderschrank – und ganz viele Vinyl-Platten, die gemeinsam mit ein paar Postern den Rap-Fan Laas eindeutig brandmarken.


Auch die Listening-Session sorgt für eine Überraschung. Laas wagt mindestens einen, wenn nicht mehrere Schritte in Richtung Mainstream. Plötzlich trällert er aus munterer Kehle eine Hook, überlässt das Singen auf anderen Tracks aber gelernten Sängern. Eine gute Entscheidung übrigens. Thematisch hat sich Laas weit aus dem Rap-Kosmos entfernt. Die Kindheit steht im Fokus, persönliche Geschichten werden am Fließband serviert.


Klar kann man ihm jetzt vorwerfen, das alles sei sehr berechnend konstruiert. Welcher Rapper wird nicht mit steigender Anzahl seiner Alben persönlicher? Welcher Rapper versucht mit der Zeit nicht, dem klassischen Rap seiner Anfangstage um den Einfluss einer anderen Musikrichtung zu erweitern? Gedanken, die auch der Hörerschaft später durch den Kopf schießen sollten. Die erste Videoauskopplung “Hier und jetzt” wurde von vielen als Cro-Anbiederung verstanden. Gute zwei Drittel der YouTube-Votes sind negativ.


Dennoch: Irgendwie hat Laas es geschafft, mir seinen neuen Sound als ganz natürliche Entwicklung zu verkaufen. Auch, dass er erst jetzt die persönlichen Themen auspackt, erscheint mir nach seiner Erklärung irgendwie logisch. “Guck mal, ich habe damals angefangen bei Groove Attack, von ‘Laas Unltd. begins’ habe ich 300 CDs verkauft. Wenn du da jetzt einfach deine ganze private Geschichte erzählst, ist das für die Katz’! Es hört keiner. Dir hört keiner zu.”


Inzwischen hört man ihm zu. Das will Laas sich jetzt in voller Bandbreite zunutze machen. “Wir wollen alle Musik machen, wir wollen alle erfolgreich sein mit unserer Musik. Und mir geht es immer nur darum, dass ich Musik mache, die ich persönlich feier”, erklärt er. “In Richtung Mainstream zu schielen ist ja nichts verwerfliches.”


Im Forum diskutieren.


Text: Mathias Hansen


Laas Unltd. feat. Yu – Großer Junge (Video)