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Mein Rap #63 – Akte One

27 September 2012

Akte One (by Daniel Feigl)Foto: Daniel Feigl


In unserer Rubrik “Mein Rap” stehen uns Stars, Untergrund-Größen und Newcomer Rede und Antwort über ihre Musik, den Werdegang und Zukunftspläne. Heute mit: Akte One.


Warum rappst du?

Ich hab Ende der Neunziger angefangen zu rappen, weil ich nicht mehr soviel illegal sprühen konnte. Meine Akte bei der Staatsanwaltschaft war einfach schon zu dick und sehr viel mehr Stress mit den Bullen hätte mich auf jeden Fall in den Knast gebracht. Wenn ich früher Frust oder schlechte Laune hatte, ging ich raus und kloppte meinen Namen an die Wände. Jetzt schreibe ich einfach einen Text und rock ihn ins Mikrofon. Das ganze dann noch auf einer Bühne rauszulassen, befriedigt mich wenigstens etwas. Es ist aber nicht das Gleiche, als wenn ich nachts das Fat Cap auf die Dose stecke und meinen Namen an den Train klatsche.


Seit wann bist du aktiv?

Ich hab 1991 angefangen zu sprühen. Ungefähr Ende 1998 fing ich an, Texte zu schreiben, wobei es erstmal nicht um den Flow ging, sondern eher darum, etwas rauszulassen und zu erzählen, was ich denke. Rap war für mich eher Mittel zum Zweck.


Wie hat sich dein Rap seitdem verändert?

Auf jeden Fall hab ich jetzt mehr Taktgefühl als am Anfang. (lacht) Ich würde sagen, dass ich etwas ruhiger geworden bin, obwohl ich auch immer noch aggressivere Sachen mach. Im Allgemeinen mache ich eh sehr unterschiedliche Tracks und experimentiere gerne rum. Also alles in Allem ist der Flow runder geworden und die Themen sind kompakter – meiner Meinung nach.


Wer oder was hat dich beeinflusst?

Am meisten beeinflusst haben mich mein Leben, meine Atzen und das, was mich umgibt. Ganz besonders in der Anfangsphase würde ich Mach One sagen, mit dem ich viele besondere Erlebnisse verbinde.


Lebst du von der Musik?

In erster Linie lebe ich mit der Musik. Mittlerweile verdiene ich auch Geld damit, aber eher in Form von Workshops und Projekten an Schulen und Jugendhäusern. Ich lebe von meinen Fähigkeiten wie zum Beispiel Graffiti, Musik, Videobearbeitung, Grafik, Jugendarbeit und von allem, was damit zu tun hat.


Was ist für dich dein wichtigstes Release?

Das wichtigste Release war auf jeden Fall das “(R)evolution”-Tape mit Mach. Ich weiß nicht, wie die Dinge gelaufen wären, wenn wir das nicht gemacht hätten. Das Ding hat uns, durch seine eigene Art, irgendwie bekannt gemacht. Das rundeste Release war für mich bisher mein Konzeptalbum “FAT CAP RAP”, auf dem es sich ausschließlich um Graffiti dreht. An dem Teil habe ich bis heute nichts auszusetzen.


Was kann man von deinem nächsten Release erwarten?

Ich würd sagen: Eine bunte Mischung guter Akte-Tracks. Lauter Sachen, die schon darauf gewartet haben, auf CD gepresst zu werden.
Eine Rap-Scheibe, die den Namen “Blues” trägt.


Wenn du Fremden nur ein Lied von dir vorspielen könntest, welches wäre das?

Die Frage ist echt schwer zu beantworten, da ich da recht vielseitige Musik mache. Ich würde das vom ersten Eindruck, den ich von den Personen habE, abhängig machen.  Wenn es um ein Video gehen würde, wäre es definitiv “Stylejunk”.


Was denkst du, als wer du in der Szene wahrgenommen wirst?

Ich bin, wer ich bin:


Wer sind deine Lieblingsproduzenten?

Ich gehe da wenig nach dem Produzenten, sondern eher nach den Beats. Entweder passt das Teil und bumst – oder nicht. Aber die besten Produzenten sind die, die aus dem Rap in Form von Beat, Aufnahme, Arrangement und Mix alles rausholen.


Gibt es Wunsch-Features?

Eigentlich nein. Und wenn, dann sind das keine Rapper.


Hast du jemals daran gedacht, den ganzen Kram hinzuwerfen?

Höchstens mal daran gedacht, wie es wäre, wenn. Alles, was ich mache, überlege ich mir in der Regel gut, und ich bin bereit, mit allen Konsequenzen zu leben. Ich mache den Scheiß auch zum größten Teil für mich selbst. Ich könnte gar nicht mehr ohne. Das ist wie ein Ventil für mich.


Planst du, in fünf Jahren noch zu rappen?

Wenn ich dann noch lebe, sollte das eigentlich schon der Fall sein.


Die Release-Party zu “Blues” findet am 13. Oktober 2012 im Treptopolis in Berlin statt.


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Akte One – Blues (Tracklist, Cover & Release-Date)