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Die Rap-Reportage: Ein Nachmittag mit Trailerpark

25 Oktober 2012

Trailerpark


In unserer neuen Kolumne “Die Rap-Reportage” versorgen wir Euch exklusiv mit Einblicken in Bereiche, die sonst unbeleuchtet bleiben. Unsere zweite Ausgabe widmet sich den Jungs von Trailerpark, die MeinRap.de-Redakteur Matze kürzlich zum Interview traf, um mit ihnen über ihr aktuelles Album “Crackstreet Boys 2″ (zur Bestellung) zu sprechen.


Wenn man von Trailerpark zum Interview gebeten wird, sagt man natürlich nicht nein. Unsere gemeinsame Geschichte reicht Jahre zurück. Ich führte eines der ersten Interviews überhaupt mit DNP, damals, als die Wohnwagensiedlung nur einem kleinen Berliner Kreis ein Begriff war. Auch mit Pimpulsiv sprach ich schon. Die ganze Bande auf einmal hatte ich allerdings noch nie im Gespräch. Nach dem Hören-Sagen zu urteilen halten die Jungs den Rekord, was unveröffentlichte Interviews angeht. Das kommt nicht von ungefähr.


Der Ruf der unberechenbaren, anarchistischen Bande eilt Trailerpark stets voraus und sollte auch an diesem Tag bestätigt werden. Nur allzu verwunderlich wäre es doch gewesen, hätte der Ablauf diesmal reibungslos funktioniert. Um 12 Uhr sollte ich mich vor einem Studio im Berliner Wedding einfinden. “Wir stehen dann schon davor und warten”, meinte Basti noch am Telefon. Weder zehn Minuten vorher, noch eine viertel Stunde nach 12 war jemand zu sehen. Ein Anruf brachte Klarheit: “Timi und Alligatoah sind noch eine Bahn-Station entfernt. Ich bin noch auf der Autobahn, hier gab es einen Unfall, wir müssen den restlichen Weg durch die Stadt. Das dauert bestimmt nochmal eine halbe Stunde.”


Nur wenige Minuten später treffen Timi und Alligatoah tatsächlich ein. Timi entschuldigt sich für die seit über einem Jahr fälligen Antworten für sein “Mein Rap”-Interview: “Ich wundere mich, dass du überhaupt noch mit mir redest”, sagt er lachend. “Das ist okay, auf Suddens Antworten warte ich sogar noch länger als auf deine”, antworte ich. Wir lachen, obwohl es kein Witz war. Da Alligatoah hungrig ist, suchen wir den nächst gelegenen Bäcker auf und warten auf die restlichen Band-Mitglieder. Timi bedankt sich für die Bezeichnung “Deutschlands obszönste Boy-Band” in einem MeinRap.de-Artikel.


Kurze Zeit später stößt Sudden zu der Truppe, der in der Folgezeit vergeblich versuchen sollte, sich in der Telekom-Hotline über das neue iPhone zu informieren, während Timi probiert, erste Interview-Fragen aus mir rauszukitzeln. “Falk hat uns gestern ganz schön in die Mangel genommen”, sagt er. Die Band ist sichtlich geschafft vom Marathon der letzten Tage, alles dümpelt nur so vor sich hin. Nach 20 Minuten Warteschleife legt Sudden genervt auf. Inzwischen gibt es Neuigkeiten: Basti steckt nach wie vor im Stau und braucht mindestens eine weitere halbe Stunde. Der Besitzer des Studios ist derweil mit polizeilicher Begleitung auf dem Heimweg, da er ohne Papiere unterwegs war und diese erst vorzeigen muss, bevor er zum Studio kommt.


Mit einer Stunde Verspätung sind dann alle endlich versammelt. Sudden und Basti singen ununterbrochen “Call Me Maybe” und betonen abwechselnd, dass der Song das beste Pop-Lied des gesamten Jahres sei. Nachdem die Location gefunden ist, wird aus der anfänglichen Müdigkeit aller Beteiligten doch noch der übliche Trailerpark-Wahnsinn. Basti besteht darauf, dass alle Band-Mitglieder während des Interviews Brillen tragen – aus Solidarität zu mir. Das finde ich nett. Alligatoah spielt nur widerwillig mit.


Das Interview selbst geht dann recht schnell über die Bühne. Man glänzt durch allerlei blödsinnige Antworten, nur ab und zu ist ein ernsthafter Kern zu erkennen. Ein typisches Trailerpark-Interview halt. Wir plaudern über den VICE-Artikel, das neue Mitglied Alligatoah, den Versuch eines Backstreet-Boys-Covers und Pokémon.


Die Kollegen von 16bars verspäten sich und so ist im Anschluss genug Zeit, den Edeka nebenan aufzusuchen. Sudden und Vortex, Kamera-Mann und Maskottchen der Band, können sich nur schwer von einem Regal voller Hello-Kitty-Artikel, Überraschungseier und diverser anderer Süßigkeiten trennen. Basti macht sich derweil auf den Weg zum Schnaps. “Ist ja immerhin schon 14 Uhr.” Anschließend langt auch er im besagten Regal zu und schnappt sich einen Mini-Ventilator von den Wilden Kerlen für 2,49€. “Leider ist Konfetti als Zahlungsmittel in Deutschland immer noch nicht anerkannt”, beschwert er sich an der Kasse.


Nach diesem Einkauf erwacht die Band endgültig zum Leben. Für das nächste Interview wird sich umgezogen: Pferde-T-Shirt, Pikachu-Mütze und eine lilafarbene Proll-Jacke aus dem Second-Hand-Shop. Hauptsache absurd. Der YouTube-Player begleitet das muntere Treiben mit “Call Me Maybe” in Dauerschleife, was allen außer Sudden und Basti mittlerweile sichtlich auf die Nerven geht. Basti holt noch schnell eine Machete aus seinem Auto – er müsse sich ein Brötchen schmieren und wäre zu arm, um sich ein Messer zu leisten.


Das anschließende Interview mit Visa Vie ist an Klamauk kaum noch zu übertreffen. Während Alligatoah und Timi sich eher zurückhaltend präsentieren und Basti zum Großteil von seinem Die-Wilden-Kerle-Ventilator abgelenkt ist, läuft Sudden zur Höchstform auf und serviert einen Kalauer nach dem anderen. Sogar unbeabsichtigt sorgt er für einen Lacher, als während des Interviews ein “Pikachu!”-Ruf aus seiner Hosentasche erklingt: “Oh, mein SMS-Ton”, erklärt er.


Nach dem Interview wird noch ein wenig über die geplante Einladung bei Kiss.FM geplaudert. Schwierig sei es gewesen, vom neuen Album “Crackstreet Boys 2″ ganze fünf Songs zu finden, die radiotauglich sind. Selbst fünf Songs zu finden, die in einer zensierten Version nicht komplett aus Piepsen bestehen, gestaltete sich als kompliziert.


Nachdem Visa Vie und ihr Kamera-Mann Justin wieder verschwunden sind, beginnen die Vorbereitungen für den Dreh des Video-Snippets. Basti fordert eine weitere Runde “Call Me Maybe” und droht allen mit einem auf seiner Machete aufgespießten Brötchen. Ich verabschiede mich und erinnere Sudden und Timi an ihre Antworten für ihr “Mein Rap”-Interview. “Ach stimmt ja, da war ja was!”


Im Forum diskutieren.


Text: Mathias Hansen


Trailerpark – Selbstbefriedigung (Video)