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Die Rap-Reportage: Backstage bei den Orsons

19 November 2012

Die Orsons und Band

Foto: Nico Wöhrle


In unserer neuen Kolumne “Die Rap-Reportage” versorgen wir Euch exklusiv mit Einblicken in Bereiche, die sonst unbeleuchtet bleiben. Unsere Dritte Ausgabe widmet sich den Orsons, die MeinRap.de-Redakteur Matze in Berlin zum Interview traf.


Interviews zu organisieren kann ganz einfach sein. Man schreibt eine Mail an das Label, einigt sich nach kurzem Hin-und-her-mailen auf den Termin in seiner Heimatstadt, wo der Künstler seinen Tourstopp macht – 3. November 2012, und macht dann noch kurz die Uhrzeit aus – 18:30 Uhr. Scheint alles klar zu sein.


Interviews dann wirklich stattfinden zu lassen ist da eine ganz andere Sache. Da steht man dann nämlich vor dem rundherum geschlossenen Bi-Nuu-Club in Berlin und außer fünf Fans, die offenbar die Uhr nicht lesen können oder vor Ort noch Karten für das ausverkaufte Konzert ergattern wollen, ist noch niemand zu sehen. Scheint wohl doch nicht alles klar zu sein.


Eine Nummer von Peggy, der neuen Mitarbeiterin bei Chimperator, hatte ich nicht. Sebastian, der Labelchef, ging nicht an sein Handy. Was also tun? Na klar, da stand ja dieser Tourbus herum. Doch als ich mir diesen etwas genauer ansah, bemerkte ich schnell: Das Licht ist aus, man hört nichts – da ist wohl niemand. Also wieder zurück zum Club, an dem in diesem Moment Maeckes vorbei lief – meine Rettung.


Wenige Minuten später ist die Tür zum Bi-Nuu offen, Sebastian ruft zeitgleich zurück und Maeckes erzählt mir, dass Peggy ja im Urlaub sei, die hätte mir da eh nicht helfen können. Nun gut. Wir gehen in den Backstage-Bereich, in dem sich schon die ersten Leute tummeln, darunter Tourmanager und Backgroundsängerinnen. Doch von den restlichen drei Orsons ist niemand in Sichtweise. Das mit 18:30 Uhr wird dann schonmal nichts.


“Ich hol dann schonmal KAAS”, sagt Maeckes und wenige Minuten später erscheint dieser auf der Bildfläche. “Entschuldigung, ich war noch im Tourbus und habe meditiert”, sagt er. Ich bin irritiert. “Als ich euch gesucht habe, waren die Scheinwerfer vom Bus an, aber innen drin war kein Licht, deshalb dachte ich, da wäre niemand”, sage ich später im Interview. KAAS lacht. “Ehrlich gesagt habe ich das Licht nicht anbekommen im Bus. Aber das stört ja beim Meditieren nicht.”


Dann heißt es warten. Wir plaudern ein bisschen über meine Arbeit bei MeinRap.de und über unser letztes Zusammentreffen. Das war, als Maeckes “KIDS” veröffentlichte. Ich interviewte damals ein Kind, dessen Antworten-Repertoire nur aus “Hundekacke” und “Fußballschuhe” bestand. Einmal verzichtete es komplett auf eine Antwort und nahm stattdessen das Mikrofon in den Mund. Ich entschied mich damals aus wahrscheinlich nachvollziehbaren Gründen, das Gespräch nicht zu veröffentlichen.


Plan B und Tua ließen jedenfalls weiterhin auf sich warten. “Wollen wir einfach schonmal anfangen?”, fragt Maeckes und ich frage mich, welche Konsequenzen diese Entscheidung nach sich ziehen würde. “Ich weiß ja nicht, wie lang wir noch warten müssten.”“Das wissen wir auch nicht. Aber wenn du ein Interview nur mit uns zwei führst, wird das auf jeden Fall … ein Interview.” Gut, jetzt bin ich endgültig verwirrt. “Das heißt?”“Wenn wir zu viert sind, hast du immer irgendwen, der noch für ernste Antworten zu gebrauchen ist. Zu zweit wird es schwieriger”, grinst Maeckes.


Nachdem wir weitere zehn Minuten gewartet haben und die Diskussion mit KAAS darüber, wieso auf dem Pappteller auf dem Tisch ein angebissener, roher Champignon liegt, schnell im Sande verläuft, fangen wir dann doch einfach an. Von den vorab notierten Fragen, immerhin eine ganze von Hand beschriebene A4-Seite, stellte ich genau drei. Wir kommen trotzdem auf ein halbstündiges Gespräch. Das ist ein gutes Zeichen.


Tua und Plan B trafen zwar am Ende noch ein, nahmen aber nicht mehr am Interview teil. Maeckes und KAAS waren auch viel zu sehr in ihrem Element als Duo, als dass man dieses Gespann der Vollständigkeit halber hätte aufbrechen sollen, müssen, ja – dürfen.


Nach dem Interview plaudere ich noch mit KAAS über Gott und die Welt. Franz Kafka ist dabei ebenso Thema wie KAAS‘ Handy, das alle fünf Minuten klingelt, weil er es nicht schafft, den Alarm auszustellen. Die Technik scheint an diesem Tag einfach nicht sein Freund zu sein. Mittendrin platzt DJ Jopez in den Backstage, trällert “Ich sage Bang Bang Bangedibang” in bester HIMYM-Manier, breakt dazu auf dem staubigen Betonboden und wird dabei von allen bejubelt und beklatscht. “Jopez ist frisch verliebt und alle freuen sich für ihn”, werde ich aufgeklärt.


Kurze Zeit später beginnen die Vorbereitungen für den Auftritt. Zumindest sollte es so sein. Auf das “Bereite dich jetzt mal vor!” seines Tourmanagers erwidert KAAS nur lachend: “Ich muss mich nicht vorbereiten.”“Ich weiß, aber ich bin dein Tourmanager, ich muss solche Dinge sagen.” Beide lachen. Tua hingegen wärmt seine Stimme auf und singt das Wort “Penis” die Tonleiter hoch und wieder runter. Da ich der einzige bin, der das witzig findet, scheint diese Art der Vorbereitung bei ihm an der Tagesordnung zu sein.


Es folgt das offenbar ebenso traditionelle Gruppenfoto. Da Bitte-Lächeln-Wörter wie “Cheese” als zu langweilig befunden werden, einigt man sich schnell auf “Dito – wie die Fette von The Gossip”, eine Line von Tua auf dem neuen Album. Eine gute Minute lang stehen da dann also acht Menschen, posen vor der Kamera und doubletimen absolut synchron diese alberne wie geniale Line. Ein Anblick für die Götter. Dann ist auch schon fast Stagetime. Ich verabschiede mich und mische mich unter die zahlreichen Fans vor der Bühne. Wie gesagt, der Laden war ausverkauft.


Im Forum diskutieren.


Text: Mathias Hansen


Visa Vie unterwegs auf dem Orsons-Konzert in Berlin (Video)