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Megaloh – Endlich Unendlich (Review)

8 März 2013

Megaloh - Endlich unendlich (Cover)


Wenn viel Zeit verstreicht, bis ein Künstler sein neuestes Release auf den Markt bringt, kann das mehrere Gründe haben. Manchmal spielt ihm die oft beschriebene Künstlerseele einen Streich. Genie und Wahnsinn liegen oft nah bei einander, und so ist es nicht selten, dass der Wahnsinn zeitweise die Oberhand im Alltag gewinnt und das künstlerische Schaffen stocken lässt.


In anderen Fällen markiert ein solcher zeitlicher Einschnitt lediglich einen Wendepunkt im Reifeprozess des Künstlers. “Ich bin älter geworden”, hört man dann oft. Plötzlich habe man Visionen gehabt, die vorher nie da waren, und deshalb Zeit gebraucht, die neuen Wünsche auch musikalisch umzusetzen. Nicht selten bringt diese Phase das persönliche “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” hervor.


Im Fall von Megaloh scheint es sich um die zweite Variante zu handeln. Drei Jahre ließ der Moabiter verstreichen, um mit “Endlich Unendlich” nun – endlich – sein Debüt-Album zu veröffentlichen. Nach guten zehn Releases, die davor schon den Weg an die Öffentlichkeit fanden, eine gefühlte Ewigkeit – doch angesichts dessen, was auf dieser Scheibe abspielt, vielleicht nicht die dümmste Entscheidung.


Denn was hier vorliegt, ist ein richtig schönes, erwachsenes Album. Laut Pressetext war Megaloh ständig auf der Suche nach dem perfekten Text. Herausgekommen sind dabei Thementracks, die nicht dem rapinternen Schema F folgen und daher angenehm ungezwungen wirken. Mega versteht es, Sachverhalte poetisch in Texte umzuwandeln – und dabei stets einen ansteckenden Optimismus mitschwingen zu lassen.


Musikalisch setzt er dabei auf warme, organische Sounds, wobei er mehrfach seine Lines um ein geflipptes Vocal-Sample herumbaut. Mehrere gesungene Hooks erzeugen zeitweise eine sehr poppige Stimmung, die jedoch stets dem Kitsch entkommt und durch rumpelige Boom-Bap-Drumsets dennoch Ecken und Kanten besitzt. Zudem entlockt Megaloh auf dem unfassbar treibenden Beat von “Neue Schritten” seinem Kompagnon Samy Deluxe den wahrscheinlich am hungrigsten klingenden Part seit fast zehn Jahren.


Ob es letztendlich Megaloh “Sergeant Pepper’s” wird, ist zu so einem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht vorauszusagen. Zumindest ist ihm mit “Endlich Unendlich” ein Album gelungen, das die lange Entstehungsphase gut zu entschädigen weiß. Sollte bei der nächsten Scheibe wieder so etwas herauskommen, darf er sich gerne wieder soviel Zeit nehmen.


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