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Megaloh: “Perfektion ist für mich nicht erreichbar”

10 März 2013

Megaloh


Drei Jahre war es still um Megaloh. Am Freitag meldete er sich mit seinem neuen Album “Endlich Unendlich” zurück. Wir sprachen mit ihm über die Schaffensphase, das Soundbild des Albums, Realness, Probleme mit persönlichen Inhalten und die Suche nach dem perfekten Text.


Du hast viel Stress heute, oder?

Ja, gestern auch schon. Und eigentlich jeden Tag leider.


Das wievielte Interview heute bin ich?

Ich glaube, das siebte oder so.


Okay.

Siebte oder achte. Ich kann es nicht mehr überblicken. Gestern waren es auf jeden Fall noch ein paar mehr, hatte ich den Eindruck.  Aber gestern war ich auch früher da.


Dann hoffe ich, du bist trotzdem relativ gut ausgeruht.

Klar. Auf jeden Fall danke ich dir, dass du so viel Geduld hattest, und deshalb werde ich jetzt auch mein Bestes geben, damit das Interview gut wird.


Was ist denn die meistgestellte Frage in den Interviews?

Lass mich überlegen. Viel werde ich auf meinen Perfektionismus angesprochen, also dass man gelesen hat, dass ich ein Perfektionist bin und wie sich das ausdrückt. Oder “Endlich Unendlich” – was ich mit dem Titel meine. (überlegt) Das sind eigentlich die beiden Fragen. Ach ja und wie ich Max kennengelernt habe, kommt auch sehr oft.


Ich hätte die lange Schaffensphase vermutet.

Achja, das auch. (lacht) Stimmt. Aber eigentlich nicht so explizit, sondern meistens soll ich meinen Werdegang umreißen. Das kann ich mittlerweile fast auswendig. (lacht)


Dann reichen mir die letzten drei Jahre. Wir müssen nicht ganz zum Anfang zurück.

Genau, ihr kennt mich ja schon. Ihr seid ja Experten, die auf dieser Seite unterwegs sind. Also die letzten drei Jahre seit 2010.  Die “Monster”-EP, quasi mein letztes Projekt, das ich rausgebracht habe, sollte eigentlich mein Abschied aus dem Rap-Game werden, weil ich ein bisschen die Schnauze voll hatte von der fehlenden Perspektive und der ganzen Energie, die ich gefühlt umsonst da rein gesteckt habe. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nicht damit aufhören kann, Musik zu machen. Also die Ziele haben sich ein bisschen verschoben. Dann habe ich 2012 den Vertrag bei Nesola unterschrieben, war dann ja auch bei Joy Denalane auf dem “Niemand”-Remix, bei Samy auf dem “Hände Hoch”-Remix. Das hat mir so ein bisschen einen neuen Push gegeben. Ich habe eine neue Perspektive gesehen und bekommen durch den Deal bei Nesola. Eine Plattform. Eine Möglichkeit, endlich mal eine Platte so zu machen, wie ich das auch am liebsten machen würde. Das heißt, auch mit Zugängen zu Musikern und anderen Ressourcen, die ich vorher nicht hatte.


Was ist eigentlich mit Level Eight?

Das haben wir schon 2007 aufgelöst.


Achso.

Das gab es von 2003-2007. Da haben wir eigenständig unsere Sachen im Vertrieb von Groove Attack rausgebracht. Letztendlich hat es sich einfach finanziell nicht für uns rentiert, also der Erfolg, der es weiterhin tragbar gemacht hätte, hat sich einfach nicht eingestellt. Hinzu kam, dass wir einfach alles selber machen musste. KD-Supier und ich waren quasi alles in einer Person. Also in zwei Personen. (lacht) Künstler, Produzent, Label-Promoter, Booker… Ich wollte halt einfach nur noch Künstler sein und wir mussten auch musikalisch beide unseren eigenen Weg gehen. Wir haben da ja nur zusammengearbeitet. Seitdem habe ich mit vielen anderen coolen Leuten gearbeitet und KD auch. Ich denke, das hat uns beiden gutgetan. Wir machen ja immer noch ab und zu etwas zusammen, zum Beispiel “Die Stadt überhaupt”. Da wird es immer wieder was geben.


Aber du hättest damals deine musikalische Vision, die du bei dem jetzigen Album hattest, nicht umsetzen können.

Damals hatte ich gar nicht den musikalischen Horizont – also einfach die Erfahrung, die ich in den letzten Jahren jetzt gemacht habe. Es kommen ja immer wieder Erfahrungen dazu. Die Platte, so, wie ich sie jetzt gemacht habe… dafür musste ich, glaube ich, auch die Rückschläge einstecken, die ich eingesteckt habe, und die Konflikte so hinterfragen und verarbeiten, wie ich es getan habe. Das spiegelt sich dann auch in der Musik wieder. Früher war da noch so eine arrogante Haltung, ein bisschen eine Beratungsresistenz. Wir haben ja alles selber gemacht und hatten deshalb auch eben diese Haltung, die man halt hat, wenn man als Rapper neu ins Game kommt. “Fick nicht mit uns” quasi. “Wir wollen auch nichts mit euch zu tun haben.” Und auch der Zugang zu Musikern… Ich habe jetzt bessere Connections als früher.


Welche Vision hattest du denn hinter dem Soundbild? Das ist ja schon ein relativ großer Sprung zum letzten Release.

Die “Monster”-EP war ja auf sehr synthielastigen Beats. Das war auch bewusst so gewählt, weil ich finde, dass die sehr gut eine ignorante Haltung transportieren können, die ich zu diesem Zeitpunkt gespürt habe und so ausdrücken wollte. Für das neue Album “Endlich Unendlich” war mein Anspruch, etwas Zeitloses zu machen. “Zeitlos” ist so ein riesiges Wort, aber ich wollte etwas machen, was nicht einem Trend folgt, sondern einen gewissen Langlebigkeitsanspruch an die Musik und an die Inhalte hat. Musikalisch habe ich das für mich so definiert, dass es in erster Linie über echte Instrumente geht. Echte Bässe, echte Gitarren, Violinen, Schlagzeug auch. Wir haben nicht nur mit Live-Instrumenten gearbeitet, sondern ziemlich hybrid. Man weiß eigentlich gar nicht, was ist jetzt Synthie und was nicht. Insofern… “Sprung” würde ich jetzt nicht sagen. Es ist eher eine Weiterentwicklung. Vielleicht ein Sprung, weil viele Leute die Musikalität an mir vorher nicht gesehen haben, aber es war mir eigentlich schon immer wichtig, dass das Ganze musikalisch ist. Jetzt gibt es eben zusätzlich noch den Anspruch, dass es möglichst lange haltbar ist. So dass ich es mir in 30 Jahren noch anhören kann – im besten Fall.


Dennoch scheinst du Wert darauf gelegt zu haben, dass es immer noch nach Rap klingt.

Richtig. Ich komme aus dem Rap, ich liebe Rap. Ich bin Rap. Ich bin deutscher HipHop. (lacht)


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