szmtag Chakuza - Magnolia (Review) | MeinRap.de
Home » Reviews

Chakuza – Magnolia (Review)

6 April 2013

Chakuza - Magnolia (Cover)


Ein bisschen plötzlich kam das mit Chakuza ja schon alles. Auf einmal hat er einen Deal mit FOUR-Music, trägt Wollmütze und Schal und benennt sein neues Album nach seiner Lieblingsblume. So ein abrupter Wandel dürfte für die alteingesessenen Fans nicht so leicht zu verarbeiten gewesen sein. Böse Zungen sprachen schnell von einem Casper-Klon.


Klar, soundtechnisch schwimmt Chakuza – gezielt oder unabsichtlich – zweifelsohne ein bisschen im Fahrwasser von “XOXO” mit. Das Album besticht durch meist ruhige, organische Klänge, die sich stets im Hintergrund halten, um der Reibeisenstimme des Protagonisten den größtmöglichen Entfaltungsfreiraum zu bieten. Kleinere Abweichungen davon wissen wie im Fall vom elektronisch-treibenden Song “Sanduhr” ebenfalls zu begeistern, das etwas größere Experiment “Notlandung auf Berlin” mit Sebastian Madsen hingegen hätte nicht unbedingt sein müssen.


Inhaltlich scheint diesmal vor allem eines im Vordergrund gestanden zu haben: Ehrlichkeit. Diese bedeutet in diesem Kontext allerdings nicht nur, dass Chakuza dem Hörer keinen Bären aufbindet, sondern vor allem auch, dass er gegenüber sich selbst ehrlich ist. Während der Entstehungsphase wurde penibel darauf geachtet, jede Zeile zu streichen, in der der Linzer auch nur ansatzweise den Harten markieren will – und das Ergebnis steht ihm ziemlich gut zu Gesicht.


“Ich war immer kurz davor aus der Stadt zu fliehen/
Kein falsches Lachen, nie wieder Theater spielen/
Lass alles hängen, endlich wieder wie ein Kind fühlen/
Nie wieder kämpfen gegen Windmühlen”


Zwar schießen Bilder wie der mit Teddybären kuschelnde oder der Dornröschen weckende Chakuza dann doch ein wenig über das Ziel hinaus und zeitweise scheinen sich die Themen dann auch zu wiederholen – dennoch: Dass jemand aus der früheren Streetrap-Schiene so stringent ausbricht und dies nicht nur tut, um auch drei oder vier “deepe” Songs auf dem Album zu haben, verdient allein für den Mut einiges an Anerkennung. Für die dabei entstandenen, gelungenen Lieder umso mehr.


Der erste Schritt auf dem neuen Weg scheint mit “Magnolia” jedenfalls geglückt – und am Horizont sieht es alles andere als dunkel aus. So radikal der Imagewechsel auch zuerst erscheinen mag, so überzeugend vertritt und erläutert Chakuza diesen, ohne sich dabei unglaubwürdig zu machen. Die Rechtfertigungsphase ist mit “Magnolia” daher wahrscheinlich größtenteils abgehakt. Die damit neu gewonnene Freiheit dürfte dem nächsten Album sicherlich zugute kommen.


“Chakuza – Magnolia” bestellen.


Im Forum diskutieren.


(mh)


Chakuza – Ich lauf / Windmühlen live @ whats4(b)eats (Video)